Berichte von den Grenzen des Ich

Kater

Ich ziehe in meinen historischen Pfarrhof in der Mecklenburgischen Seenplatte – und bin dort nicht so einsam, wie ich das befürchtet hatte…

Ich bin die neue Besitzerin eines historischen Pfarrhofs in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Gezwungenermaßen.

So sehe ich das zumindest.

Suriyel ist anderer Meinung: Dass ich den Pfarrhof durch einen Traum gefunden habe, bedeute noch lange nicht, dass ich ihn kaufen müsse, erklärte er mir in den letzten Monaten wieder und wieder. https://www.water-runs-east.eu/weiher/

Während Suriyels wütenden Ausführungen klatschte mein Ego jedesmal begeistert Beifall. https://www.water-runs-east.eu/katastrophen-modus/

Meine intuitive Innere Stimme blieb unerbittlich: „Kauf es!“, flüsterte sie mir wieder und wieder ins Ohr. „Es wird nicht zu deinem Schaden sein!“

In meinem Leben passiert, was meine intuitive Innere Stimme will. Da kann mein Ego – und Suriyel – noch so Amok laufen. https://www.water-runs-east.eu/schizophrene-beziehungskrise/

Also unterschreibe ich im März den Kaufvertrag für den historischen Pfarrhof. https://www.water-runs-east.eu/notartermin/

Und ziehe Anfang Juni ein. Mit Suriyels tatkräftiger Unterstützung. https://www.water-runs-east.eu/einzug/

Obwohl er mir in den letzten Monaten gebetsmühlenartig erklärt hat, dass er nichts mit der ganzen Sache zu tun haben möchte!

Ich hatte es ihm von Anfang an nicht wirklich abgenommen. Und er sich selbst vermutlich auch nicht…

Wie auch immer: Das Wochenende meines Einzugs ist zu Ende gegangen. Suriyel hat mich gestern Abend alleine auf dem riesigen Pfarrhof zurückgelassen und ist nach Berlin gefahren. https://www.water-runs-east.eu/allein/

Ich gehe zu Bett in Erwartung einer unruhigen Nacht.

Aber als ich am Morgen aufwache, stelle ich fest, dass ich ausgezeichnet geschlafen habe!

Verblüfft stehe ich auf und trete ans Fenster, um einen Blick auf den Weiher vor dem Haus zu werfen.

Und schon erlebe ich die nächste Überraschung: Ich bin nicht allein!

Auf der windschiefen Holzbank am Ufer des Weihers schläft der weiß-schwarze Kater!

Suriyel hat ihn gestern entdeckt. Oder möglicherweise hat der Kater Suriyel entdeckt, wer weiß?

Das Entzücken war jedenfalls auf beiden Seiten groß!

Als ich dazu kam, war die Kennenlernphase bereits abgeschlossen. Suriyel hockte auf der Wiese neben dem Weiher und bürstete eine kleine runde schwarz-weiße Katze.

Mit einer Hundebürste, die er im Heizungsraum gefunden hatte.

„Wo kommt die denn her?“

„Es ist ein Kater!“, korregierte mich Suriyel.

Richtig. Unkastriert, stellte ich fest, als mir der Kater seine Unterseite darbot, während Suriyel seinen runden Bauch striegelte.

Ich ging neben den beiden in die Knie – und erntete einen misstrauischen Blick des fremden Katers.

Leider verfüge ich nicht über Suriyels magische Fähigkeiten: Tiere und Kinder scheinen sich auf besondere Weise zu ihm hingezogen zu fühlen.

Dafür konnte ich etwas anderes anbieten: Katzenfutter!

Weil mein Bruder im April bei einem Besuch im Pfarrhof auf eine magere trächtige Katze gestossen war, hatte ich sicherheitshalber eine Schachtel Trockenfutter besorgt.

Schwarz-weiß wäre sie gewesen, hatte mir mein Bruder hinterher erzählt.

Während Suriyel und ich dem Kater dabei zusahen, wie er das Trockenfutter verschlang als gäbe es kein Morgen, rätselte ich darüber, ob das die Katze war, die mein Bruder gesehen hatte?

Die Farbe würde passen. Nur: War mein Bruder so unbedarft, einen rundlichen kleinen Kater für eine trächtige Kätzin zu halten?

Egal.

„Wem der wohl gehört?“

Suriyel wiegte nachdenklich den Kopf. „Wenn er denn jemandem gehört.“

Ich musste ihm zustimmen: Der Kater war zwar nicht mager, aber wohlversorgt sah er definitiv nicht aus. Er war über und über mit Zecken bedeckt und so wie er sich zwischendurch kratzte, hatte er auch noch Flöhe.

Seine Ohren waren an den Rändern zerfetzt, quer über die Stirn klaffte eine Wunde und der Nasenrücken war blutig gekratzt.

„Er hat sich mit einem anderen Kater geprügelt“, kommentierte Suriyel die Verletzungen.

„Ich wette, er wurde verprügelt! Der wiegt doch nicht mehr als fünf Kilo! Und dazu ist er noch ein Britisch Kurzhaar! Die sind dafür gezüchtet, dass sie auf dem Sofa herumliegen und nicht, dass sie sich alleine durch die Wildnis schlagen!“

Vermutlich ein Covid-Opfer, schlussfolgerte ich. Irgendjemand hatte sich während des Lockdowns kurz entschlossen eine Rassekatze zugelegt. Als der erste Urlaub möglich war, wusste der Besitzer nicht wohin mit dem Kater, also wurde er auf dem Weg an die Ostsee in der Mecklenburgischen Seenplatte ausgesetzt.

Dazu würde auch das Alter passen. Ganz jung war er offensichtlich nicht mehr, der fremde Kater.

Suriyel waren meine Mutmaßungen egal. Es musste was passieren.

Wir schritten zur Erstversorgung. Nachdem ich dem Kater mit Wundspray Stirn und Ohren besprüht hatte, kraulte ich ihn, während Suriyel in gewohnter Geschicklichkeit eine Zecke nach der anderen herausoperierte.

Als der Kater genug hatte, kratzte er mich, drehte sich um und ging.

Ich besprühte meinen blutenden Finger mit dem Wundspray, das neben mir auf der Wiese lag und ging davon aus, dass der Kater so bald nicht wiederkommen würde.

1 Kommentar

  1. Dagmar Beatrix Delphine Schönemann

    Herrlich diese Geschichte! Ich liebe Katzen sehr!

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