Ich reflektiere über Karma, Riwo Sangchö, die Konsequenzen des Vajra Armor Mantras und andere Seltsamkeiten…

An jedem Freitagabend können alle, die Lust und Zeit haben, im tibetisch-buddhistischen Zentrum in Berlin-Friedrichshain mit Suriyel „Chenrezig“ praktizieren. https://www.water-runs-east.eu/vierzehn-chenrezig-eins/
Am Sonntagvormittag bietet er dazu noch seit Jahren „Grüne Tara“ an. https://www.water-runs-east.eu/gruene-tara/
Vor sieben Monaten hat er sein Programm um Riwo Sangchö erweitert. Seit Januar bringt er jeden Sonntag nach der „Grünen Tara“ noch das traditionelle tibetische Rauchopfer dar. https://www.water-runs-east.eu/zehn-riwo-sangchoe/
„Warum ausgerechnet Riwo Sangchö?“, frage ich ihn.
Es wäre eine spontane Idee gewesen. Oder, besser, ein Gefühl. Das Gefühl, dass Riwo Sangchö im Zentrum fehlen würde.
Also besorgte er sich den Text, bestellte die Musikinstrumente im Internet und versuchte sich im Ritual. Anfangs lief es eher holprig, erzählt er mir. Er konnte die Melodien nicht richtig, der Einsatz von Zimbeln und Trommel ging des Öfteren daneben. Aber inzwischen klappe es gut.
Was ich nur bestätigen kann.
Von einem seiner ersten Riwo Sangchö gibt es ein Video. In der Winterkälte steht eine Gruppe Menschen im Innenhof des Buddhistischen Zentrums. Suriyel führt durch das Ritual und nährt, als das Speiseopfer ansteht, die Flammen in der großen Feuerschale mit den Resten eines Christbaums.
Suriyel schickte das Video Uriel. Der schickte es mir. Als ich es sah, wusste ich, wer Maria in den tibetischen Buddhismus einführen – und mir darin Nachhilfe geben – sollte: Suriyel! https://www.water-runs-east.eu/vier-transformation-teil-zwei/
Es war keine rationale Entscheidung, sondern – um mit Suriyel zu sprechen – ein Gefühl. Uriel hätte die Einführung ebenfalls hinbekommen. Und auch ein paar andere Dharma-Schwestern und -Brüder aus der Sangha hätten es gekonnt. Ich meditiere mit Profis.
Aber nein!
Genauso wie Suriyel auf einmal das Gefühl überkam, sein Buddhistisches Zentrum brauche Riwo Sangchö, sagte mir mein Gefühl, Maria – und ich – brauchen Suriyels Praxis.
Suriyels, zeitlich überschaubare, Praxiseinheiten während Marias Einführungswochenendes im Retreathaus am Ende der Welt lösten unerwartet heftige emotionale und visuelle Reaktionen aus. https://www.water-runs-east.eu/fuenfzehn-euphorie/
Von den Träumen aller Beteiligten ganz zu schweigen. https://www.water-runs-east.eu/neun-im-nebel/
Sechs Wochen nach unserem meditativen LSD-Trip im Retreathaus am Ende der Welt breche ich zu einer Treckingtour auf. Tagelang in Einsamkeit durch die Natur laufen, dazu die stillen Nächte im Zelt – ich brauche das mehrmals im Jahr, damit es mir gut geht.
In Polen war ich noch nie beim Wandern. Dabei ist das Land nach meinem Umzug nach Leipzig auf einmal so nah – und billig ist es dort auch noch. Der einzige Pole im Freundeskreis – Suriyel – empfiehlt mir den Nationalpark von Bialowieza. https://www.water-runs-east.eu/frevert/
Die Wandertour wird zur Grenzerfahrung. Meine Träume im Urwald sind von extremer Intensität, immer wieder halluziniere ich regelrecht. Am letzten Tag meines Aufenthaltes an der Grenze zu Belarus bin ich in einem Zustand, der sich nur sehr eingeschränkt als „zurechnungsfähig“ beschreiben lässt.
In diesem Modus leiste ich am Schauplatz einer Massenhinrichtung ein Versprechen. https://www.water-runs-east.eu/gedenken/
Ich gelobe all den formlosen Wesen, die dort im Bardo gefangen sind, und den örtlichen Naturgeistern, die wegen der Gräueltaten mit der energetischen Blockade ihres Zuhauses klar kommen müssen, dass ich wiederkommen werde.
Und dann werde ich hier Riwo Sangchö machen. Denn das ist das Ritual, in dem durch Magie Weisheitsnektar erschaffen wird. Er gibt allen Wesen genau das, was sie brauchen, um Befreiung zu erlangen.Dafür muss ich das Ritual lernen. https://www.water-runs-east.eu/fazit/
Womit sich der Kreis schließt.
Suriyel und ich wissen beide, dass wir – warum auch immer – durch Karma aneinander gebunden sind. Und dass wir deshalb miteinander auskommen müssen.
Das ist aber auch der einzige Punkt, an dem wir uns einig sind.
Ansonsten sind wir komplett verschieden:
Er leidet unter meinem überbordenden Mitteilungsbedürfnis. Mich treibt seine Schweigsamkeit in den Wahnsinn.
Er empfindet meine Offenheit als übergriffig. Mich überfordert seine Verschlossenheit.
Ihn stört mein Perfektionismus. Mich irritiert sein Chaos.
Ihn nervt meine Dominanz. Mich seine Sturheit.
And so on…
Irgendwann schreibe ich ihm völlig entnervt: „Wir beide sind ein karmischer Frontalunfall! Einer von uns ist falsch rum in die intergalaktische Einbahnstraße eingebogen – und es ist nicht gesagt, dass ICH das war!“
Worauf zurückkommt: „Es gibt kein ‚Ich‘.“
Nachdem wir uns wieder beruhigt haben – oder, aus der Perspektive Suriyels, nachdem ICH mich wieder beruhigt habe – texte ich ihm: „Wann bist Du auf die Idee gekommen, Riwo Sangchö anzubieten? Vor oder nach unserem Vajra-Armor-Retreat im Januar?“
„Nach dem Retreat.“
„Karma, Baby…“ schreibe ich zurück.
Ich bin mir im Grunde sicher, dass wir unsere seltsame karmische Beziehung unserem Vajra-Armor-Mantra verdanken.
Wie Suriyel das sieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Der schweigt dazu und behält seine Gedanken für sich. Wie üblich…
Schreibe einen Kommentar