Ich benenne einen Dharma-Bruder nach dem Erzengel Suryiel – und begegne im Traum einer Frau mit seltsamem Namen…

Es ist Nacht. Das fahle Mondlicht lässt das Moos zu meinen Füßen silbern leuchten. Um mich steht der Wald wie eine schwarze Wand. Die Bäume sind alt und mächtig. Ich scheine mich in einer Art Urwald zu befinden. Irgendwo neben mir in der Dunkelheit ahne ich den Wolf. Während ich mich umsehe, wird mir bewusst, dass ich träume.
Auf einmal steht eine Frau vor mir. Sie ist ganz in weiß gekleidet, ihr dunkles glattes Haar fällt über ihren Rücken. „Mein Name ist Taliba.“ Sie mustert mich, während sie mit mir spricht, mit kritischem Blick. „Ich bin gekommen, um nach dem Rechten zu sehen.“
Durch die hohen Fenster fällt das matte Licht der Straßenlaternen. Der Traum war von einer solchen Intensität gewesen, dass ich erst wieder in die Wachwelt zurück finden muss. Richtig, ich liege in meinem Bett! Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es drei Uhr morgens ist. Ich schalte die Leselampe an und greife nach meinem Traumtagebuch. „Taliba“, kritzle ich schlaftrunken hinein. „Ich bin gekommen, um nach dem Rechten zu sehen.“ Wenn ich das nicht aufschreibe, besteht die Gefahr, dass ich mich am Morgen nicht mehr daran erinnern kann. Was schade wäre. Träume, die von einer solchen Dichte und Intensität sind, haben für gewöhnlich eine tiefe Bedeutung.
Während ich nach dem Aufstehen und der Morgenmeditation mein Frühstück bereite, denke ich über den Traum nach. Und über „Taliba“. Es ist höchst seltsam! Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich mir jemals zuvor eine Traumfigur mit ihrem Namen vorgestellt hätte.
Ein Name…
Meine Gedanken wandern zu einer Textnachricht, die ich am gestrigen Tag verfasst hatte. Es ging um einen Namen – genauer um ein Alias. Der Dharma-Bruder mit dem Didgeridoo hatte sich auf meine Bitte hin bereit erklärt, Maria in den Vajrayana-Buddhismus einzuführen. Sie hat es sich gewünscht – und er kennt sich damit aus. Ich hatte mich über seine Zusage nicht nur für Maria gefreut, sondern auch für mich. Ich meiner Zen-Linie gibt es keinen Dharma, keine Riten und keine spirituelle Tradition. Mit dem Ergebnis, dass alles, was jenseit von Meditationspraxis stattfindet, für mich ein großes Rätsel ist. Maria braucht eine Einführung – ich brauche Nachhilfe!
Dem Dharma-Bruder wird als Lehrer im Blog eine wichtige Rolle zukommen. Also – hatte ich beschlossen – braucht er einen Namen. Uriel, mit dem ich das Problem besprach, ist nach einem Erzengel benannt. Der Einfachheit halber sollte wieder einer aus der himmlischen Heerschar für ein Alias herhalten. Uriel und ich gingen die Kandidaten durch – und waren uns beide einig, dass „Suriyel“ der perfekte Namensgeber für den Dharma-Bruder ist: der Engel, der darüber wacht, dass alle Geschöpfe des Himmels die göttlichen Gebote einhalten.
Ich schickte dem Dharma-Bruder eine Nachricht, in der ich ihm seinen neuen Namen mitteilte und meiner Hoffnung Ausdruck verlieh, er könne die Sache mit Humor nehmen. Worauf ich in der darauffolgenden Nacht von einer Frau namens „Taliba“ träume, die gekommen war, um nach dem Rechten zu sehen. Während ich meinen Morgenkaffee trinke, google ich den Namen. Er wäre arabisch, lese ich. Und bedeute „Schülerin“.
Mein Unbewusstes scheint der Überzeugung zu sein, dass ich Nachhilfe in Vajrayana bitter nötig habe…
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