Die Geschichte um die wilden Katzen des Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz transformiert von der Komödie zum Drama…
Am Montag, dem 15. Dezember 2025, nimmt die Geschichte um die wilden Katzen des Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz eine unerwartete Wendung! https://www.water-runs-east.eu/katzen/
Eigentlich sollte das Projekt „Fünf wilde Katzen einfangen und kastrieren“ an einem einzigen Tag über die Bühne gehen – am Freitag, dem 12.12.2025. https://www.water-runs-east.eu/katzen-jagd/
Stattdessen ist am Freitagabend gerade mal eine Katze kastriert!
Zwei weitere sind in meinem Badezimmer verwahrt.
Über das Wochenende versuche ich die beiden noch fehlenden Katzen einzufangen. https://www.water-runs-east.eu/katzenjagd-wochenende/
Vergebens!
Am Sonntagabend habe ich innerlich aufgegeben.
Die Katzen werden vor Weihnachten sicher nicht mehr in die Fallen gehen. Nächstes Jahr werde ich mich wieder auf Katzenjagd begeben müssen.
Am Montag kommt wieder einmal alles ganz anders als gedacht!
Der Tag beginnt erfreulich:
Um neun Uhr morgens fährt der Vorsitzende des Tierschutzvereins Neubrandenburg vor und nimmt die beiden unkastrierten Jungkatzen aus dem Badezimmer in Empfang.
Widerstandslos haben sie sich zuvor von mir in die Transportbox schieben lassen.
Damit sie sich etwas weniger fürchten, habe ich beide gemeinsam eingepackt.
Bevor der Tierschutz-Mann in Richtung Tierarzt verschwindet, haben wir einen kurzen Zusammenstoß:
Dass ich aufgegeben habe und die Fallen einpacken möchte, kann er nicht akzeptieren!
Er droht mir damit, mich im nächsten Jahr nicht mehr zu unterstützen, wenn ich nicht weiterhin versuche, die fehlenden Katzen einzufangen!
Zähneknirschend gebe ich nach. Obwohl ich felsenfest davon überzeugt bin, dass das nichts mehr werden wird in diesem Jahr.
Außerdem ist in neun Tagen Weihnachten!
Nachdem der Vorsitzende samt Katzen vom Hof gefahren ist, säubere ich die drei Fallen, platziere möglichst appetitlich ein paar frische Brocken Nassfutter darin und stelle sie wieder auf.
Nach ein bisschen nachdenken entscheide ich mich dafür, die Falle, die das Wochenende über vor dem Holzlager stand, am Kompost hinter der Werkstatt aufzustellen.
Die Katzen sind seit Donnerstag nicht mehr gefüttert worden. Sie haben sicher Hunger.
Und am Kompost gibt es viele Mäuse.
Nachdem ich die Fallen aufgestellt habe, laufe ich – am Weiher vorbei – zurück zum Haus.
Dort erwartet mich die erste Überraschung: Am Ufer des Weihers kauert die Mutterkatze!
Seit die Katzenfang-Aktion begann, habe ich sie nicht mehr gesehen!
Ich war mir sicher, dass sie – scheu wie sie ist – längst irgendwo anders Quartier bezogen hat.
Aber nein: Da ist sie!
Aus sicherer Distanz starrt sie mich an. Es ist, als wolle sie mich hypnotisieren!
„Ich kann dich nicht füttern!“, rufe ich ihr zu.
„Ich weiß dass es hart ist, aber geh doch einfach in die Falle! Es hilft doch nichts! Und es ist zu deinem Besten!“
Sie kauert weiter am Weiher auf dem Boden und sieht mir nach, als ich im Haus verschwinde.
Dort setze ich mich auf mein Kissen, praktiziere Zazen – und hoffe und bete, der Hunger der Mutterkatze möge größer sein als ihre Angst!
Zwei Stunden später drehe ich wieder meine – inzwischen vertraute – Runde über das Gelände und kontrolliere die Fallen.
Und tatsächlich: In der Falle am Kompost sitzt die Mutterkatze!
Schwindelig vor Ereichterung schleppe ich die schwere Falle mit der fauchenden kratzenden Katze ins Haus und stelle sie im Flur ab.
Mit zitternden Fingern wähle ich die Nummer des Herrn vom Tierschutz.
Der freut sich sehr, als er die positive Nachricht hört. „Wenn die Jungkatzen kastriert sind, bringe ich sie zurück und fahre dann sofort mit der Mutterkatze wieder zurück zum Tierarzt. Hier kastrieren sie heute bis 17 Uhr, das schaffen wir ohne Probleme!“
Mein Glück ist grenzenlos, als ich mit einer Tasse Tee am Küchentisch Platz nehe. Bald ist die leidige Angelegenheit erledigt!
Rechtzeitig vor Weihnachten!
Gut, eine der Jungkatzen fehlt. Aber die vierte Katze aus dem Wurf wurde schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Weder von mir, noch von den Nachbarn. Vielleicht ist sie irgendwo anders heimisch geworden?
Ich beschließe, mir von der fehlenden Katze nicht die Laune – und die Vorfreude auf ein friedliches, katzenfreies Weihnachten – verderben zu lassen.
Die Tasse ist immer noch halb voll, da läutet das Telefon.
Der Herr vom Tierschutz ist dran. „Ich habe schlechte Nachrichten!“, erklärt er mir.
Ich sinke auf den Küchenstuhl.
„Ich gebe ihnen die behandelnde Tierärztin.“ Er reicht das Telefon weiter.
Eine Frauenstimme: „Hören Sie, die Katzen sind in Narkose und es gibt Komplikationen. Die Katzen haben beide massive Atemprobleme. Im Röntgenbild ist zu sehen, dass die Lungenflügel verdickt sind. Entweder Lungenwürmer oder eine Lungenentzündung.“
Ich bin schockiert. Und sprachlos.
„Sie bekommen Antibiotikum mit. In zehn Tagen müssen sie mit beiden Katzen unbedingt zur Kontrolle kommen! Ist das möglich?“
„Ja, natürlich!“ Was soll ich auch sonst sagen?
Dann ist wieder der Herr vom Tierschutz am Apparat. „Ich bin in einer dreiviertel Stunde mit den beiden kranken Katzen bei ihnen. Dann nehme ich die Mutterkatze mit zur Kastration.“ Er legt auf.
Lungenwürmer!
Davon habe ich noch nie gehört. Es klingt extrem ekelig!
Und möglicherweise ansteckend.
Mikesch hat die Narkose am Freitag unbeschadet überstanden. Er scheint nicht krank zu sein.
Ich beschließe, dass er von seinen Geschwistern getrennt untergebracht werden muss.
Als ich ins Badezimmer komme, sitzt er auf dem Rand der Badewanne. „Komm Mikesch!“, rufe ich ihn, während ich die Tür zum Flur einladend aufhalte.
Er starrt mich verängstigt an. Und bleibt eisern auf der Badewanne sitzen.
„Jetzt komm, Mikesch! Hier draußen ist es viel schöner! Und viel gesünder für dich!“
Er ist ein unbedarfter Jungkater. Und frisch kastriert. Erkennbar hat er keine Lust, das warme Badezimmer zu verlassen.
Offensichtlich traut er mir nicht über den Weg.
Wer will es ihm verübeln?
Fluchend scheuche ich ihn quer durch das Bad, über das Waschbecken, dann hinter dem Wäschekorb hervor, bis er endlich keinen anderen Ausweg sieht, als sich im Flur unter den Schrank zu flüchten.
Ich stelle ihm je ein Schälchen Trockenfutter und Wasser neben den Schrank.
Kurz darauf fährt auch schon der Herr vom Tierschutz vor. In der Transportbox, die er mir in die Hand drückt, liegen die beiden betäubten Jungkatzen.
Ich bekomme noch ein Papiertütchen mit Tabletten für die beiden, dann hieft er die Falle mit der fauchenden Mutterkatze in den Kofferraum und verschwindet wieder.
Ich trage die Transportbox in das Badezimmer und lasse die beiden leblosen Katzenkörper neben der Waschmaschine auf eine weiche Decke gleiten.
Atmen sie?
Ängstlich beoachte ich ihre Bäuche. Ja, langsam und mühsam heben und senken sie sich.
Was, wenn eines der Kätzchen stirbt?
Aus der lästigen Pflichtübung ist ein Drama geworden.
Kurz darauf wird sich herausstellen:
Der erste Teil eines Dramas.
Der zweite Teil folgt eine Stunde später.
Wieder sitze ich am Küchentisch, trinke Tee und versuche, meine Nerven zu beruhigen:
Der verängstigte Mikesch unter dem Schrank im Flur, zwei schwer kranke narkotisierte Katzen im Badezimmer…
…und in neun Tagen ist Weihnachten.
„Pling!“ Eine neue Nachricht über WhatsApp. Der Herr vom Tierschutz hat mir ein Foto geschickt.
Darauf der Kopf der – offensichtlich narkotisierten – Mutterkatze. Und eine genähte Wunde am linken Auge.
Als die Katze in der Falle saß, habe ich sie das erste Mal aus der Nähe gesehen. Irgendwas war mit dem einen Auge nicht in Ordnung.
Was immer es war: es musste wohl operiert werden.
Da läutet auch schon das Telefon.
Der Herr vom Tierschutz ist dran: „Ich habe schlechte Nachrichten!“, beginnt er.
Mir bleibt beinahe das Herz stehen. „Was ist mit der Mutterkatze? Was ist mit ihrem Auge? Hat sie auch Lungenwürmer?“
„Nein!“, beruhigt mich der Tierschutz-Mann. „Ihre Lunge ist in Ordnung. Und das Auge musste operiert werden, aber das ist nicht tragisch. Ein Rolllid. So etwas kommt öfter vor.“
„Weil ihre Jungen die Atemprobleme hatten, wurde die Mutterkatze zur Kontrolle geröngt. Und auf dem Röntgenbild hat der Tierarzt das hier entdeckt:“
„Pling“.
Der Vorsitzende hat mir ein Foto des Röntgenbilds geschickt. Darauf sind zwei weiße Punkte eingekreist.
Einer im Vorderlauf der Katze. Einer im Brustkorb.
„Auf die Katze wurde geschossen. Die Projektile sind aus Blei. Wenn die nicht entfernt werden, stirbt die Katze an Bleivergiftung.“
Mir ist übel.
„Das Projektil im Vorderlauf konnte während der OP entfernt werden. Aber das Projektil im Brustkorb muss in einer Folge-OP gemacht werden. Nach Weihnachten.“
Ich bin sprachlos.
„Ich bringe ihnen jetzt die Katze.“, beschließt der Tierschutz-Mann das Gespräch.
Ich sitze weiterhin am Küchentisch, registriere ich nach ein paar Minuten.
Unter Schock.
Jemand hat auf die arme Mutterkatze geschossen!
Aus purer Grausamkeit!
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es ein direkter Nachbar war…