Beelzebub trifft im Reich der Finsternis ein und ruft den Vorstand des Ordens der Fliege zusammen…

Während Beelzebub seine angestammte Form als kanaanitischer Fruchtbarkeitsgott Baal annahm, pfiff ihm der Wind um die Ohren. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/ Wilde Böen jagten Staubwolken über die verkarstete Hochebene in Richtung der schneebedeckten Gipfel der Anden, die sich am Horizont abzeichneten.

Der Dämon stellte zufrieden fest, dass er eine Punktlandung hingelegt hatte. Er stand auf einem Trampelpfad, der sich – inmitten der Atacama-Wüste – in Richtung Osten schlängelte. Nach einer Viertelstunde zügigem Marsch kam er an der Abbruchkante einer Erzmine zum Stehen.

Zu Beelzebubs Füßen führte der Pfad in Serpentinen hangabwärts bis zum Grund der riesigen Grube.

Beelzebub stieg, vorsichtig Fuß vor Fuß setzend, in die Tiefe. Das Heulen des Windes über der Hochebene wurde mit jedem Schritt leiser. Ab und an löste sich ein Stein unter seinen Fußsohlen, rollte abwärts und landete mit unnatürlich lautem Klacken auf einer der Abraumhalden.

Völlig überraschend war die Mine vor zwanzig Jahren aufgegeben worden. Die Betreiberfirma meldete Konkurs an, ihre Aktien wurden wertlos. Klagen blieben vergebens.

Weder der New Yorker Börsenaufsicht, noch den Aktienbesitzern war bewusst, dass der Minenbetreiber ein Konstrukt der Hölle gewesen war. Es diente dazu, das wahre Ziel des Minenprojekt – die Erweiterung des Reiches der Finsternis – zu verschleiern.

Teufel und Dämonen waren – genau wie Menschen – mit den Konsequenzen der Überbevölkerung konfrontiert. Die neun Areale des Reiches der Finsternis platzten buchstäblich aus allen Nähten! Satan hatte sich deshalb dazu entschlossen, jedes Areal um ein Neubauprojekt zu erweitern.

Damit die Baumaßnahmen Menschen wie Engeln verborgen blieben, gründeten die Finanzexperten der Hölle ein global agierendes Bergbaukonsortium, das über eine Reihe von Briefkastenfirmen, die in Steuerparadisen angesiedelt waren, gesteuert wurde.

Die Erweiterung des dritten Höllen-Areals – Beelzebubs Reich – entstand im Regenschatten der Anden im chilenischen Hochland. Dort begann das Konsortium mit dem Abbau von Eisenerz.

Als das teuflische Ingenieurteam nach einigen Jahren zu dem Schluss gekommen war, Grube und Stollen wären tief genug, übernahm die Propaganda-Abteilung der Hölle das Kommando. Sie bestellte gefälschte Gutachten, die belegten, dass die weitere Ausbeutung unwirtschaftlich war. Sie bestach Lokalpolitiker und organisierte, als die Arbeiter protestierten, Schlägertrupps. Ihre Anwälte sorgten dafür, dass alle Klagen der Aktienbesitzer im Sande verliefen.

Die Mine wurde stillgelegt, die Hochebene zur Sperrzone erklärt. Die Architekten und Bauingenieure der Hölle konnten ungestört ihre Arbeit abschließen.

Beelzebub war gerade dabei, das Neubauprojekt seines dritten Höllenbereichs durch den Notausgang zu betreten.

Das war zwar deutlich mühsamer, als sich einfach vor dem Haupteingang der Hölle in der Fojba-Schlucht in Kroatien zu materialisieren. Aber dafür bestand die realistische Chance, dass seine Ankunft geheim bleiben würde.

Beelzebub überquerte die ebene Fläche am Grund der Grube und folgte den Lorenschienen zum Schacht der Erzmine.

Der Eingang wurde von einer stabilen Stahltür versperrt. Der Dämon drückte seinen Daumen gegen den Sensor eines biometrischen Fingerabdruckscanners, der in einem Spalt der rohen Felswand versteckt war.

Mit leisem Summen schwang die Tür auf und gab den Blick auf einen langen schmalen, weiß getünchten und mit schwarzen Fließen ausgelegten, Gang frei. Im matten Licht der Notbeleuchtung eilte der Dämon dahin und stieß ein paar Minuten später die Glastür zum dritten Areal der Hölle auf. Er war wieder Zuhause!

Aus High-End-Lautsprechern drang Vogelgezwitscher, untermalt von Sphärenklängen. Links und rechts der Tür waren raumhohe Plastikpflanzen drapiert. Ein künstlicher Wasserfall plätscherte von der gegenüberliegenden Wand. Auf der riesigen Sofalandschaft lümmelten mehrere Dämonen. Ein Joint wanderte von Hand zu Hand.

Beelzebub durchquerte die Halle und betrat den langen Flur eines der Seitenflügel. An dessen Ende riss er die Tür zu seinem Büro auf.

Sein persönlicher Sekretär, der im Vorzimmer vor dem Laptop saß, hob erschrocken den Kopf. „Ich hatte Dich nicht so schnell zurück erwartet?“

„Urgent Business! Ist Luzifer hier?“ https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

„Den Gerüchten nach, ja. Irgendjemand meinte gestern, er hätte ihn gesehen.“

„Und wo?“

„In seinem Neubauareal. DieTeufel dort sind gerade extrem beschäftigt. Aber keiner weiß, was abgeht.“

„Shit!“ Beelzebub ließ sich auf seinen Bürostuhl fallen. „Wir müssen herausfinden, was da läuft. Und zwar sofort! Setz Cabor in Bewegung, der muss Luzifers Abteilung infiltrieren.“ Er überlegte kurz. „Und beruf eine außerordentliche Sitzung des Vorstands des Ordens der Fliege ein. Heute Abend. Anwesenheitspflicht! Es gibt einiges zu besprechen!“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/