Berichte von den Grenzen des Ich

Kategorie: Pfarrhaus

Tantra schenkt mir einen Pfarrhof – Zweiter Teil: Hypnotized

Ich mache mich auf dem Weg in das Retreathaus am Ende der Welt, um mich in magischer Tantra-Praxis zu üben…

Die Vorgeschichte zum Traum vom Pfarrhof, niedergeschrieben im Frühjahr 2023: Vorgeschichte Pfarrhof

„It´s the same kind of story, that seems to come down from long ago. Two friends having coffee together, when something flies by there window…

Mit Fleedwood Mac im Ohr schaue ich aus dem Zugfenster.

Hypnotized.

Exakt in dem Zustand, der im Songtext beschrieben wird.

Draußen: Lichte, noch kahle Wälder. Schmale, von der Frühlingssonne beschienene Äcker. Hecken, die Wiesen umsäumen.

Dazwischen: Wasser.

Kleine Weiher, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur. Schmale Bäche, hin und wieder ein See. Irgendwann nimmt der Regionalzug den Weg über eine Brücke.

Ich starre in die Strömung des Flusses. Alles um mich und in mir fühlt sich völlig irreal an.

Heute Nacht habe ich wild geträumt. Meine Seele schwingt sich ein auf das, was kommen wird.

Denn ich bin auf dem Weg in das Retreathaus am Ende der Welt. Mein Freund und Dharma-Bruder Uriel hat mich eingeladen. https://www.water-runs-east.eu/uriel/

Uriel – der Herr der Mühle – geht im Alltag einem seriösen, verantwortungsvollen Job nach. Weder seine zahlungskräftigen Klienten, noch seine Angestellten wissen, was sich hinter seiner freundlich-verbindlichen Fassade verbirgt:

Uriel ist tibetisch-buddhistischer Tantra-Meister. Er verfügt über Fähigkeiten, die in unserer Kultur ungewöhnlich sind.

Die hat er sich über viele Jahre hart erarbeitet. Unter schwierigen Umständen.

Denn die uralten tibetisch-buddhistischen Tantra-Techniken und Riten, die Uriel praktiziert, sind geheim. Und rar. Es gibt nur wenige tibetisch-buddhistische Lehrer, die sie beherrschen und darüber hinaus bereit sind, westliche Schüler darin zu unterweisen.

Vor zwei Jahren kaufte Uriel deshalb eine alte Mühle. Das einsam stehende Gebäude – direkt an einem Weiher gelegen und vom Mühlbach umschlossen – ist der perfekte Ort für geheime Tantra-Retreats.

Im historischen Dachstuhl richtete Uriel einen Schreinraum ein. Auf dem großen Altar thronen die Statuen der Buddha-Emanationen, mit denen er praktiziert.

Im Erdgeschoss der alten Mühle gibt es, seit Uriel die Sanierung abgeschlossen hat, eine Küche und einen großen Speiseraum. Im ersten und zweiten Stock stehen mehrere Zimmer bereit.

Nicht nur für die nepalesischen Lamas, die Uriel regelmäßig in sein Retreathaus am Ende der Welt einlädt, um sich von ihnen in geheimen Tantra-Praktiken unterweisen zu lassen.

Sondern auch für alle seine Dharma-Freunde, die mit ihm lernen und praktizieren wollen.

Uriel holt mich vom Bahnhof ab. We are two friends, having coffee together, while we´ll get hypnotized…


Neugierig auf die Arbeit mit Träumen und Innerer Stimme? Mehr über meine Methode: https://katharina-kaintz.com/wie-ich-arbeite/

Tantra schenkt mir einen Pfarrhof – Erster Teil: Mein Teufel

Die Suche nach meinem Schatten bescherte mir verstörende Einsichten – und eine Gothic-Miniatur als ständigen Begleiter…

Seit Jahren wandert er durch mein Zimmer.

Manchmal sitzt er prominent platziert auf meinem Fensterbrett. Dann hat er mich im Blick – und ich ihn.

Manchmal steht er im Bücherregal. Von dort beobachtet er mich während des Meditierens. Ich spüre seinen stechenden Blick im Nacken.

Manchmal überfordert er mich, dann verbanne ich ihn in seinen Styroporsarg.

Aber so weit, dass ich ihn in irgendeiner Schublade verschwinden lassen würde, gehe ich nie.

Ich habe lange nach ihm gesucht. Die Anderen waren zu plakativ, zu grob, zu christlich…

Es ist wahnsinnig schwierig, ein Symbol für den eigenen Teufel zu finden, habe ich festgestellt.

Den Meinen entdeckte ich schließlich bei einem Gothic-Versand. Irgend eine dystopische Figur aus einem Roman. Ich hatte ihren Namen vergessen, sobald ich die kleine Gestalt mit den Fledermausflügeln und dem Krakenarmen-Bart aus dem Versandkarton gezogen hatte.

Er ist einfach „mein Teufel“.


Es war ein langsamer schmerzhafter Prozess der Annäherung.

Als ich in meine Tiefe hinabstieg wie Orpheus auf der Suche nach Eurydike – damals, als meine Welt zusammenbrach – dem Fährmann Charon die Münze in die Hand drückte, damit er mich hinübersetze über den Acheron, war ich mir sicher, dass ich im Hades meines Inneren auf einen grauenhaften Teufel stoßen würde.

Mein ganzes Leben lang war ich davon überzeugt gewesen, im Grunde böse zu sein.

Schlecht.

Verdorben.

Ich wanderte tage- und nächtelang in fiebrigen Phantasien und quälenden Albträumen durch die stille Schwärze meiner inneren Abgründe und fand – nichts.

Einfach nur nichts.


Ich bin nicht böse.

Die Erkenntnis war so verblüffend wie erleichternd.

Als ich wieder zur Oberfläche zurückgekehrt war und daran ging, die Trümmer meines Selbstbildes zu sortieren, mir, meiner Vergangenheit, meiner Familiengeschichte einen neuen Sinn zu geben, blieb mein Teufel eine Leerstelle.

Ich war nicht böse. Was war ich dann?

Die Sache ist kompliziert, stellte ich fest. „Böse“ ist einfach. Ich war ständig mit der Widergutmachung für meine phantasierte Schlechtigkeit beschäftigt gewesen. Es hatte mich völlig erschöpft, geschwächt, klein gehalten. Aber es war ein klares Konzept gewesen, etwas, das mein Denken und Handeln in der Tiefe strukturierte.


Nachdem ich mich der Radikalkur des Zen unterworfen hatte, „zu lassen“, war dieses Denken in sich zusammengebrochen.

Auf einmal war ich damit konfrontiert, dass jeder Moment zählte: jeder Gedanke, jede Emotion, jede Handlung.

Und dass „Gut“ und „Schlecht“ keine tauglichen Prinzipien waren, um meine neue Welt zu ordnen.

Zen hat keine Moral und keine Ethik. Jeder Augenblick, jede Begegnung mit sich und anderen ist frisch, noch nie dagewesen. Jeder Atemzug ist neu.

„Gut“ und „Schlecht“ sind einfach nur Konzepte, die vom Leben abschneiden.

Es fiel mir schwer, diese Wahrheit zu akzeptieren. Ich wehrte mich energisch.


Als ich endlich aufgab – wieder ein Zusammenbruch – begegnete ich zum ersten Mal meinem Schatten.

Er ist ein „shape shifter“, lernte ich.

Er funktioniert nach dem selben Prinzip wie die „Boggarts“ in Harry Potter. Er nimmt jene Form an – schillernd, überraschend, unerwartet – die der Moment für ihn hergibt, nimmt in jedem Augenblick den Platz ein, der ihm angeboten wird.

Er ist reine Energie.

Er ist immer da.

Es gibt keinen Atemzug ohne ihn.

Es erfordert eine spezielle Technik des „Sehens“, lernte ich, ihn wahrzunehmen.

Einen Blick der Gelassenheit, der vollkommenen Offenheit.

Und den Mut anzuerkennen, dass er mein ist.

Er war es von meinem ersten Atemzug an – er wird es bis zu meinem letzten bleiben.

Es gibt kein Entkommen, keine Erlösung, keine Befreiung.

Es gibt keinen Sieg über den eigenen Schatten. Schon die Vorstellung, dies sei möglich, ist nur wieder mein Teufel in neuer Gestalt.


Das denke ich mir, während vor dem Fenster des ICE der Thüringer Wald vorbei zieht. Zwischen den kahlen Bäumen taut der Schnee.


Neugierig auf die Arbeit mit Träumen und Innerer Stimme? Mehr über meine Methode: https://katharina-kaintz.com/wie-ich-arbeite/


Rite de Passage

Biographische Transformationsprozesse sind Teil des Lebens – und deshalb nicht vermeidbar…

… was diese Übergänge nicht einfacher macht.

Oder akzeptabler.

Zumindest für das eigene Ego.

Du weise Innere Stimme begrüßt Veränderungen im Leben. „Es war an der Zeit!“, flüstert sie nachts im Traum. „Lass los! Alles wird gut werden!“

Das Ego dagegen läuft Amok! Da hat es jahrelang gekämpft, geschuftet und sich angestrengt und jetzt geht alles den Bach runter?

„Dass darf doch wohl nicht wahr sein!“, schluchzt es verzweifelt. „Warum muss das ausgerechnet mir passieren?“

Mit Händen und Füßen sträubt sich das Ego gegen jede Veränderung, klammert sich verzweifelt an das alte Leben – und beharrt stur darauf, dass das, was da auf es zukommt, nur in die komplette Katastrophe führen kann!

Ich weiß, wovon ich spreche!

Wieder und wieder bin ich durch diesen Prozess gegangen – wie jeder Mensch, der sein Leben lebt.

Weil ich Zen und buddhistisches Tantra praktiziere, sind die biographischen Brüche in meinem Leben möglicherweise etwas dramatischer als bei anderen.

Vielleicht kommt das meinem ängstlichen Ego aber auch nur so vor?

Inzwischen ist es eineinhalb Jahre her, dass ich meinen historischen Pfarrhof in der Mecklenburgischen Provinz gefunden habe. Durch einen Traum. https://www.water-runs-east.eu/weiher/

Wie es sich für eine Kartenlegerin gehört, befragte ich sofort, nachdem ich den erträumten Pfarrhof in einer Immobilienanzeige gefunden hatte, das Tarot.

Die Antwort war eindeutig: Die Sonne!

XIX Sonne aus dem Motherpeace-Tarot

So ist es bis heute geblieben.

Egal was hier im Pfarrhof passiert.

Denn Katastrophen und Wunder halten sich ziemlich exakt die Waage.

Trotzdem: Sowohl meine Innere Stimme als auch das Tarot bestehen darauf, dass ich es nicht besser treffen hätte können!

Inzwischen lebe ich seit einem Jahr im Pfarrhof in einem kleinen Dorf in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Langsam beginnt sich mein ängstliches Ego ein bisschen zu entspannen.

Zwischendurch kann es sich sogar an all dem Schönen hier freuen!

Es muss nicht mehr bei jedem Hindernis den Weltuntergang prognostizieren.

Streit und Ärger – bei einem solchen Projekt unvermeidlich – lassen das Ego immer weniger in tiefe Depression versinken.

Es lernt gerade, dass es auch kämpfen kann.

Und siegen!

Kurz: Das Ego wächst gerade an seinen Aufgaben.

Zwischendurch beginnt ihm die Sache sogar Spaß zu machen!

Die weise Innere Stimme lächelt liebevoll.

Sie wusste von Anfang an, dass es an der Zeit war, sich der Komplexität des Lebens zu stellen.

Und dass das Ego das schon hinbekommen würde.

Neugierig auf die Arbeit mit Träumen und Innerer Stimme? Mehr über meine Methode: https://katharina-kaintz.com/wie-ich-arbeite/

Dolmetscherin

Als Kartenlegerin übersetze ich meinen Klientinnen die Botschaften ihrer weisen Inneren Stimme…

Das ist meine Funktion.

Mehr ist es nicht.

Eine Kartenlegerin ist keine Therapeutin.

Oder Coach.

Ich betreibe auch keine „Lebensberatung“ – was immer das auch sein mag.

Das einzige was ich tue: so stimmig und verständlich als möglich in Worte zu fassen, was die Innere Stimme meiner Klientin ihr sagen möchte.

Das Medium, auf das ich mich dabei stütze, sind Tarotkarten.

Und Träume.

Das funktioniert erstaunlich gut. Auch wenn niemand weiß, warum das so ist.

Meine Haltung ist: Wer mich kontaktiert, hat das dringende Bedürfnis, mit der eigenen weisen Inneren Stimme in den Dialog zu treten.

So sehe ich das zumindest.

Bedauerlicherweise wird diese Perspektive nicht immer geteilt. https://www.water-runs-east.eu/erwartungen/

Statt sich auf einen Dialog mit sich selbst einzulassen, erwarten viele, dass ich ihnen aus den Karten eine schöne Geschichte über ihr Leben vorlese.

Inklusive Happy End.

Und das ohne Anstrengungen, persönliche Veränderungen oder gar Opfer.

Das sind Ansprüche, denen ich nur selten gerecht werden kann.

Eigentlich nie.

Denn irgendeine Baustelle hat jeder.

Und Menschen, die rund um glücklich und zufrieden sind, fragen nicht nach einer Kartenlegung.

Ich bin davon überzeugt, dass meine Klientinnen samt und sonders von ihren weisen Inneren Stimmen zu mir geschickt wurden.

„Vereinbare einen Termin!“, flüstern sie.

„Mach, dass du mich hören kannst!“, flehen sie.

Wenn die karmischen Voraussetzungen erfüllt sind, stößt die potentielle Klientin – angespornt von ihrer frustrierten weisen Inneren Stimme – auf meine Kontaktdaten.

Und wenn die weise Innere Stimme energisch genug ist, kann es sogar passieren, dass die potentielle Klientin zur tatsächlichen Klientin wird.

Worüber die weise Innere Stimme sehr erleichtert ist.

Davon bin ich überzeugt. Obwohl meine Übersetzungsleistungen sicher nicht immer perfekt sind.

Aber die weise Innere Stimme denkt sich „besser als nichts ist es allemal!“

Denn die meisten Menschen haben nie gelernt, den Kontakt zu ihrer weisen inneren Stimme zu kultivieren.

Unsere moderne westliche Zivilisation mit ihrem hektischen Lebensstil und den unendlichen Ablenkungen tut im Gegenteil alles dafür, diesen Kontakt zu verhindern.

Mit dem Ergebnis, dass viele Menschen das Gefühl haben, trotz erheblicher Anstrengungen – und obwohl sie alles „richtig machen“ – ihr Leben zu verfehlen.

Während ihre weise Innere Stimme frustriert die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und vor lauter Schreien schon ganz heiser ist!

Wer bei mir landet, hat also bereits mehrere Hürden genommen.

Aber dann kommt der Moment der Wahrheit. Die erste Kartenlegung!

Die Karten liegen auf dem Tisch – buchstäblich.

Während die weise Innere Stimme erleichtert aufatmet, dass sie ENDLICH gehört wird, erleidet das Ego meiner Klientinnen zuverlässig einen Nervenzusammenbruch!

Denn Egos sind sehr empfindsam, wenn es um die nackten Tatsachen des Lebens geht.

Auch das meine, übrigens. Ich kenne den Schmerz, den der unvermutete Kontakt mit der Realität bringt, nur zu gut. https://www.water-runs-east.eu/schizophrene-beziehungskrise/

Allerdings gehört es auch zu meinen persönlichen Wahrheiten, wie beglückend es sein kann, auf die weise Innere Stimme zu hören! https://www.water-runs-east.eu/nachricht/

Denn dann geschehen Wunder…


Neugierig auf die Arbeit mit Träumen und Innerer Stimme? Mehr über meine Methode: https://katharina-kaintz.com/wie-ich-arbeite/

Erwartungen

Klientinnen einer Kartenlegerin wünschen sich ein Happy End – dumm nur, wenn die Karten das nicht hergeben…

Ich bin Kartenlegerin.

Ein ehrwürdiges Gewerbe.

Schließlich entstanden Tarot-Karten im 15. Jahrhundert. Zur Zeit der Renaissance. Zuerst als Kartenspiel. Zweihundert Jahre später – nachdem die 22 Großen Arkana dazugekommen waren – auch als Werkzeug für Wahrsagung.

Und Menschen, die professionell Zukunftsprognosen erstellen, sind vermutlich schon seit Beginn der Menschheit tätig.

Denn der Wunsch zu erfahren, was das Leben wohl bringen wird, ist uns als Spezies eingeschrieben. Unser Denken und Fühlen kreist um unser „Ich“, seine Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Befürchtungen.

Deshalb gehen die Leute zum Kartenlegen: sie wollen hören, dass alles gut ausgehen wird!

Dummerweise macht das Leben, was es will. Zuverlässige Happy Ends gibt es nur in Hollywood-Filmen.

Das ist die größte Herausforderung meiner Profession…

Wie jede gute Kartenlegerin hatte ich Lehrmeister. Den vortrefflichen Ziegler. https://www.water-runs-east.eu/der-meister/

Die schöne Christine. https://www.water-runs-east.eu/die-andere-kartenlegerin/

Und meine geliebte Kartenlegerin Traudl aus Niederbayern. https://www.water-runs-east.eu/die-kartenlegerin/

Ihre absurden Geschichten über uneinsichtige verblendete Kundinnen und Kunden habe ich geliebt!

Ich lachte oft Tränen, wenn sie – mit ihrem unnachahmlich klugen trockenen Humor – Dialoge aus Kartenleg-Sitzungen wiedergab. Natürlich anonymisiert. Wir Kartenlegerinnen sind dem Schweigegebot verpflichtet!

Das war das Thema, das Traudl am meisten beschäftigte: Klientinnen und Klienten, die einfach nicht einsehen wollten, dass sich das Leben nicht zwingen lässt.

Und dass eine Kartenlegerin keinen gute Fee ist, die den Zauberstab schwingt, sondern eine Dolmetscherin des eigenen Lebens.

Dieses Lebens, für das man selbst die Verantwortung trägt – und dass man sich in jedem Augenblick selbst erschafft.

Die Zeiten, in denen ich diese Geschichten lustig fand, sind lange schon vorbei.

Das war, bevor ich selbst anfing, anderen Menschen professionell die Karten zu legen.

Inzwischen arbeite ich schon länger als Kartenlegerin.

Und bin regelmäßig mit dem Problem konfrontiert, dass ich kontaktiert werde, weil meine Klientinnen von mir hören wollen, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen werden.

Des Öfteren funktioniert das: Dann zeigt die Kartenlegung genau das, was sich die Leute wünschen.

Das ist super: für die Klientin – wie für mich.

Die Klientin ist glücklich – und ich hatte eine entspannte Sitzung.

Allerdings werde ich üblicherweise kontaktiert, wenn die Dinge nicht laufen, wie sie sollen.

Meist wissen die Klientinnen schon, dass sie mit erheblichen Hindernissen und Widerständen konfrontiert sind.

Und dass die Gefahr besteht, dass die Sache nicht so ausgeht, wie erhofft.

Wenn die nüchterne Realität dann buchstäblich „auf dem Tisch liegt“, ist das für die meisten trotzdem ein großer Schock.

Ich wurde ja kontaktiert – und dafür bezahlt – dass ich Ängste beruhige.

Vertrauen in eine positive Zukunft schaffe.

Wenn ich das nicht anbieten kann, sind viele Klientinnen schwer enttäuscht.

Wie gesagt: damit professionell umzugehen, ist die größte Herausforderung meines seltsamen Berufs…


Neugierig auf die Arbeit mit Träumen und Innerer Stimme? Mehr über meine Methode: https://katharina-kaintz.com/wie-ich-arbeite/

Herrentag

Mein neues Leben im historischen Pfarrhof bringt mich mit den Ritualen und Eigenarten der Mecklenburgischen Provinz in Berührung…

Die rote Backstein-Kirche aus dem 13. Jahrhundert befindet sich etwa 500 Meter von meinem Pfarrhof entfernt.

Ein Umstand, der Besucher regelmäßig in Erstaunen versetzt. Der Gutachter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kam fünfzehn Minuten verspätet zum Ortstermin, weil er das partout nicht glauben wollte und vergebens an der Kirche nach dem Pfarrhof Ausschau hielt.

Abgesehen von der seltsamen Distanz, die sich bisher niemand erklären konnte, passt mein roter Backstein-Pfarrhof vortrefflich zu der bescheidenen Kirche an der Hauptstraße.

So denke ich, als ich – beschallt von Glockengeläut – auf die Kirche zustrebe.

Heute ist Christi-Himmelfahrt – in Mecklenburg sagt man „Herrentag“ – und deshalb findet dort ausnahmsweise ein Gottesdienst statt.

Geschützt vom Nieselregen steht die Pastorin im schwarzen Talar mit weißem Bäffchen unter dem Torbogen und begrüßt die Besucher. Etwa dreißig sind es, die sich im schmucklosen Kirchenschiff versammelt haben.

Vor dem Altar hat der Posaunenchor Platz genommen: fünf ältere Herren und eine Dame sitzen mit ernster Miene vor ihren Notenständern, blitzende Blasinstrumente in den Händen haltend.

Ich lasse meinen Blick über die Gottesdienstbesucher schweifen. Die dominierende Haarfarbe ist grau. Jünger als vierzig sind lediglich zwei Afrikanerinnen, die gerade vom Küster hereingeführt werden, sowie drei kleine Kinder in Begleitung einer jungen Frau. Der Nachwuchs der Pastorin samt Aupair, flüstert mir meine Banknachbarin ins Ohr.

Hoch oben auf dem Altar steht ein gekreuzigter wiederauferstandener Jesus und breitet segnend seine Hände über den Gottesdienstbesuchern aus.

Der Bläserchor stimmt das Eröffnungslied an. Dummerweise sind auf den Zetteln mit den Liedtexten keine Noten abgedruckt. Ich singe trotzdem mit, so gut es geht.

Die Pastorin scheint den Gottesdienst vor allem mit Blick auf ihre drei Kinder gestaltet zu haben. Nachdem die Psalmen rezitiert sind, lässt sie – anstatt eine Predigt zu halten – nach einer kurzen Einführung ihren Nachwuchs bunte Wollfäden an die Gottesdienstbesucher verteilen. Als Ausdruck dafür, dass „die Kirche bunt ist“. Brav knoten alle ihre Wollfäden aneinander, obwohl das stumme Kopfschütteln einiger Umsitzender nicht zu übersehen ist.

Wir beten das Vaterunser, der Posaunenchor spielt vier weitere Lieder, wir empfangen den Schlusssegen – und dann ist der Gottesdienst auch schon wieder vorbei.

Der Ehemann der Pastorin hat währenddessen Tee gekocht und die mitgebrachten Speisen der Gottesdienstbesucher auf dem Buffet in der Eingangshalle der Kirche arrangiert. Aus einer Kammer werden Biertische und Bierbänke herbeigeschleppt und vor dem Altar platziert.

Währenddessen stelle ich mich der Pastorin als neue Besitzerin des Pfarrhofs vor. Die steht – jetzt im blauen Pullover und mit dem jüngsten Kind auf dem Arm – wieder unter dem Torbogen und verabschiedet die Besucher. Meine Einladung zum „Tag der offenen Tür“ im Pfarrhof nimmt sie freundlich entgegen. Ihre Kinder wären ebenfalls willkommen, erkläre ich ihr, und freue mich im Stillen, dass wir bei der Planung an den Mandala-Maltisch gedacht haben.

Danach reihe ich mich in die lange Schlange vor dem Buffett ein. Während ich ein Stück Gemüsekuchen nehme, registriere ich erleichtert, dass der Korb mit meinen selbstgebackenen Vollkornbrötchen bereits leer ist.

Meinen Teller balancierend kehre ich in das Kirchenschiff zurück und steuere den Altarraum an.

Mit Schaudern.

Ich bin katholisch aufgewachsen. Der Altarraum – so lernte ich als Kind – ist heilig! Denn dort steht in katholischen Kirchen der Tabernakel mit der konsekrierten Hostie – dem Leib Christi! Zumindest wenn die ewige Lampe brennt. Und das tat sie in der Dorfkirche meiner Kindheit zuverlässig. Deshalb war der Altarraum tabu und nur dem Pfarrer, den Ministranten und dem Mesner war es erlaubt, ihn zu betreten.

Selbst in meinem Buddhistischen Zentrum im anarchistischen Friedrichshain ist es streng verboten, im Tempel unter den Augen des riesigen goldenen Buddha zu essen.

Und auf einmal sitze ich an einem Biertisch unter Kanzel und segnendem Christus, esse Gemüsekuchen und krieche zwischendurch unter den Tisch, um eine verlorengegangene Olive von der mittelalterlichen Grabplatte zu klauben!

Als ich im Nieselregen nach Hause laufe, denke ich über den seltsamen Gottesdienst nach. Im Grunde, beschließe ich, war es sehr nett.

Unprätentios, unaufgeregt und entspannt.

Wie meine neue Heimat…

Auspicious

Rinpoche besichtigt den Grund und die Gebäude das Pema Choling – und ist sehr angetan von dem, was er sieht…

Am Freitag, den 20. Juni 2025 kommt Rinpoche das erste Mal in sein Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz. Er wird feierlich von der Sangha begrüßt und segnet das Pfarrhaus. https://www.water-runs-east.eu/ankunft/

Danach tragen wir zwei Klapptische und ein paar Campingstühle aus der Werkstatt, bauen am Weiher eine improvisierte Tafel auf und essen mit Rinpoche zu Abend.

Curry mit Reis.

Das ißt Rinpoche am liebsten. Weil er – ansonsten von großer Bescheidenheit – empfindsam in Bezug auf Reis ist, habe ich extra einen Reiskocher für ihn gekauft. https://www.water-runs-east.eu/rinpoche/

Nach dem Abendessen werden die Schlafplätze verteilt.

Das ist keine einfache Angelegenheit. Dabei sind wir an diesem Freitagabend nur zu zwölft. Und haben 450 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung.

Zumindest theoretisch.

Denn praktisch läuft es darauf hinaus, dass sich keiner der Gäste dazu aufraffen kann, im unsanierten Teil des Hauses zu übernachten.

Die Zimmer in meiner sanierten Wohnung im Haupthaus sind vergeben: an Rinpoche, seinen Manager und einem Dharma-Bruder mit kleinem Sohn.

Der Rest muss sehen, wo er bleibt.

Auch ich. Denn ich habe mein Zimmer an Rinpoche abgetreten.

Das gehört sich so, hat mir Suriyel bei der Planung des Einweihungswochenendes erklärt: Der Lama bekommt immer das schönste Zimmer!

Das in diesem Fall das meine ist.

Rinpoche ist es ein bisschen unangenehm, als ich ihm mein Zimmer zuweise. Er fragt zwei Mal nach, wo ich schlafen werde.

Ich versichere ihm, dass für mich gesorgt ist.

Dass ich in meinem Crafters übernachten werde, verrate ich ihm nicht.

Es könnte ihn überfordern.

Obwohl der Laderaum des Transporters mit Matratze, Bettzeug und Kuschelkissen sehr gemütlich aussieht.

Suriyel schläft in der Werkstatt.

Zwei Dharma-Brüder übernachten im Pavillon.

Zwei Sangha-Mitglieder sind in ihren Campern angereist. Die parken neben meinem Crafter vor der Werkstatt.

Daneben stehen noch zwei Zelte.

Ich verteile warme Decken, dicke Pullover und Jogginghosen. Nachts hat es um die 10 Grad. Eine Information, die ein paar Gäste verblüfft.

Als ich am nächsten Morgen aus meinem Crafters klettere, empfangen mich die warmen Strahlen der Morgensonne.

Ich habe wunderbar geschlafen.

Die anderen auch, wird mir während des Frühstücks versichert.

Wir nehmen es an unserer Tafel am Weiher ein.

Eine sanfte Brise streicht über die Wasseroberfläche und lässt das Laub im Wallnussbaum rauschen.

In den Kirschbäumen zwitschern die Stare, während sie sich über die reifen Kirschen hermachen.

Rinpoche sitzt auf meinem Garten-Sofa – das Suriyel in der Mitte der Tafel platziert hat – und erfreut sich am perfekten Rührei unseres Sternekochs.

Um vierzehn Uhr soll die Einweihung des Pema Choling beginnen.

Bis dahin ist noch Zeit.

Rinpoche lässt sich von Suriyel und mir das Gelände und die Nebengebäude zeigen.

Den verwilderten Gemüsegarten, indem Johannisbeersträucher und Erdbeeren gegen Brombeerranken und Brennesseln kämpfen.

Den großen Stall mit der schiefen Firstmauer.

Den kleinen Stall mit dem löchrigen Dach.

Als Rinpoche hört, das Suriyel in dem Stall – wenn der saniert sein wird – Schafe halten möchte, ist er entsetzt!

„No sheep!“, erklärt er entschieden.

„Schafe“, so Rinpoche, „machen immer Ärger! Sie verlaufen sich, fressen giftige Pflanzen, werden krank, müssen geschoren werden!“ Rinpoche ist in einem kleinen Bergdorf an den Ausläufern des Himalaya aufgewachsen. Er kennt sich mit Schafen aus. Im Gegensatz zu Suriyel, der seine Kindheit im Herzen Warschaus verbracht hat.

„Da hörst du es!“, sage ich zu Suriyel. „Möchtest du wirklich, dass ich dich nachts um drei in Berlin anrufe, um dir zu sagen, dass eines DEINER Schaf krank ist und du sofort kommen musst?“

Suryiel schaut enttäuscht. Keine Schafe – also auch niemand, der das Gras kurz hält.

Abgesehen von einem Rasenmäher…

Als wir beim Hühnerstall angekommen sind, erkläre ich Rinpoche, dass ich gerne Hühner hätte. Vor ein paar Tagen bin ich zufällig auf einen Bauern im Nachbardorf gestossen, der junge Hühner verkauft. Zehn Hühner und einen Hahn kann ich in dem kleinen Hühnerstall halten, hat mir der Bauer erklärt.

Rinpoche nickt. „Chicken are okay. Chicken are not complicated. Not like Sheep. So Chicken yes, but Sheep no!“

Vor der großen Werkstatt beenden wir den Rundgang. Suryiel eilt von dannen.

Rinpoche und ich bleiben zurück.

Gespannt warte ich, was Rinpoche zum Pema Choling sagen wird.

Der lässt seinen Blick über die große Wiese hinter dem Haus gleiten, bevor er zustimmend nickt. „A really good place! And you did find it through a dream?“

„Yes.“

„This is really auspicious!“ Rinpoche nickt noch einmal bekräftigend, dann eilt er zu Suriyel an den Weiher.

Der wartet schon auf Rinpoche.

Mit den Gebetsfahnen.

Die müssen dringend aufgehängt werden.

Denn aus dem Historischen Pfarrhof von Dewitz wird hier und heute das buddhistische Zentrum Pema Choling.