Luzifer trifft in seinem Äther-Apparat auf einen ungebetenen Gast und eine verstörende Erscheinung…

Nekael verließ den Saal. Mit einem Besen in der Hand trat er kurz darauf wieder ein und begann, die Scherben des Schraubglases zusammenzukehren, die immer noch auf dem weißen Marmorboden verstreut lagen.

Arakiel sortiere hinter dem Tresen leere Flaschen. Nach dem plötzliche Verschwinden der Seelenfliegen hatten die Gäste ihre Wut in Alkohol ertränkt.

Während Luzifer am Kamin stand und in die Reste des erloschenen Feuers starrte, lauschte er dem leisen Klingeln der Glasflaschen. Er stand immer noch unter Schock. Gedankenverloren strich er mit dem Finger über seine Wange. Die Schnittwunde, die er sich durch das explodierende Glas zugezogen hatte, blutete weiterhin. Er würde eine Narbe davontragen. Er war gezeichnet!

Was nicht unpassend war. Die letzte Niederlage dieser Dimension lag 2.500 Jahre zurück. Damals war er nach seinem missglückten Aufstand gegen den Allmächtigen aus dem Himmel geworfen und in die Hölle verbannt worden. Er hatte gedacht, er könne die Schmach tilgen.

Stattdessen war er ein weiteres Mal gescheitert.

„Reiß dich zusammen!“, herrschte er sich innerlich an. „Jammern ist keine Lösung! Du musst herausfinden, was geschehen ist!“

Luzifer gab sich einen Ruck. Er eilte zur Garderobe, zog sein Jacket über, kontrollierte, ob sein Schlüsselbund in der Tasche steckte und eilte aus dem Saal.

Mit einem leisen schabenden Geräusch öffnete sich die Aufzugtür und offenbarte Dunkelheit. Die schwarzen Wände des Vorraums im Kellergeschoss von Luzifers Höllenareal, absorbierten das schwache Licht der Notbeleuchtung fast vollständig.

Luzifer trat aus der Aufzugkabine und eilte an die gegenüberliegende Ecke des Raumes. Dort kniete er nieder und drückte auf die Wandleiste. Vor ihm schwang eine schmale Tür auf.

Das Licht von Luzifers Taschenlampe ließ den schwarzen Stein des Tunnelschachts glänzen. Vor dem Raum angekommen, in dem sich sein magischer Äther-Apparat befand, machte halt. Er drehte den Schlüssel im Schloss und riss die schwere Metalltür auf.

Im nachtschwarzen Raum erkannte Luzifer die Umrisse zweier Gestalten, die sich erschrocken zu ihm umgedreht hatten. Ohne Zweifel: Das waren Beelzebub und Cabor! Was trieben die in seinem Äther-Labor?

Mit einem großen Schritt trat Luzifer ein und warf die Tür mit einem lauten Krachen hinter sich zu. Der riesige Dämon mit dem Stierkopf und der schmale gefallene Engel mit der Gesichtsmaske unter dem hohen Zylinder rangen sichtlich um Fassung.

„Was habt ihr hier zu suchen? Und wie seit ihr hier überhaupt reingekommen? Es gibt nur einen Schlüssel!“ Luzifer glühte vor Wut. Seine Angst vor Beelzebub hatte er vollkommend vergessen. Der Kanzler des Ordens der Fliege steckte also hinter der ganzen Sache! Das hätte er sich denken können!

Beelzebub setzte einen blasierten Gesichtsaudruck auf. „Wir wollten uns einfach mal umsehen. Die Gerüchteküche kocht, wilde Geschichten gehen rum. Du möchtest dem Orden der Fliege Konkurrenz machen, heißt es?“ Er wies mit dem Kinn auf die weißen Lichtreflexe, die um sie im Raum tanzten. „Damit? Sind das deine Seelenfliegen? Hüsch! Sehr dekorativ, deine … Fliegen.“ Er brach in hämisches Gelächter aus.

Luzifer starrte ihm kalt in die Augen. „Du bist ein Idiot, Beelzebub. Deine Dämonen-Regeln interessieren niemanden mehr. Weder in der Hölle, noch auf der Erde! Deine Zeit als Kanzler der Fliege ist abgelaufen!“

Beelzebub hob in gespieltem Erstaunen die Augenbrauen. „Das wäre mir neu. Aber wenn du das sagst…“

Luzifer nickte in Richtung des schmalen Mannes mit der Maske. „Cabor weiß es auch. Deshalb hat er dich hierhergebracht. Er wollte dich reinlegen, Beelzebub!“

Er wandte sich dem gefallenen Engel zu: „Nicht wahr, Cabor? Du bist der einzige gefallene Engel, der Zugang zu den Seelenfliegen des Ordens hat. Was für ein Machtgewinn! Und deine Schlussfolgerung daraus: Du möchtest Kanzler des Ordens der Fliege werden.“

Cabor öffnete den Mund. Luzifer unterbrach ihn: „Schweig! Hältst du mich für einen Idioten? Ich weiß schon länger, dass du ein doppeltes Spiel spielst!“

Der gefallene Engel wandte sich an Beelzebub. „Er lügt, Kanzler! Niemals hätte ich daran gedacht, euch euren Posten streitig zu machen! Ich bin dem Orden immer treu ergeben gewesen!“

Luzifer lachte auf: „Lass dir nichts einreden, Beelzebub! Erst hat er dir deine Dämonin weg genommen und jetzt will er deine Macht und deinen Titel! Wie fickt es sich mit Proserpina, Cabor?“

Brüllend vor Wut stürzte sich Beelzebub auf den gefallenen Engel. Luzifer konnte gerade noch ausweichen. Mit Genuss beobachtete er, wie der riesige Dämon auf den schmalen Cabor einprügelte, der verzweifelt versuchte, sich gegen die wüsten Schläge und Tritte des Kanzlers der Fliegen zu verteidigen .

Auf einmal tauchte ein ein rotes Lichtteilchen zwischen all den weißen auf, schwebte an Luzifer vorbei und begann, um die beiden miteinander Ringenden zu tanzen. Er starrte ihm verblüfft hinterher.

Wo kam das her? Alle Lichtteilchen, die er aus dem Äther der Schutzengel Friedrichhains gewonnen hatte, waren weiß gewesen! Was ging hier vor?