Ich verbringe einen sonnigen Augustsonntag im Buddhistischen Zentrum und erhalte eine Einladung…

Meine Innere Stimme hat beschlossen, dass ein Umzug nach Berlin ansteht.
Gegen meinen Willen!
Den ganzen August über bin ich im Widerstand. Das Keifen und Lamentieren meines verstörten Egos hält mich während der Nächte wach und verdüstert meine Tage.
Es hat eine lange Liste an Argumenten, die gegen ein Leben in Berlin sprachen. Aber eine Sorge treibt es besonders um:
„Und wie stellst du dir das vor? Bei dem angespannten Wohnungsmarkt in Berlin? Dort eine Wohnung zu suchen ist ein Albtraum! Da mache ich nicht mit!“
Ich kann meinem ängstlichen Ego nur zustimmen. Wenn die Innere Stimme uns in Berlin sehen will, ist es an ihr, dafür zu sorgen, dass eine Unterkunft auftaucht. Wie immer sie das auch anstellen will.
Die Innere Stimme schweigt.
Am letzten Sonntag im August fahre ich das erste Mal seit vier Wochen wieder ins Buddhistische Zentrum nach Friedrichshain. Die Sommerpause dort ist vorüber.
Nachdem wir die „Grüne Tara“ und das Riwo Sang Chöd hinter uns gebracht haben, sitzen Suriyel, sein Assistent Israfel und ich hinter der Teeküche auf der Terrasse und plaudern.
Israfel beklagt sich darüber, dass seine Mitbewohnerin, die gerade erst eingezogen ist, nächste Woche wieder ausziehen wird. Und das, wo es so anstrengend ist, jemanden zu finden, mit dem er gut zurechtkommt!
„Ich suche übrigens ein Zimmer in Berlin“, höre ich mich zu ihm sagen.
Suriyel, der links von mir sitzt, wäre vor Schreck beinahe von der Bank gekippt. Ich bin genauso erschrocken wie er.
„Was redest du da?“, zischt mein Ego die Innere Stimme an. „Bist du verrückt geworden?“
Aber es ist zu spät: Der Satz ist ausgesprochen. Er schwebt über dem kleinen Rasenstück vor der Terrasse. Nach ein paar Sekunden beginnt er sich im Takt der Gebetsfähnchen sanft im Wind zu wiegen. Vor unseren Augen steigt er zur goldenen Kuppel der Stupa auf und tanzt einmal um ihre Spitze, bevor er über den Dächern Friedrichhains verschwindet.
Nun gut, erklärt mir Israfel, nachdem er unseren Blicken entschwunden war. Wenn ich das wollen würde, könne ich gerne am nächsten Wochenende bei ihm übernachten.
Zum Probewohnen.
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