Im Retreathaus am Ende der Welt bleibt nach unseren magischen Vajrayana-Tagen noch viel zu tun…

Nachdem wir mit der „Grünen Tara“ durch sind, packt Suriyel sein Ritual-Equipment in einen Werkzeugkoffer und verschwindet nach oben. In den Gästezimmern warten Regalbretter darauf, an die Wand gedübelt zu werden. Ich putze währenddessen die Küche und kehre einmal durch.
Kaum bin ich fertig, hüpft auch schon der kleine weiße Hund durch die Küchentür. Er begrüßt mich, als hätte er gerade eine Altantiküberquerung auf einem Einhandsegler überlebt. Dabei hat er einfach nur mit Uriel eine Nacht bei Freunden verbracht. Nachdem ich ihn mit angemessener Begeisterung in Empfang genommen habe, machen wir uns auf die Suche nach seinem Herrchen.

Wir finden Uriel zusammen mit Suriyel im historischen Pferdestall. Der Hausherr inspiziert gerade, was wir während seiner Abwesenheit getrieben haben. Die Elektrik ist fertig, das ist die gute Nachricht. Ich war weniger erfolgreich, mehr als ein Drittel des Pferdestalls habe ich bei meiner sonntäglichen Streichaktion nicht geschafft. Und zu allem Unglück habe ich ordentlich Putz von der historischen Gewölbedecke geholt. In regelmäßigen Abständen sind Brocken davon an der Farbrolle kleben geblieben.
Der Pferdestall ist sanierungstechnisch eine Herausforderung: Wände und Decke sind imprägniert mit den Ausdünstungen des Viehs, dass hier über die Jahrhunderte gehalten wurde. Und noch dazu fließt unter dem Fundament des Stalls der Fluss hindurch, das Gebäude ist feucht. Deshalb hat Uriel von Profis einen teuren Spezialputz auftragen lassen – und jetzt das!
Ich drücke meine Erleichterung darüber aus, dass es nicht an mir ist, eine Lösung für dieses Problem zu finden – von Altbausanierung habe ich keine Ahnung – und laufe noch einmal ins Retreathaus, um meinen Rucksack aus dem Zimmer zu holen. Während ich ihn mir über die Schulter werfe, sehe ich zu meiner Freude, dass Suriyel den Handtuchhalter an die Wand gedübelt hat. Das ist ein echtes Improvement: bisher wusste ich nie, wohin mit meinem Handtuch, wenn ich mir am Waschbecken die Hände wusch.
Zurück auf dem Hof, packe ich meinen Rucksack in den Kofferraum. Während die beiden Erzengel mit gefurchten Stirnen Sanierungsfragen diskutieren, spielen der kleine weiße Hund und ich auf dem Rasenstück vor dem Pferdestall Fussball.
Ich bin gelassen: Früher oder später wird sich der historische Pferdestall in einen phantastischen Seminarraum verwandeln. Dann können bis zu vierzig Leute hier gleichzeitig an Retreats teilnehmen. Ich freue mich schon darauf – und nicht nur wegen des ausgesuchten Programms, das Uriel plant. Die westliche Tantra-Szene ist international: das Retreathaus am Ende der Welt wird bald Besuch aus allen Ecken Europas und Amerikas bekommen. Viele herzliche Begegnungen warten auf uns, wir werden neue Freunde finden, spannende Geschichten hören und ganz sicher Aufregendes erleben.
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