Uriel erfährt durch Suriyel von einem teuflischen Pakt, mit dem Luzifer die Schutzengel von Berlin-Mitte außer Gefecht setzt…

Suriyel sah fertig aus!

Berlin-Mitte war aber auch ein hartes Pflaster. Dazu noch die Aufgabe, eine Heerschar strauchelnder Schutzengel zu beaufsichtigen – Uriels Erzengel-Kollege war definitiv nicht um seinen Job zu beneiden. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Während er den Freund begrüßte, dankte Uriel im Stillen dem Allmächtigen dafür, dass der vor 4000 Jahren so gnädig gewesen war, ihm – als dem einzigen der Sieben – den Auftrag zu erteilen, seine unsterbliche Existenz der Erforschung von Mystik und Magie zu widmen. https://www.water-runs-east.eu/uriel/

Suriyel war der lebende Beweis dafür, dass man es als Erzengel schlechter treffen konnte.

Der sank mit einem tiefen Seufzer auf dieTerrassenbank und ließ den Blick über den in der späten Nachmittagssonne glänzenden Weiher gleiten. Hinter ihm rauschte der Mühlbach an der Hausmauer entlang. Am anderen Ende der großen Wiese leuchtete das Laub des Waldes in allen Herbstfarben.

Uriel trat zu ihm auf die Terrasse und reichte ihm ein gut gekühltes alkoholfreies Bier.

Suriyel nahm es dankbar entgegen und prostete dem Kollegen erschöpft zu: „Das tut gut, nach dieser Woche!“

Uriel setzte sich ihm gegenüber und nahm einen Schluck Wein: „Was war denn wieder geboten, in Deinem Chaos-Haufen?“

„Du wirst es nicht glauben: Beelzebub ist in Friedrichshain!“ https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

„Beelzebub? Der Herr der Fliegen?“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

„Genau der! Israfel hat es gestern von einem gefallenen Schutzengel erfahren, mit dem er immer noch befreundet ist. https://www.water-runs-east.eu/israfel/ Beelzebub ist bei Luzifer ins Gästezimmer gezogen und macht jede Nacht Party. Mit meinen Schutzengeln!“

„No good news!“

„Extremly bad news! Als ob Luzifer und seine Mannschaft nicht schon schlimm genug wären! Jede Woche gehen mir mindestens zwanzig Schutzengel flöten! Und wenn sie weg sind, sind sie weg!“

„Wieso kannst Du sie nicht zurückholen? Eine kleine Beichte und gut ist es? So nachtragend ist der Allmächtige doch normalerweise nicht mit dem neunten Chor! Mein Wissenstand ist, dass er inzwischen eingesehen hat, dass er selber schuld ist, weil er sie mit einem so hohen Anteil an Materie geschaffen hat. Kein Wunder, dass sie ständig vom Weg abkommen.“

„Das habe ich alles schon abgeklärt. Das Problem ist nicht, dass sie sich verführen haben lassen. Das ließe sich in der Tat unkompliziert lösen. Die Schutzengel gehen alle einen Pakt mit dem Teufel ein! Und danach ist es gelaufen, das weißt Du genausogut wie ich!“

„Die gehen freiwillig einen Pakt mit Luzifer ein? Ich hatte keine Ahnung, dass die dummen Dinger dermaßen korrumpierbar sind!“

„Sie wissen nicht, was sie tun! Aber der Pakt hat trotzdem Gültigkeit! Ich habe es mit allen Tricks und Mitteln versucht, aber ich habe keinen einzigen Schutzengel, der jemals auf einer von Luzifers Parties war, über die Schwelle des Buddhistischen Zentrums gebracht! Du solltest sie sehen, wenn ich es versuche! Sie kriegen Krämpfe und schreien wie von Sinnen, egal welche Magie ich anwende. Sie gehören definitiv Satan. Und das nach einer Party!“

„Das ist eine Katastrophe!“

„Du sagst es. Und Du kannst Dir vorstellen, wie es den Menschen in Berlin-Mitte ohne Schutzengel geht. Es war vorher schon Scheiße, aber jetzt ist es untragbar.“

„Hast Du schon Bericht erstattet?“ Uriel wies mit dem Kinn gen Himmel.

„Noch nicht. Ich wollte mich erst noch mit Dir besprechen. Der Allmächtige hat genug anderes um die Ohren. Und Berlin-Mitte steht auf seiner To-do-Liste nicht sehr weit oben.“

Uriel nahm einen Schluck Wein, während er nachdachte. „Woher weißt Du, dass die Schutzengel den Pakt unwissentlich eingehen?“

„Das ist das, was sie immer wieder erzählen. Sie werden mit wilden Versprechungen auf eine Party gelockt, feiern, saufen und werfen ein, was das Zeug hält. Hinterher tut es ihnen leid und sie wollen wieder in Gnaden aufgenommen werden. Aber, wie gesagt, es geht nicht. Sie sind verloren.“

„Irgendeine Idee, wie Luzifer das anstellt?“

„Ich kann nur raten. Aber es könnte etwas mit Dommiel zu tun zu haben.“

„Dommiel? Der Torwächter der Hölle? Den hat Satan nach Friedrichshain geschickt?“

„Definitiv. Israfel hat ihn erkannt. Er wollte letzte Woche zwei befreundete Schutzengel davon abhalten, auf eine Party zu gehen und ist mit ihnen in das Haus hinein und die Treppen hoch. Er ist sich sicher, dass er durch die offene Tür Dommiel im Flur hat stehen sehen. Israfel hat sich umgedreht und ist, was er konnte, wieder ins Buddhistische Zentrum zurückgerannt. Aber die beiden Schutzengel kamen am nächsten Tag nicht mehr durch das Tor. Sie waren völlig fertig!“

„Und die beiden haben nichts gemacht, außer gefeiert? „

„So haben die das erzählt. Es deckt sich mit den Schilderungen der anderen Schutzengel. Und das sagen sie nicht nur mir, sondern auch Israfel. Wenn noch etwas anderes gelaufen wäre, würden sie sich mir gegenüber wohl eher bedeckt halten, aber bei ihm sieht es anders aus. Er ist ja mit den meisten befreundet.“

„Ok. Also die Schutzengel gehen da rein, feiern – und am nächsten Morgen sind sie unwiderbringlich verflucht. Das klingt nach einem fiesen Trick. Typisch Luzifer! Aber ihm auf die Schliche zu kommen, dürfte nicht einfach sein.“

Suriyel stöhnte auf. „Und jetzt auch noch Beelzebub oben drauf! Als ob alles nicht schon kompliziert genug wäre!“

Uriel drehte sein Weinglas zwischen den Fingern, während er konzentriert nachdachte. „Apropos Gnade. Hast Du schon mal daran gedacht, Gabriel zu Rate zu ziehen? Das fällt ja eigentlich unter ihr Arbeitsgebiet.“