Ein unerwartetes Beben in der Tiefe der Hölle bringt die beiden Erzengel Suriyel und Gabriel in tödliche Gefahr…

Das matte Licht der Taschenlampe erleuchtete lediglich die nächsten zwei oder drei Schritte. Der Tunnel war inzwischen so eng, dass sie auf allen Vieren kriechen musste. Es ging steil abwärts. Sie tastete sich vorsichtig Meter für Meter vorwärts. Die Angst, auszurutschen und in die dunkle Tiefe zu stürzen, war überwältigend.

Auf einmal flackerte ihre Lampe kurz auf, dann erlosch es. Gabriel stöhnte erschrocken auf und verharrte in der Bewegung. Um sie war vollkommene Schwärze.

„Was ist los?“ Suriyel, der ein paar Meter hinter ihr kroch, schaltete seine Stirnlampe an.

„Meine Batterien sind leer.“

„Ich habe dir gesagt, dass die nicht lange halten. Lass uns umkehren!“

„Nein! Wir müssen weiter! Bitte!“

Er schwieg.

„Ich gehe nicht zurück. Notfalls muss ich eben ohne Licht weiter!“

„Das möchte ich sehen!“ Er überlegte offensichtlich, ob er nicht einfach umdrehen und sie in der Dunkelheit zurücklassen sollte in der Hoffnung, sie würde aufgeben.

Er kroch zu ihr. „Jetzt komm zurück. Das ist doch der totale Schwachsinn hier!“ Er packte ihren Arm, drehte sich um und begann – sie hinter sich herziehend – wieder aufwärts zu kriechen.

Gabriel stemmte die Fersen in den Boden und versuchte, sich an der glatten Felswand festzuhalten. Vergebens. Er war viel kräftiger als sie.

„Lass mich los!“

„Du kommst mit! Es reicht jetzt!“ Er zog ein weiteres Mal energisch an ihrem Arm. Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu winden.

Auf einmal bebte die Erde. Alles um sie wackelte. Gestein fiel von der Decke, vom Boden löste sich Geröll und riss sie mit sich.

Suriyel packte Gabriels Arm fester und versuchte, sich mit der anderen Hand an einem Felsvorsprung festzuhalten. Vergebens.

Die beiden Erzengel stürzten mit der Steinlavine in die nachtschwarze Tiefe.