Die Dämonin Proserpina aktiviert Luzifers magische Apparatur und lässt sich auf ein riskantes Experiment ein…

Mit einem Mal stach ihr der Geruch von Bier und Schweiß in der Nase. Die magere schwarze Katze, die bewegungslos in Luzifers verlassener Partyzone gesessen hatte, schüttelte verwirrt den Kopf und erhob sich unsicher von ihren Hinterpfoten. Alles um sie drehte sich. Mehrere Minuten lang stand sie, leicht schwankend, in der Mitte des breiten Flurs.
Als Proserpina aus ihrem Trance-Zustand wieder in die Realität zurückgefunden hatte, wusste sie, was zu tun war.
Die Spitze ihres hoch erhobenen Schwanzes zuckte nervös, während sie mit ihrer Nase die Tür zum fensterlosen Büro aufschob. Auf dem Schreibtisch lag immer noch der aufgeschlagene Ordner mit den magischen Verträgen, in denen die Schutzengel ihre Seele an den Teufel verkauft hatten.
Mit einem federnden Sprung landete die schwarze Katze auf der Schreibtischplatte und stieg, laut vor sich hin schnurrend, mit allen vier Pfoten auf die Seiten des Ordners. Tänzelnd drehte sie sich mehrmals im Kreis und kam schließlich so auf dem Papier zu liegen, dass ihr Brustkorb genau auf der Stelle platziert war, an der die Energie der magisch leuchtenden Unterschriften am Stärksten war.
Proserpina schloss ihre Augen. Mit aller Macht konzentrierte sie sich darauf, die Lebensenergie der Verträge in ihr Herz zu saugen.
Als sie nach etwa zehn Minuten wieder aufstand, fühlte sich ihr Brustkorb an, als hätte er Feuer gefangen. Ihr ganzer Körper glühte.
Vor sich hin vibrierend sprang sie vom Schreibtisch, lief in den Flur und zu dem Bartisch hinter der Eingangstür, an dem üblicherweise Dommiel – der Torwächter der Hölle – stand. In Luzifers Partyzone fungierte er als Türsteher, der feierwütige Menschen aussortierte und nur Schutzengeln den Zutritt gestattete.
Die schwarze Katze schob sich unter den Streben des Bartisches hindurch und starrte nach oben. Tatsächlich! An der Unterseite der Tischplatte war ein unauffälliger kleiner weißer Knopf angebracht.
Proserpina trat unter dem Tisch hervor, nahm innerhalb von Sekunden ihre dämonische Gestalt an und drückte energisch auf den Schalter.
Ein schrilles Pfeifen, dessen Ursprung sie nicht lokalisieren konnte, ertönte. Proserpina nahm wieder die Form der schwarzen Katze an und eilte an den Punkt im Flur, an dem sie vor kurzem die magische Schwelle lokalisiert hatte. Ihre Schnurrhaare zuckten: Sie hatte definitiv die seltsame Apparatur aktiviert.
Proserpina fokussierte sich auf die Energie, die sie in ihr Herz gesogen hatte und nahm auf der Schwelle Platz, während sie einen Zauberspruch vor sich hin murmelte. Gewaltige Kräfte zerrten an ihr. Irgendetwas versuchte mit aller Macht, die Vitalität der Schutzengel-Verträge aus ihr heraus zu pressen. Sie biss die Zähne zusammen und hielt dagegen. Einige Minuten lang vollzog sich ein stummer Kampf. Die schwarze Katze vibrierte vor sich hin, ihre Konturen wurden von Minute zu Minute transparenter.
Ein lauter Knall ließ den Bartisch erbeben. Das kalte Licht der Deckenstrahler erleuchtete den leeren Flur. Die schwarze Katze war verschwunden.

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