Das Mönlam – das traditionelle tibetisch-buddhistische Gebetsfest – in Berlin-Friedrichshain findet ein stimmungsvolles Ende…

Nach drei Tagen des gemeinsamen Betens findet das Mönlam am Sonntagabend ein würdiges Ende.
Mit brennenden Kerzen in den Händen wandern die Teilnehmer – ein Mantra singend – in Scharen zur Stupa im Garten. Sieben Mal muss sie umkreist werden, so lautet die Regel. Nach den vorgeschriebenen Runden stellt einer nach dem anderen seine flackernde Kerze auf dem Sims des großen weißen Kegels mit der goldenen Spitze ab.
In der Dunkelheit hängt der Geruch von Herbst über dem Garten des buddhistischen Zentrums. Mitten darin leuchtet die majestätische Stupa – umkränzt von einer Kette aus Kerzenschein – wie eine Erscheinung aus einer anderen Zeit. Sie scheint vor Energie zu glühen.
Einer Energie, die das ganze Zentrum vibrieren lässt und sicher auch jenseits des hohen Zaunes in den Straßen Friedrichhains wahrnehmbar ist.
Für die, die spüren wollen…
Als ich von der Stupa zurückkomme, hat sich das ehrenamtliche Orga-Team in der Teestube versammelt. Alle sind gerade damit beschäftigt sich gegenseitig zu versichern, wie gut alles gelaufen ist. Und das bei mindestens 150 Teilnehmern täglich und mehr als zwanzig Lamas, die im Zentrum übernachtet haben. Dazu kamen Gäste aus anderen buddhistischen Zentren Berlins, die an den Nachmittagen Vorträge hielten. Tausend Dinge hätten schief gehen können. Von der Organisation über die Technik bis zur Verpflegung.
Aber – wie durch ein Wunder – hat alles wie am Schnürchen geklappt. Und das mit einem ehrenamtlichen Team, dass noch nie eine Veranstaltung in dieser Größenordnung organisieren musste.
Das Orgateam ist glücklich, erleichtert – und völlig fertig! Niemand der Verantwortlichen hat irgendetwas von der Veranstaltung mitbekommen. Alle waren ununterbrochen von ihren tausend Pflichten in Beschlag genommen.
Nichts desto Trotz: Das Tibetisch-Buddhistische Zentrum in Friedrichhain hat wieder eine Bewährungsprobe bestanden. Und ein ganzes Wochenende lang viele Menschen glücklich gemacht.
Später laufen Israfel und ich auf überfüllten Gehwegen an Kneipen, Bars und Spätis vorbei. Jenseits der Mauern des Buddhistischen Zentrums genießen Nachtschwärmer eine der letzten lauen Nächte, bevor der Herbst endgültig das Regiment übernimmt.
Während ich – auf Israfels Küchensofa liegend – dem gedämpften Lärm Friedrichhains vor dem geöffneten Fenster lausche, wird mir bewusst, dass die Idee, nach Berlin zu ziehen, viel von seinem Schrecken verloren hat.
Es könnte sogar sein, denke ich beim Einschlafen, dass es schön werden wird…
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