Luzifers Hochamt der Verspeisung der himmlischen Seelenfliegen nimmt eine unerfreuliche Wendung…

Auf Luzifers Zeichen hin schritt Nekael an den mannshohen Gong an der Stirnseite des Saals. Er holte weit aus. Der Schlegel in seiner Hand ließ die riesige Metallscheibe erbeben.

Mit feierlichen Mienen erhob sich die Tischgesellschaft.

Ein zweiter dröhnender Gongschlag ertönte.

Im Inneren des großen Schraubglases, das an der Stirnseite der Tafel platziert war, schwirrten vierundzwanzig grüne Schmeißfliegen.

Ein dritter Gongschlag erklang. Mit ernsten Blicken starten die gefallenen Engel, die zur ersten Verspeisung der verfluchten Seelenfliegen der Schutzengel Friedrichhains geladen waren, auf ihre Teller.

Luzifer wartete, bis sich wieder Stille über den großen Saal gelegt hatte. Als nur noch das Knacken der brennenden Holzscheite im offenen Kamin zu hören war, griff er zum Glas mit den Fliegen und hielt es triumphierend in die Höhe. „Macht euch bereit für die Speise, die uns unbesiegbar machen wird!“

Nekael trat schweigend an seinen Platz an der Tafel. Zusammen mit den anderen zweiundzwanzig Teufeln verneigte er sich tief vor Luzifer.

„Jeder, der eine Fliege erhält, wird mir zuvor unverbrüchliche Treue bis an das Ende der Zeiten schwören!“ Luzifer platzierte das Glas vor sich, hielt beide Hände darüber und murmelte einen Zauberspruch. Die Fliegen, die aufgeregt darin herumschwirrten, vielen wie betäubt zu Boden.

Nekrael und Arakiel stellten sich, die Hände vor der Brust gefaltet, erwartungsvoll vor ihrem Oberteufel auf. Die anderen gefallenen Engel reihten sich hinter ihnen ein.

Luzifer hob feierlich den Deckel und schob seine Hand ins Glas, um die erste Fliege herauszuholen. Nekrael ging währenddessen vor ihm auf die Knie.

Was war das?

Luzifer zog die Hand wieder heraus und starrte verblüfft in das Glas. Das war leer. Alle Fliegen waren verschwunden!

„Verflucht! Was geht hier vor?“

Die versammelten gefallenen Engel zuckten zusammen. Nekrael fiel vor Schreck beinahe vorne über. „Was ist los, Chef?“

„Die Fliegen sind verschwunden!“ Luzifer packte das leere Glas und schüttelte es.

In diesem Moment bebte die Erde. Kreischend ging die Festgesellschaft zu Boden. Luzifer stürzte, das Glas immer noch in beiden Händen haltend, nach vorne. Mit lautem Krachen knallte das Behältnis auf den weißen Marmor. Glassplitter jagten durch die Luft.

Stöhnend vor Schmerz presste Luzifer seine Hand gegen die Wange. Warmes Blut ran durch seine Finger, während er verzweifelt versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.