Ich eröffne ein Host-Profil auf Worldpackers und werde Gastgeberin internationaler Reisender…

Ich gehe davon aus, dass der natürliche Zyklus des Work and Travel Kosmos zweigeteilt ist:

In der Jugend zieht man durch die Welt, arbeitet auf der Reise mal hier, mal da – und ist „Volunteer“.

Irgendwann wird der jugendliche Reisende sesshaft – und wenn es die Umstände erfordern, wird er zum „Host“ der Volunteers.

Auch bei mir erfordern die Umstände, dass ich zum Host werde.

Bedauerlicherweise, ohne jemals Volunteer gewesen zu sein.

Deshalb habe ich nur eine vage Vorstellung, auf was ich mich einlasse.

Wenn der Vorschlag nicht von einer leibhaftigen Dakini stammen würde, die durch ein Wunder und viel gutes Karma in den Pfarrhof kam, hätte ich es niemals gewagt! https://www.water-runs-east.eu/vatikanischer-wunderkuchen/

Auf einmal bin ich eine Frau, die ganz alleine auf einem riesigen abgelegenen Pfarrhof lebt – und Fremde in ihre private Wohnung einlädt.

Familie und Freunde sind hin und her gerissen: einerseits eine tolle Idee – aber nicht ohne Risiko!

Es hilft nichts.

Der Vorschlag kam durch ein Wunder.

Und es gibt keine vernünftige Alternative.

Entweder ich bekomme Unterstützung – oder ich muss den Pfarrhof wieder verkaufen.

Zwei volle Arbeitstage investiere ich in das Profil, feile an jedem Satz.

Meine Wohnung hat 100 Quadratmeter. Nachdem Suriyel aus meinem Leben verschwunden ist, gibt es ein freies Zimmer. Und ein Gästezimmer habe ich auch.

Bis zu drei Volunteers kann ich aufnehmen, gebe ich an.

Dazu lade ich einladende Fotos meines Zuhauses hoch.

Dann schreibe ich zwei Stellen aus:

Eine Stelle für die Sauna, die endlich fertig gebaut werden muss!

Seit einem Jahr quält mich das Projekt. Inzwischen steht eine Grundkonstruktion in der Werkstatt. Saunaofen, Kaminabzug, Saunafenster und Tür sind geliefert – aber nichts geht voran.

Die zweite Stelle für den Garten: der große Gemüsegarten ist von Disteln und Unkraut überwuchert, hinter dem Stall und auf der Streuobstwiese steht das Gras hüfthoch, an der Grundstücksgrenze wachsen die wilden Brombeeren bereits über die Äste der Obstbäume.

Weil mein Profil neu ist und ich noch keine Bewertungen von Volunteers vorweisen kann, verlange ich lediglich 16 Stunden Mitarbeit pro Woche.

Verteilt auf vier Tage.

Drei Tage haben die Reisenden frei.

Ich lade weitere – hoffentlich einladende – Fotos hoch.

Danach erkläre ich mein Projekt – ein buddhistisches Retreathaus in einem historischen Pfarrhof – und die Regeln.

Kein Alkohol, keine Drogen, keine Zigaretten, kein Fleisch. Drei Mahlzeiten täglich, vegetarisch und gesund.

Morgens und Abends Meditation.

Völlige Abgeschiedenheit.

Als Trost das Versprechen, dass der stündliche Regionalzug in 90 Minuten den Berliner Hauptbahnhof erreicht.

Der Bahnhof vier Kilometer vom Pfarrhof entfernt. Ich biete Chauffeur-Dienste an.

Dann lade ich das Profil hoch. Außerdem eine Kopie meines Personalausweises und die Grundbucheintragung des Pfarrhofs.

Mit Bauchgrimmen.

Und großen Zweifeln.

Ob am Ende wirklich ein Reisender kommt?

Und, wenn ja, ob daraus etwas Gutes werden wird?

Zwei Wochen muss ich warten, dann wird mein Profil freigegeben.

Innerhalb der ersten Tage erreichen mich mehrere Anfragen.

Ein Informatiker aus Istanbul möchte, dass ich ihm eine Einladung für ein Schengen-Visa schicke.

Eine Engländerin ist gerade obdachlos und möchte den Winter über bei mir wohnen.

Ich bin überfordert, schreibe vage zurück – und bin damit konfrontiert, dass die potentiellen Volunteers sofort anderweitige Zusagen erhalten.

Man muss also schnell sein, lerne ich.

Und trotzdem sollte man klug auswählen.

In der Hoffnung, beim nächsten Mal geschickter zu sein, warte ich auf neue Anfragen.

Niemand schreibt mich an.

Mein neues Profil, lerne ich, wurde in den ersten Tagen hervorgehoben.

Damit ist es jetzt vorbei.

Als nächstes erfahre ich, dass ich nicht passiv abwarten muss.

Als Host kann ich Volunteers zu mir einladen.

Wieder opfere ich zwei Arbeitstage und lade dreißig Reisende persönlich ein, die „Gartenarbeit“ und „Handwerk“ auf ihrem Profil angekreuzt haben.

Ich erhalte nur eine Antwort.

Eine Zusage!

J aus Kanada – Anlagenmechaniker und Holistischer Fitness-Trainer – möchte im November drei Wochen zu mir kommen!

Ich kann mein Glück nicht fassen und tippe mit zitternden Fingern auf „Reise vorab genehmigen“!

Drei nervenaufreibende Tage später die erlösende Rückmeldung: J hat meine Einladung verbindlich angenommen.

Der erste Volunteer für den Pfarrhof zu Dewitz ist gefunden!