
Ich träume von Schuhen. Jede Nacht. In allen Variationen. Ich trage zwei verschiedene, ich trage falsche, zu kleine, zu große… Oder ich stehe vor Schuhgeschäften im Wissen, ich müsste mir welche aussuchen, aber kein Paar in der Auslage spricht mich an.
Schuhträume sind Identitätsträume. „Wer bin ich?“, will die Seele wissen, wenn das Unbewusste sich mit der – nur scheinbar banalen – Frage nach der richtigen Fußbekleidung beschäftigt.
„I am Nobody. Who are you? Are you – Nobody – too?“
Mit „Nobody“ als Selbstbeschreibung scheint mein Unbewusstes nichts anfangen zu können – auch wenn ich mich mit diesen Zeilen aus einem Gedicht von Emily Dickinson auf Facebook vorstelle.
Identität ist lediglich ein Konzept, heißt es im Zen. Verzichten können wir leider nicht darauf. „Wer ohne Ego ist, ist nicht erleuchtet, sondern psychisch krank“, sagt mein Zen-Lehrer dazu. Es ginge nicht darum, „Ego-los“ zu werden, das wäre auch nur wieder Konzept. Eigene wie fremde Zuschreibungen nicht allzu ernst zu nehmen, sei die einzig vernünftige Lösung.
Die schwarze Göttin der Friedhöfe tanzt und tanzt in meinem Unterleib. Ich „sehe“ Krodhi Kali jede Nacht im Schlaf. Aus ihrem Herzen jagen blaue Strahlen, die alle Negativität und Bösartigkeit zerschmettern.
Ich hatte meine Füße in Schuhe gezwängt, die mir zu eng waren. Mich zu Konzepten verurteilt, die mich klein gehalten haben. Nur selten kann die Negativität und Bösartigkeit, die uns Andere entgegen bringen, mit der konkurrieren, die wir für uns selbst bereit halten.
Die Herrin über Leben und Tod räumt auf. Sie macht selbst vor meinem Schuhregal nicht halt. Ich versuche, es mit Humor zu nehmen. Was bleibt mir auch anderes übrig?
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