Gabriel ist der einzige weibliche Erzengel im Kreis der Sieben – und ständig bis zum Anschlag beschäftigt…

Unter den sieben Erzengeln gibt es lediglich einen, der weiblichen Geschlechts ist: Gabriel.

Seraphime und Cherubine – die Engel des ersten und zweiten Chores – sind reines Licht und damit androgyn. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Als führendes Mitglied des dritten Chores ist Gabriel deshalb der höchste aller weiblichen Engel.

Der Allmächtige greift für gewöhnlich auf seinen einzigen femininen Erzengel zurück, wenn er den Menschen etwas wichtiges mitzuteilen hat. Dass es Gabriel war, die Maria über die anstehende Empfängnis eines göttlichen Kindes informierte, ist hinreichend bekannt.

Aber Gabriel ist nicht nur der Engel der Verkündigung.

Im Kreis der Sieben ist sie zur Deutung von Visionen, Offenbarungen, Träumen und Erscheinungen berufen.

Ihr obliegt die Verantwortung für den Beginn jedes Lebens. Sie wacht über Zeugung, Schwangerschaft und Geburt.

Und der Allmächtigen hat ihr die Gabe gegeben, Gnade schenken zu können.

Mit dem Ergebnis, dass Gabriel seit viertausend Jahren bis zum Anschlag beschäftigt ist.

Glücklicherweise steht ihr eine riesige Heerschar Engel des dritten und vierten Chores zur Verfügung, die vor Ort die lange Liste ihrer Verpflichtungen abarbeiten.

Nachdem alle Engel seit mehreren tausend Jahren auf einander eingespielt, dazu unsterblich und vor allen Krankheiten und Zipperlein gefeit sind, läuft der riesige Betrieb von Erzengel Gabriel für gewöhnlich so zuverlässig wie ein Uhrwerk.

Weil der Anteil an Materie in den Engeln, die Gabriel unterstellt sind, relativ niedrig ist, laufen diese nicht so sehr Gefahr, von fleischlichen Lüsten und materiellen Verlockungen korrumpiert zu werden, wie die Schutzengel des neunten Chores.

Ein Umstand, der Gabriel das Leben als Management-Engel sehr erleichtert. https://www.water-runs-east.eu/?p=4021

Dafür zeichnen sich Gabriels ätherische Engel durch ausgeprägte Sensibilität und Suggestibilität aus.

In Gabriels Reich geht deshalb mindestens einmal am Tag die Welt unter!

Sie kann sich darauf verlassen, dass zuverlässig eine der vielen Engelstruppen, die unter ihrem Kommando stehen, wegen irgendeines menschengemachten Problems, einer Naturkatastrophe, dem Ausbruch eines Krieges oder einer der zahlreichen Abgründe menschlichen und dämonischen Handelns emotional zusammenbricht.

Wenn sie sich nicht mehr zu helfen wissen, schieben die Führungsengel der niederen Ebenen ihre aufgelösten Untergebenen in den Fahrstuhl und drücken auf den Knopf zum obersten Stockwerk des dritten Chores.

Dort werden sie von Erzengel Gabriel empfangen. Die hört auch noch den unbedeutensten hysterischen Engel geduldig an, spricht Trostworte, deutet Träume, liefert ein paar hoffnungsvolle Prophezeiungen und greift, wenn nichts anderes mehr hilft, in die große bunte Bonbondose der Gnade.

Wenn sich alle wieder beruhigt haben, die zerknüllten Taschentücher eingesammelt und die letzten Tränen getrocknet sind, gehen die Engel wieder an die Arbeit.

Erzengel Gabriel schließt leise die Tür hinter ihnen. Danach lässt sie sich mit einem tiefen Seufzer in ihren Bürostuhl fallen, schiebt einen Aktenberg zur Seite und legt die Füße auf den Schreibtisch.

Dem fernen Gesang der Seraphime und Cherubine irgendwo hoch über ihr lauschend, träumt sie von einem anderen Leben.

An einem fernen Ort, an dem sie keiner kennt. Und an dem niemand irgendetwas von ihr will!