Mich überkommt das seltsame Empfinden, irgendwo dort draußen versuche ein heiliger Ort, mit mir in Kontakt zu treten…

Das Teaching des Hauptlinienhalters im oberbayerischen Wohnzimmer der Dharma-Freundin ging am späten Sonntagnachmittag zu Ende. https://www.water-runs-east.eu/linienhalter/
Als ich – die Gedanken immer noch bei Hermes – in München ankomme, ist es bereits Abend. https://www.water-runs-east.eu/hermes/
Dort verbringe ich die Nacht bei einer Freundin. Die interessiert sich weder für den Dharma, noch für Meditation. Nach zwei Rinpoches in zwei Wochen tut es mir gut, bis weit nach Mitternacht über die ganz normalen Dinge des Lebens zu plaudern.
Am nächsten Tag nehme ich die S-Bahn zum Hauptbahnhof. Der Wagon ist gefüllt mit schönen Menschen in quietschbunter Trachtenkleidung, die sich gegenseitig fotographieren und dabei lautstark auf Italienisch unterhalten.
Nach jedem Halt erklingt eine freundliche Frauenstimme mit hörbar bayerischem Einschlag, die in Deutsch und Englisch erklärt, dass „Heißluftballons der natürliche Feind der Oberleitung“ wären. Sie sollten doch bitte in „ihrem natürlichen Biotop auf der Wiesn bleiben“.
Am Hauptbahnhof umkreise ich Männergruppen in Lederhos´n und Frauen im Dirndl.
Der ICE nach Berlin ist pünktlich. Ein scharfer Pfiff des Schaffners, das harte Knallen der Türen, dann schiebt sich der Zug aus dem Bahnhof, den alljährlichen Oktoberfest-Wahnsinn hinter sich lassend.
Ingolstadt, Nürnberg, Erlangen, Bamberg. Bayern liegt hinter mir.
Draußen zieht der Thürniger Wald vorbei. Ich bin so übermüdet, dass ich nicht mehr klar denken kann. Die Reizüberflutung, die Energie von Teaching, Praxis und Einweihung durch den Hauptlinienhalter am vergangenen Wochenende, lassen meine Nerven vibrieren.
Ich bin – stelle ich fest, während ich mit zitternden Fingern meine Wasserflasche zuschraube – völlig neben der Spur.
Noch drei Stunden bis Berlin. Ich lehne mich im unbequemen Stuhl zurück, schließe die Augen und versuche, zu dösen. Das gleichmäßige Rauschen des ICE lässt mich in eine Art Trance fallen.
Bilder steigen auf: die bayerische Wallfahrtskirche neben dem Haus der Dharma-Freundin, bei der ich das letzte Wochenende verbracht habe. Vage Bilder eines schamanischen Kultplatzes an der Stelle, an der die Kirche errichtet wurde.
Der Innenhof eines buddhistischen Zentrums in Frankreich, über dem das Deckblatt eines Gedichts für Hermes tanzt, der gerade zum Schützer des Ortes wird. Die Säulen eines antiken Tempels, in dem Hermes gehuldigt wurde, lange bevor an der gleichen Stelle das Zentrum entstand. https://www.water-runs-east.eu/hermes/
„Ein heiliger Ort“, flüstert mir meine Innere Stimme ins Ohr. „Die Sangha braucht einen heiligen Ort für ihre Praxis!“
Auf einmal ist mir, als würde etwas von meinem Herz Besitz ergreifen. Eine fremde Energie, die – von Außen kommend – einen Anker in meinem Brustkorb schlägt und sich dort ausbreitet.
Begleitet wird das – so irreale wie beängstigende – Gefühl von dem Gedanken, dass dort draußen jemand nach mir ruft.
Ein Ort.
Ich starr aus dem Fenster. Über Brandenburgs Kiefernwäldern wird es Nacht.
„Irgendwo dort draußen“, denke ich, „befindet sich ein Ort mit hoher Energie, der mit mir in Kontakt treten möchte.“
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