Beelzebub – überwältigt von der positiven Energie des Buddhistischen Zentrums in Berlin-Friedrichshain – sieht sich gezwungen, die Dämonen-Königin Proserpina zur Hilfe zu rufen.

Am Montagabend gab Beelzebub auf. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Über sechs Tage war es ihm nicht gelungen, auch nur einen Fuß auf das Gelände des Buddhistischen Zentrums zu setzen! Drinnen fand irgendeine Veranstaltung statt: Das Zentrum vibrierte vor Energie! https://www.water-runs-east.eu/energy-2/

Er war sich vorgekommen wie ein kompletter Vollidiot, während er – auf dem Gehweg herumlungernd – verzweifelt durch die Gitterstäbe des Tores stierte.

Menschen, Schutzengel und Lamas wanderten hinein, Menschen, Schutzengel und Lamas wanderten hinaus – aber ihm als Dämon blieb der Zugang versperrt. Und dabei hatte er sämtliche Formen angenommen, die ihm eingefallen waren! Weder als Fliege, noch als Spinne gelangte er über die Mauer. Danach hatte er es – inspiriert von Luzifer – als schwarzer Kater versucht. Ebenfalls ohne Erfolg. Er war sämtliche menschliche Ethnien durchgegangen, hatte all seine Wettergott-Energien aktiviert – vergebens.

Als die Abendsonne hinter dem Fernsehturm versank, war er mit seinen Kräften und seiner Weisheit am Ende.

Beelzebub musste sich eingestehen, dass er nur zwei Möglichkeiten hatte: Er konnte Luzifer darüber informieren, dass er gescheitert war. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

Oder er konnte Proserpina um Hilfe bitten.

Beide Optionen waren unerfreulich – um es Milde auszudrücken.

Option eins ging mit der nicht zu unterschätzenden Gefahr des Statusverlusts einher. Die Häme über sein Versagen würde keine Grenzen kennen! Beelzebub ließ im Geist seine zahllosen Feinde und Widersacher Revue passieren. Der eine oder andere von ihnen würde das als willkommene Einladung betrachten, ihn kalt zu stellen. In der Vorstandsetage des Reiches der Finsternis ging es hart zur Sache. Ein Fehltritt genügte, und man war zum Abschuss freigegeben.

Option eins kam deshalb nicht in Frage.

Blieb Option zwei: Proserpina. Wenn irgendjemand aus den neun Bereichen der Hölle in der Lage war, in dieses Zentrum zu kommen, dann sie!

Beelzebub stöhnte innerlich auf. Da hatte er sich auf den Deal, Erzengel Suriyel zu überwachen, eingelassen, um einmal in fünfhundert Jahren ungestört seinen Spaß haben zu können – und dann blieb ihm schon nach sechs Tagen keine andere Wahl, als die Königin der Dämonen nachkommen zu lassen. Das konnte doch alles nur ein Witz sein! https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Es half nichts, ermahnte er sich. Entweder Proserpina oder der sichere Untergang.

Mit diesem Gedanken stieg er, zwei Straßen vom Buddhistischen Zentrum entfernt, die Treppen in den vierten Stock zu Luzifers Loft hoch. Der war nicht Zuhause, stellte Beelzebub erleichtert fest. Was jetzt kam, sollte der Höllenkollege nicht mitbekommen.

Wie es sich für einen Teufel gehörte, verfügte Luzifers großzügiger Wohnbereich über einen offenen Kamin. In einer Mauernische waren dekorativ Holzscheite gestapelt. Beelzebub schichtete ein paar davon in der Feuerstelle auf, konzentrierte sich und blies kräftig hinein. Aus seinem Mund schoss ein Flammenstrahl, der das trockene Holz explosionsartig in Brand setzte.

Beelzebub griff sich an den Kopf, riss aus seiner dicken schwarzen Lockenmähne drei Haare heraus, und warf sie – einen Zauberspruch vor sich hin murmelnd – ins Feuer. Danach stand er schnell auf und entfernte sich ein paar Schritte vom Kamin.

In sicherem Abstand starrte er in die zuckenden Flammen. Nach ein paar Sekunden begann sich zwischen den glühenden Scheiten Rauch zu sammeln. Der wurde dicker und dicker, dehnte sich immer mehr aus, bis er die ganze Feuerstelle ausfüllte. Plötzlich bewegte sich der Rauch – während er wild um die eigene Achse wirbelte – wie eine Säule aus dem Kamin heraus. Vor Beelzebubs Augen nahm er in rasender Geschwindigkeit menschliche Formen an, wurde in wildem Tanz immer kompakter – bis schließlich eine drahtige Frau mit langem dunklen Haar und harten Gesichtszügen vor ihm stand.

Ihre Augen huschten durch das Loft und blieben am Dämon hängen. „Beelzebub, Du Idiot!“, fuhr sie ihn an. „Wo treibst Du Dich wieder herum?“

„Berlin-Mitte“, brummte der.

„Und wem gehört die Wohnung? Das kann ja wohl kein Dämon sein, so wie es hier aussieht!“ Proserpina verzog beim Anblick der roten Hochglanz-Küchenfront und der Desingermöbel angewidert das Gesicht.

„Luzifer.“

„Luzifer?“ Proserpina spuckte den Namen regelrecht aus. „Was willst Du ausgerechnet bei diesem Lackaffen?“

„Hör zu, Schatz…“

Proserpina schnaubte vernehmlich durch die Nase. „Komm mir nicht damit, Beelzebub! Ich weiß genau, warum Du hier gelandet bist, Du alter geiler Esel! Hältst Du mich für bescheuert?“

Das tat Beelzebub ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Deshalb war er immer um Diskretion bemüht. Der schönste Fick war den Ärger nicht wert, wenn Prosperina etwas davon mitbekam.

Aber jetzt half es nichts. „Ja, Du hast völlig recht. Es tut mir leid!“

„Es tut Dir leid?“ Proserpina verdrehte die Augen. „Du bist sogar zu blöd zum Lügen, Beelzebub! Das hat Dir noch nie leid getan. Erspar mir Dein Geseier! Was ist los?“

Beelzebub holte tief Luft und machte reinen Tisch. Er erzählte alles: inklusive der Schutzengel in seinem Schlafzimmer. Das interessierte Proserpina nicht mehr im geringsten, als sie die Dimension des Problems erkannt hatte: „Das darf niemand in der Hölle erfahren! Unser Ruf wäre komplett ruiniert!“

Wenn es irgendetwas gab, was Proserpina heilig war, dann war es ihr Status als Königin der Dämonen. Der an ihren Status als Gefährtin des Kanzlers des Ordens der Fliege gekoppelt war. https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

Beides war gerade durch Beelzebubs Unfähigkeit akut bedroht. Sie war durch ihn in die höchsten Ränge der Hölle aufgestiegen – sie würde mit ihm fallen.

„Wo ist dieses verfluchte Zentrum?“

„Da willst Du jetzt noch hin?“

„Ich gehe da rein! Sofort! Am Ende ist irgendwas passiert, während Du Idiot ahnungslos vor der Tür herumgelungert bist. Wir brauchen Kontrolle!“