In meinem Badezimmer im Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz halte ich drei Jungkatzen gefangen…

Im Backhaus des Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz lebt eine wilde Katzenfamilie. https://www.water-runs-east.eu/katzen/

Die fünf Katzen – eine graue Mutterkatze und ihre vier schwarz-weißen Jungen – sind so scheu, dass Suriyel und ich sie nur aus der Ferne beobachten können.

Obwohl ich sie – seit meinem Einzug in den Pfarrhof Anfang Juni – täglich füttere, laufen sie davon, sobald sie uns sehen.

Deshalb weiß ich nicht, welches Geschlecht die Jungen haben.

Aber eines weiß ich sicher: sobald sie alt genug sind, werde ich sie kastrieren lassen!

Sechs Katzen – neben der Katzenfamilie lebt auch noch der alte zutrauliche Kater „Spätzle“ auf dem Pfarrhof – sind genug! https://www.water-runs-east.eu/kater/

„Und auch für die Katzen ist es viel besser, wenn sie kastriert sind!“, erkläre ich dem skeptischen Suriyel.

„Die Kätzinnen bekommen sonst zwei Mal im Jahr Junge. Bis zu sechs Stück! Und die Kater laufen viele Kilometer auf der Suche nach rolligen Kätzinnen. Die meisten werden früher oder später überfahren!“

Dieses Schicksal möchte ich den Katzen des Pema Choling ersparen. Und mir auch.

Anfang Dezember sind die vier Katzenkinder ein halbes Jahr alt.

Alt genug für die Kastration.

Ich kontaktiere den Tierschutzverein Neubrandenburg. Der Vorsitzende sagt mir seine Unterstützung zu. Er wird mir dabei helfen, die Katzen einzufangen und zur Kastration zu bringen. https://www.water-runs-east.eu/katzen-jagd/

Nur: So unkompliziert, wie er mir die Aktion am Telefon geschildert hat, läuft es nicht.

Eigentlich ist geplant, alle Katzen am Freitag, dem 12. Dezember einzufangen, zum Tierarzt zu bringen und nach der Kastration in meinem Badezimmer übernachten zu lassen.

Wenn sie sich am nächsten Morgen von der Narkose erholt haben, sollen sie wieder ins Freie entlassen werden.

Soweit die Theorie…

In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass nur eine Katze am Freitag frisch kastriert in meinem Badezimmer sitzt: Mikesch.

Als er vom Tierarzt kommt, erwarten ihn dort zwei seiner Geschwister. Die sind erst in die Falle gegangen, als die Tierarztpraxis bereits geschlossen ist.

Sie sollen am am folgenden Montag kastriert werden.

Bis dahin muss ich die beiden noch fehlenden Katzen fangen: eine Jungkatze und die Katzenmutter.

Und mich um die Jungkatzen in meinem Badezimmer kümmern.

Die weißen Fliesen zieren blutige Pfotenabdrücke.

Als ich Mikesch am Freitagabend aus der Transportbox kippe, unternimmt er – benebelt von der Narkose – einen verzweifelten Fluchtversuch.

Als der frisch kastrierte Jungkater in das Waschbecken hechtet, kippen die beiden gläsernen Zahnputzgläser aus der Halterung. Mit lautem Krach landen sie auf dem Boden, die Scherben spritzen durch das Bad.

Mikesch´ Versuch, den Hängeschrank über dem Waschbecken zu erklimmern, scheitert.

Mit allen Vieren landet er in den Scherben.

Auf blutenden Pfoten flieht er über die Badewanne auf das Fensterbrett. Dort kauert er sich hinter dem Vorhang zusammen.

Soweit das möglich war, ohne die Jungkatzen noch mehr in Panik zu versetzen, kehre ich die Scherben zusammen.

Dann überlasse ich sie ihrem Schicksal und gehe ins Bett. Gestresst und aufgewühlt.

Die Katzen bleiben im Badezimmer zurück. Mit einer Schale Wasser.

Ohne Futter!

Mikesch, weil er frisch operiert ist.

Und die anderen beiden, weil sie mit ihrem Bruder im selben Badezimmer eingesperrt sind.

Am nächsten Morgen darf Mikesch wieder fressen.

Aber zuvor muss er sein Antibiotikum nehmen.

Morgens und Abends eine halbe Tablette.

So hat mir das der Tierschutz-Mann gestern Abend aufgetragen. Der Tierarzt hat ihm eine Papiertüte mit einem Streifen Tabletten für Mikesch mitgegeben.

Wie bringe ich den Kater dazu, seine Tablette zu schlucken?

Mit Gewalt? Muss ich die Rosenhandschuhe aus der Werkstatt holen und Mikesch überwältigen?

„Paté geht immer“, schreibt ein Freund aus der Schweiz.

Super Idee! Nur leider essen wir kein Fleisch. Paté habe ich nicht vorrätig.

Ich inspiziere den Inhalt meines Kühlschranks.

Der Räucherlachs! Der war beim Discounter im Angebot, deshalb habe ich eine Packung mitgenommen.

Für die Gäste, die Suriyel und ich an Weihnachten erwarten.

Ich mische den kleingeschnittenen Räucherlachs mit einem Becher Creme Fraiche, bevor ich die Masse pürriere.

Dann halbiere ich die Antibiotika-Tablette mit dem Messer und klopfe eine Hälfte vorsichtig mit dem Hammer zu feinem Pulver.

Schließlich gebe ich je einen Teelöffel Räucherlachs-Paté auf drei Unterteller, mische unter eine der drei Portion das zerstoßene Antibiotikum und trage das Amuse Gueuele vor dem Hauptgang ins Badezimmer.

Mikesch sitzt immer noch hinter dem Vorhang auf dem Fensterbrett. Um ihn ist alles blutverschmiert. Mit großen Augen starrt er mich an, als ich den Teller neben ihm abstelle.

Damit ihm keines seiner Geschwister die Tablette wegfrisst, bekommen die anderen beiden auch eine Vorspeise.

Baruch kauert neben der Waschmaschine. Als ich den Teller vor ihm plaziere, geht er in Deckung.

Wo ist Basia?

Nach ein bisschen Suchen entdecke ich sie in meinem edlen Wäschekorb aus gewalktem Filz! Ich bin nicht entzückt von der Idee, den streng riechenden fettigen Räucherlachs in meinem Wollkorb zu plazieren, aber was solls…

Zumindest waren alle drei vorbildlich brav auf dem Katzenklo, dass ich gestern Abend unter dem Waschbecken aufgestellt habe.

Als ich eine halbe Stunde später wieder ins Badezimmer komme, sind alle drei Teller leer und sauber abgeleckt.

Ich serviere den Hauptgang: Für jede Katze eine Portion Nassfutter im eigenen Schälchen.

Als alle drei Jungkatzen verköstigt, Mikesch Blutspuren notdürftig aufgewischt sind und das Katzenklo gereinigt ist, muss ich mich wieder um die Lebend-Fallen auf dem Gelände kümmern.

Zwei Katzen fehlen noch!

„Das hier“ – denke ich, während ich in Jacke und Stiefel schlüpfe – „ist ein Alptraum!“