Proserpina macht sich auf die Suche nach Luzifers Geheimnis und stößt auf eine Stahltür und viel Energie…

Die magere schwarze Katze huschte den Gehweg entlang. https://www.water-runs-east.eu/proserpina/
Nach einem schnellen Blick nach links und rechts schob sie sich unter dem Bauzaun hindurch. Aus der Ferne schallten blecherne Beats über die verwilderte Brachfläche. Am Boxhagener Platz brachten sich bereits am späten Nachmittag die ersten Szenegänger für die Nacht in Stimmung.
Die Katze umkreiste eine alte Matratze, gammelnde Essensreste und einen rostenden Kühlschrank. Vor dem zerborstenen Kellerfenster eines unsanierten Hinterhauses machte sie Halt und nahm Witterung auf. Aus der Öffnung schlug ihr der Gestank von Moder und toten Mäusen entgegen. Mit einem federnden Sprung verschwand sie in der Schwärze des Kellers. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/
Nachdem die Katze auf dem staubigen Boden aufgekommen war, verharrte sie bewegungslos in der Finsternis und spitzte ihre Ohren. Kein Laut war zu hören.
Systematisch begann die schwarze Katze, alle Räume des Kellers Quadratmeter für Quadratmeter zu untersuchen. Sie kontrollierte halb verfallene Pappkartons, schob sich durch Berge aus Plastiksäcken, kletterte auf Regale, in denen Einweckgläser mit vergilbten Ettiketten vor sich hin schimmelten.
In regelmäßigen Abständen blieb sie stehen, streckte ihren Kopf in die Höhe und ließ ihre Schnurrhaare vibrieren.
An der Verbindungsmauer zum Nachbarhaus kam sie vor einer massiven schwarzen Metalltür zum Stehen. Nachdem sie die Tür mit ihren Schnurrhaaren abgetastet hatte, untersuchte sie mit ihrer feinen Nase ausgiebig den Boden und die Wand im Umkreis. Danach drehte sie sich um, postierte sich etwa einen Meter von der Tür entfernt und nahm innerhalb von Sekunden ihre dämonische Gestalt an. Als drahtige Frau mit langem schwarzen Haar und harten Gesichtszügen trat sie an die Tür und drückte die Klinke nach unten. Abgesperrt!
Proserpina zuckte zusammen. Schritte halten von der Treppe wieder. Jemand kam in den Keller. Einen Wimpernschlag später huschte eine magere schwarze Katze quer durch den vermüllten Keller zum zerbrochenen Fenster, sprang mit einer federnden Bewegung ins Freie, jagte über die Brachfläche und schob sich unter dem Bauzaun hindurch auf die Straße.

Zwei Seitenstraßen weiter hockte ein großer schwarzer Kater unter einem parkenden Auto und fixierte den Eingang des Buddhistischen Zentrums auf der anderen Straßenseite. https://www.water-runs-east.eu/energy-2/
Beelzebub hatte den ganzen Tag über versucht, Proserpinas Trick anzuwenden, um ebenfalls ins Zentrum zu gelangen. Aber so sehr er sich auch bemühte: Er bekam es irgendwie nicht hin, die Ströme negativer Gedanken und Gefühle, die von den Menschen im Zentrum abgesondert wurden, als Türöffner zu nutzen. https://www.water-runs-east.eu/hoellische-plaene/
Er versuchte sich damit zu trösten, dass es ihm zumindest gelungen war, die feinen negativen Bewusstseinsströme in der überwältigenden positiven Energie des Zentrums auszumachen. Die waren ihm, bevor ihn Proserpina darauf aufmerksam gemacht hatte, überhaupt nicht aufgefallen. Aber wie es ihm gelingen sollte, mit Hilfe dieser Gefühle von Wut, Gier, Neid und Missgunst das Zentrum zu betreten, war ihm immer noch ein Rätsel.
Verdrossen behielt er den Eingang im Blick. Dort flatterten bunte Gebetsfahnen in der Abendämmerung. Ein Pärchen blieb auf dem Gehweg stehen und überflog, die Köpfe erhoben, die Texte der Infotafel neben dem Metalltor. Zwei Frauen mit Yogamatten kamen aus dem Zentrum, sperrten ihre Fahrräder auf und radelten davon. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Die magere schwarze Katze huschte über die Straße und schob sich unter den Wagen, der gegenüber dem Buddhistischen Zentrum geparkt war. „Und? Bist du reingekommen?“
„Nein.“
„Du bist ein Idiot.“
Der große schwarze Kater schwieg.
„Ich habe eine interessante Entdeckung in Luzifers Keller gemacht.“ https://www.water-runs-east.eu/luzifer/ Die Stimme der Katze bebte vor Aufregung. „Er hat eine Sicherheitstür aus Stahl zum Nebenhaus einbauen lassen. Dahinter vibriert es nur so vor Energie! Lebensenergie! Reine Vitalität! Ich wette mit Dir, dass sich dahinter sein Geheimnis verbirgt!“
„Aber was kann das sein?“
„Sicher irgendeine ausgefuchste Magie! Luzifer war mal ein Erzengel. Er hat 2000 Jahre im Himmel an der Seite des Allmächtigen verbracht. Deshalb tickt er anders als die übrigen Teufel und Dämonen in der Hölle. Irgendwas aus seiner Vergangenheit muss es ihm ermöglichen, die Gnade Gottes auszuhebeln.“
„Und was macht dich so sicher, dass diese Energie nicht auch uns aushebelt, wenn wir damit in Berührung kommen? Ich war kein Erzengel! Ich bin ein lupenreiner Dämon!“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/
„Wenn du zu feige bist, übernehme ich das. Ich bin mir sicher, dass mir diese Energie nichts anhaben kann!“
Die magere schwarze Katze schob sich unter dem geparkten Wagen hervor und wanderte mit hoch erhobenem Schwanz davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

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