Proserpina sieht sich mit Erzengel Gabriel konfrontiert und schickt Beelzebub mit einem dämonischen Auftrag in die Hölle…

Die magere schwarze Katze hockte unter einem Auto, das vor dem geöffneten Tor des Buddhistischen Zentrums geparkt war. Ihre Schnurrhaare vibrierten. https://www.water-runs-east.eu/proserpina/

Drei Mal hatte sie im Laufe des Vormittags bereits direkt vor der Schwelle gestanden. Jedesmal war sie nach kurzem Zögern wieder auf ihren Wachposten zurückgekehrt. Der negative Energiestrom aus dem Inneren des Zentrums war zu schwach gewesen, um sie hinein zu tragen.

Proserpina blieb gelassen. Sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis irgend jemand dort drinnen von Wut, Neid, Missgunst, Gier oder Hass überflutet werden würde. https://www.water-runs-east.eu/hoellische-plaene/

Sie musste nur geduldig sein. Und wachsam.

Da! Die Katze sprang auf. An der Schwelle verharrte sie kurz und fokussierte sich auf den negativen Energiestrom, der stark und stetig aus dem Zentrum zu ihr drang. Sie surfte auf dem heißen Strom der Wut elegant durch das Tor, ließ sich durch den Innenhof tragen und betrat den Flur des Haupthauses.

Es war Suriyel, der so wütend war, stellte sie fest. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/ Seine Stimme drang aus dem Keller zu ihr hoch. Er schien sich mit irgend jemandem zu streiten.

Zufrieden schnurrend lief Proserpina die Treppe hinunter. Unten angekommen drückte sie sich in eine dunkle Ecke. Ein paar Meter von ihr entfernt stand Suriyel. Er redete wild gestikulierend auf jemanden ein, den sie von der Tür aus nicht sehen konnte.

„Aber Suriyel!“

Das war Gabriel! https://www.water-runs-east.eu/gabriel/ Die Dämonin schreckte auf, drehte sich um, jagte die Treppe hinauf und zurück auf die Straße.

Als sie, in ihrer dämonischen Gestalt und schwer atmend, die Tür zu Luzifers Loft aufstieß, fuhr Beelzebub erschrocken vom Sofa hoch. „Was ist denn mit Dir los?“ https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

„Gabriel ist bei Suriyel im Zentrum!“ Proserpina hielt, vor Wut bebend, ein Glas unter den Wasserhahn, ließ es volllaufen und nahm ein paar Schlücke. „Ich habe keine Ahnung, was das Miststück hier zu suchen hat!“

„Ist sie nicht im Himmel für Gnade zuständig? Sie wird wissen wollen, was hier los ist.“ https://www.water-runs-east.eu/streit-unter-erzengeln/

„Sie soll sich ihre Gnade sonst wohin schieben! Ich kann auf keinen Fall zurück ins Zentrum! Die dumme Kuh erkennt mich auch als Katze! Du musst gehen!“

„Aber Du weißt doch, dass ich nicht reinkomme!“https://www.water-runs-east.eu/energy-2/

„Ja, verdammt noch mal! Dann musst Du eben von außen beobachten, was passiert!“

Beelzebub machte ein paar zögerliche Schritte in Richtung Tür.

„Jetzt geh endlich, Du Idiot!“ Proserpina machte Anstalten, ihm ihr Wasserglas an den Kopf zu werfen.

Krachend fiel die Wohnungstür hinter Beelzebub ins Schloß.

Nach Beelzebubs überstürztem Aufbruch wanderte Proserpina in Luzifers riesigem Wohnzimmer auf und ab.

Auf Höhe der Fensterfront warf sie jedes Mal automatisch einen Blick über die Dächer Friedrichshains. Anfangs hatte die Herbstsonne das Viertel in ihr warmes Licht getaucht. Mit der Zeit wurden die Schatten zwischen den Häuserzeilen länger und länger.

Jetzt kündete ein letzter flammend roter Streifen am Horizont vom Ende des Tages.

Proserpina hob den Kopf und lauschte. Ein paar Sekunden später drehte sich ein Schlüssel im Schloss der Wohnungstür.

„Proserpina?“ Beelzebubs große breite Gestalt zeichnete sich schwarz im Türstock ab. „Warum stehst du hier im Dunklen?“

Er trat ein und betätigte den Lichtschalter.

Die Dämonin kniff – geblendet von der plötzlichen Helligkeit – die Augen zusammen. „Und? Was hast du herausgefunden?“

„Kurz nachdem ich am Buddhistischen Zentrum angekommen bin, ist ein Schutzengel durch das Tor und ins Haupthaus. Der kleine mit dem Fusselbart, der immer dort rumhängt. https://www.water-runs-east.eu/israfel/ Ein paar Minuten später sind Suriyel und Gabriel mit ihm rausgekommen und hinter ihm her bis zu einem Hinterhaus an der Warschauer Straße. Als Kater kam ich nicht rein. Ich habe mich in eine Motte verwandelt und sie in einer Mansardenwohnung unter dem Dach aufgetrieben. Glücklicherweise stand das Fenster offen.“

„Und? Was war?“

Beelzebub wiegte den Kopf. „Da lag ein Mädchen tot auf dem Bett. Scheint schon vor ein paar Tagen gestorben zu sein. Ich tippe auf zehn oder zwölf. Es gab ein Riesendrama deswegen. Alle heulten. Inklusive Suriyel!“ Der Dämon verzog angewidert das Gesicht. https://www.water-runs-east.eu/die-fliege/

„Suriyel ist für Schutzengel zuständig, nicht für Menschen. Was regt er sich über ein totes Mädchen auf?“

„Die war, scheint es, ein Schutzengel.“

„Das kann nicht sein! Engel sind unsterblich!“

„Trotzdem! Der Schutzengel, der Suriyel und Gabriel geholt hatte, war sich sicher, dass das tote Mädchen ein Engel war. Und Suriyel hat sie auch wiedererkannt.“

Beelzebub ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Es war einer von den Schutzengeln, die auf Luzifers Party waren. Sie hatte einen bindenden Pakt mit dem Teufel geschlossen. Ihre Seele hat sich in eine Fliege verwandelt! Die Riss in der Haut über ihrem Herz, aus dem die Fliege gekrochen ist, war nicht zu übersehen!“

Proserpina stürzte auf ihn zu, packte seine Schultern und schrie ihm ins Gesicht: „Ist dir klar, was das bedeutet? Luzifer macht dir deine Position als Kanzler des Ordens der Fliege streitig! Wenn er es schafft, die Seele von Engeln in die Hölle zu befördern, kannst du abtreten!“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

Beelzebub stand auf, schob Proserpina zur Seite, trat ans Fenster und starrte in die dunkle Nacht hinaus. „Ich will das nicht!“

„Was heißt hier, du willst das nicht?“

„Ich will nicht, dass Engel sterben! Die sind unsterblich – und wir sind unsterblich! Das ist die Regel, im Himmel, wie in der Hölle! Was soll das, dass die auf einmal nicht mehr gilt? Verdammt noch mal, Proserpina! Ich will nicht sterben!“

Proserpina starrte ihn mit offenem Mund an: „Spinnst du jetzt komplett? Deine Macht ist bedroht und du hast Angst vor dem Sterben? Du bist ein Dämon und lebst seit 3000 Jahren in der Hölle! Im Gegensatz zu den dämlichen Schutzengeln kannst du keinen Pakt mit dem Teufel eingehen! Du bist schon lange da, wo die jetzt alle hinkommen!“

„Aber wenn es bei uns umgekehrt funktioniert? Ich will nicht in den Himmel! Ich möchte nicht gut sein!“ Er schüttelte sich vor Ekel.

Prosperina lachte schallend. „Die wollen dich dort oben garnicht haben! Kein Erzengel käme auf eine solche Idee!“

Beelzebub atmete auf: „Wirklich? Bist du dir sicher?“

Die Dämonin nickte: „Ganz sicher. Solche wie uns dulden sie im Himmel nicht. Wir sind verflucht für alle Zeiten.“

Sie wechselte das Thema. „Die entscheidende Frage ist: Wie hat Luzifer das zu Wege gebracht? Ich tappe völlig im Dunkeln. Und wir müssen es schnell herausfinden, sonst macht er uns fertig. Hatten die Erzengel irgendwelche Ideen?“

Beelzebub schüttelte den Kopf. „Nein! Die beiden sind genauso schlau wie wir. Sie wissen, dass es Luzifer war, aber haben keine Ahnung, wie er das anstellt.“

„Sie setzen sicher sämtliche Heerscharen in Bewegung. Wir werden hier von Engeln überflutet werden!“

„Das war anfangs der Plan. Aber dann haben sie Schiss davor bekommen, dass ihre Engel Amok laufen, wenn sie mitbekommen, dass sie sterben können. Sie wollen die Sache unter sich regeln.“

„Das wird uns die Arbeit leichter machen. Wo sind die Erzengel jetzt?“

„Sie warten in der Wohnung an der Warschauer Straße, bis die Kneipen dicht machen. Dann wollen sie den toten Schutzengel in das Buddhistische Zentrum bringen und neben der Stupa begraben. Bis dahin halten sie Totenwache und beten.“

„Das hat keinen Nutzen. Die verfluchte Seele des Schutzengels müsste eigentlich schon in der Hölle angekommen sein. Jetzt wissen wir zumindest, warum dir Luzifer für drei Tage seine Wohnung überlassen hat und verschwunden ist. Der Dreckskerl ist bestimmt in der Hölle, um die Ankunft der himmlischen Seelenfliege zu überwachen!“

„Und was machen wir?“

„Du gehst in die Hölle, findest heraus, was dort läuft und versuchst, das Schlimmste zu verhindern. Luzifer muss erst einmal unter Beweis stellen, dass die Seele wirklich von einem Schutzengel stammt. Und wenn er das bewiesen hat, muss er nachweisen, dass der Schutzengel dauerhaft verflucht ist und seine Seele nicht nach ein paar Wochen wieder verschwindet! Mach allen klar, dass du davon überzeugt bist, dass das nur eine billige Inszenierung von ihm ist, um sich wichtig zu machen! Du kennst seine Reputation: Niemand in den neun Arealen der Hölle nimmt ihn ernst. Verbreite Lügen über ihn, streu Gerüchte – die übliche Zersetzungsstrategie. Das wird uns ein paar Wochen Zeit verschaffen!“

Beelzebub nickte. „Sonst noch was?“

„Ich kümmere mich um alles weitere. Ich bin mir sicher, mir fällt etwas ein. Sollte ich dich brauchen, werde ich dich rufen!“

Der Dämon trat zu seiner Gefährtin und drückte sie kurz an sich, bevor er durch die Wohnungstür verschwand.

Proserpina löschte, nachdem sie alleine war, das Licht, und nahm wieder ihre stille Wanderung durch die dunkle Wohnung auf.