Beelzebub ist nicht nur einer der höchsten Fürsten der Hölle, sondern als Kanzler des Ordens der Fliege auch noch Vorsitzender eines exklusiven satanischen Clubs…

Um neun Uhr morgens stand Beelzebub verkatert und unausgeschlafen in Luzifers roter Hochglanzküche und versuchte, die edle italienische Siebträger-Kaffeemaschine zum Laufen zu bringen. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/
Stirnrunzelt drückte er aufs Geratewohl ein paar Knöpfe. Der Apparat begann zu gurgeln und zu dampfen. Es folgte ein lautes Zischen, das Beelzebub erschrocken zusammenfahren ließ. Dass es vom sanften Plätschern des Espresso-Stroms in die Tasse begleitet wurde, stimmte ihn wieder versöhnlich.
Mit einem erleichterten Seufzer ließ er sich auf einen von Luzifers unbequemen Designer-Stühlen fallen und nahm einen Schluck von der heißen Brühe, bevor er die Tasse auf dem riesigen schwarzen Tisch abstellte, der in der Mitte des Lofts platziert war.
Durch die raumhohen Fenster klang gedämpft der Verkehrslärm von Friedrichshain an einem Werktagmorgen. Die ersten Sonnenstrahlen des Oktobertages stahlen sich durch die Lamellen der Jalousien und warfen Lichtkringel auf das Eichenparkett.
Beelzebub nippte ein weiteres Mal an seiner Tasse und genoss die Stille. In seinen Ohren hallten immer noch die Techno-Beats der vergangenen Nacht. Der Wodka war vom Feinsten gewesen. Trotz des Vollrausches hielt sich der Kater in Grenzen.
Und mit den beiden Schutzengel, die er am frühen Morgen in Luzifers Gästezimmer abgeschleppt hatte, war die Nacht stimmig ausgeklungen.
Als er den gestrigen Abend und die darauffolgende Nacht Revue passieren ließ, kam er zu dem Schluss, dass das Beste an Schutzengeln war, dass man sie so unkompliziert wieder los wurde. Obwohl er ihnen nicht mal erlaubt hatte, sich anzuziehen und ihnen ihre Klamotten einfach ins Treppenhaus warf, waren sie ohne großes Maulen verschwunden.
Wenn er das mit Teufelinnen oder Dämoninnen versucht hätte, wäre er hinterher ein Fall für die Intensivstation gewesen…
Entspannt die Beine auf den Tisch legend, dachte Beelzebub voller Genuss an die erschrocken aufgerissenen Augen der beiden üppigen blonden Engel, als er sie fluchend aus dem Schlafzimmer gejagt hatte.
Er würde ordentlich Spaß hier haben, so viel war klar…
Obwohl er dafür Luzifer ertragen musste. Diesen alten Schleimscheißer! https://www.water-runs-east.eu/luzifer/
Beelzebub hatte null Respekt vor dem gefallenen Erzengel. So blasiert der auch immer auftrat: seine Servilität verriet den ehemaligen Diener des Herrn.
Dass Satan Luzifer zum Höllenfürsten ernannt hatte, war eine rein strategische Entscheidung gewesen. Luzifer hatte durch seine gescheiterte Spaß-Revolution unbeabsichtigt dafür gesorgt, dass ein Drittel der Himmlischen Heerscharen in den Katakomben des Reiches der Finsternis gestrandet war.
Satan hatte sich zufrieden die Hände gerieben und den gefallenen Erzengel seinen höchsten Dämonen gleichgestellt, um sich die Kontrolle über dessen geflügelter Armee zu sichern.
Luzifer war eine Luftnummer – im wahrsten Sinne des Wortes. Das einzige, was er gut konnte, war sich verkaufen. Viel Blabla und nichts dahinter…

Beelzebub dagegen war ein Dämon aus eigenem Recht. Als kaananitscher Fruchtbarkeitsgott Ba´al hatte er sämtlichen Israelitischen Stämmen den Stinkefinger gezeigt, als sie seine Unterwerfung forderten.
Er hatte sich auf den Weg gemacht, ohne sich auch nur einmal umzusehen. An der Kreuzung des Schicksals musste er nicht lange nachdenken, bevor er den Weg zu den Abgründen der Hölle einschlug.
Dort angekommen war er – als viriler Schöpfer neuen Lebens und Herrscher über Donner und Blitz – mit offenen Armen und allen ihm zustehenden Ehren empfangen worden.
Beelzebubs Ausnahmeposition im Reich der Finsternis verdankte sich jedoch seiner Funktion als Kanzler des „Ordens der Fliege“.
Beelzebub wurde dadurch in der Todesstunde Herr über alle Geschöpfe, die zu Lebzeiten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten.
Die Seelen dieser Verdammten wurden nicht von ihrem Schutzengel in den Himmel eskortiert.
Statt dessen verwandelten sie sich im verwesenden Fleisch ihrer eigenen Körper erst in eine Made, dann in eine Fliege. Sobald die geschlüpft war, steuerte sie vollautomatisch die Hölle an.
Der „Orden der Fliege“ war dafür zuständig, dass die Seelen-Fliegen auf ihrem Weg von ihren Kadavern zu ihrem Bestimmungsort nicht vom Kurs abkamen.
Die wenigen Mitglieder dieser exklusiven Society genossen in der Hölle höchstes Ansehen. Und sie waren handverlesen. Beelzebub wählte sie nach knallharten Kriterien persönlich aus.

Seit zwei Milennien bereitete es Beelzebub Jahr für Jahr besonderes Vergnügen, Luzifers Aufnahmeantrag kommentarlos abzulehnen.
Da konnte der noch so cool tun: für eine Mitgliedschaft im Orden der Fliege mangelte es ihm an satanischer Reife.
Immerhin taugte Luzifer dafür, Beelzebub eine entspannte Zeit in Berlin-Friedrichshain zu ermöglichen.
Während er an den Kaffeeautomaten trat und sich eine weitere Tasse Espresso aufbrühte, beschloss der Kanzler des Ordens der Fliege, den albernen Auftrag, Suriyel zu überwachen, als lästiges Übel zu betrachten. Der Job bot die perfekte Entschuldigung für eine Auszeit von seinen zahllosen Verpflichtungen in der Hölle. Das war das einzige, was zählte. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/
Davon, dass Beelzebub ein paar Stunden am Tag in einem tibetisch-buddhistischen Zentrum abhängen und einen spießigen Erzengel im Auge behalten sollte, würde die Welt nicht untergehen.
Vor sich hin grinsend trat Beelzebub ans Fenster und warf einen Blick über die Dächer von Friedrichshain.
Ein Hoch auf alle dämlichen Engel!

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