Die wilden Katzen des Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz sollen kastriert werden. Dafür muss ich sie einfangen…

Am Freitag, dem 12. Dezember, klingelt morgens um 7 Uhr das Telefon.
Am Apparat: der Vorsitzende des Tierschutzvereins Neubrandenburg.
„Der Tierarzt hat heute Kapazität für fünf Katzen“ erklärt er mir. „In zwei Stunden bin ich mit den Fallen bei ihnen.“
„Wenn alles gut läuft“, fährt er fort, „nehme ich Mittags alle fünf Katzen mit zum Tierarzt und bringe sie Abends kastriert wieder zurück!“ https://www.water-runs-east.eu/katzen/
Ein Mann der Tat.
Pünktlich um neun Uhr parkt ein weißer Transporter in der Auffahrt des Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz.
Als ich Schuhe und Jacke angezogen habe und vor die Haustür getreten bin, hat der Vorsitzende des Tierschutzvereins bereits die erste Falle aufgestellt.
Hinter der Garage.
Während er mir die Hand schüttelt und sich vorstellt, knallt es laut hinter uns.
„Na bitte!“ Erklärt mir der drahtige Herr Anfang Siebzig zufrieden. „Die erste hätten wir schon mal!“
Ich folge ihm zur Garage. In der großen grünen Falle sitzt der sichtlich schockierte Mikesch.

So habe ich den schwarzen Jungkater mit dem weißen Herzchen über der Nase getauft.
Er ist der größte und neugierigste der Truppe.
Der Tierschutz-Mann trägt die Falle mit dem armen Mikesch zum Transporter und stellt sie auf der Ladefläche ab.
Vor den Augen von Mikesch Geschwistern.
Die haben das unerhörte Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtet.
Eigentlich warten alle Katzen auf ihr Frühstück. Das bekommen sie normalerweise um kurz vor acht Uhr.
Aber heute Morgen bekommen sie: nichts!
Der Tierschutz-Mann hat mir verboten, die Katzen zu füttern.
Damit die hungrigen Katzen – angelockt von einer kleinen Portion Futter – in die Falle tappen und den Schließmechanismus auslösen, sobald sie fressen.
Bei Mikesch hat der Trick super funktioniert.
Der Herr vom Tierschutz holt drei weitere Lebend-Fallen aus dem Transporter und zeigt mir, wie man sie präpariert: ein paar Brocken Nassfutter auf die bewegliche Bodenplatte, dann die Tür mit dem Öffnungsmechanismus sichern.
Wir verteilen die Fallen auf dem Gelände.
Weil es im Freien kalt und ungemütlich ist, bitte ich den Tierschutz-Mann in die Küche. Wir trinken Tee und warten darauf, dass die nächste Katze in die Falle geht.
Der Herr vom Tierschutz ist siegesgewiss.
Ich bin skeptisch: Mikesch war ahnungslos. Aber die anderen Katzen waren life dabei, als er in die Falle ging.
Sind sie wirklich so doof, es ihm gleich zu tun?
Zwei Stunden später verlässt mich der Herr vom Tierschutz.
Mit einer einzigen Katze: dem armen Mikesch.
Ich bekomme den Auftrag, im Zwei-Stunden-Takt die Fallen zu kontrollieren und jede gefangene Katze sofort telefonisch zu melden.
Alle zwei Stunden steige ich in meine Winterstiefel, ziehe Anorak und Mütze an und wandere über das Gelände um zu schauen, ob eine Katze in die Falle gegangen ist.
Den ganzen Nachmittag über: nichts.
Um fünf Uhr abends lässt der Schein meiner Taschenlampe ein paar Katzenaugen in der Falle vor dem Backhaus aufleuchten.
Baruch!
So habe ich die Jungkatze mit dem lustigen Dali-Bärtchen am Kinn getauft.
In der letzten Abenddämmerung stolpere ich über die Wiese, mit beiden Händen die fauchende Katze in der schweren Falle schleppend.
Die Taschenlampe steckt in der Jackentasche.
Ich stelle den völlig verstörten Baruch im Flur ab, greife mit zitternden Händen zum Telefon und melde Vollzug.
„Heute Abend ist es zu spät zur Kastration. Ich hole alle Katzen, die Sie über das Wochenende fangen, am Montagmorgen ab!“
Der Tierschutz-Mann räuspert sich: „Der Kater ist kastriert. Ich bringe ihn in etwa einer halben Stunde!“
Als der Transporter des Tierschutzvereins vorfährt, eile ich nach draußen, um Mikesch in Empfang zu nehmen. Der Herr vom Tierschutz öffnet die Ladeklappe: Fünf frisch operierte Katzen hat er dabei! Mikesch´ Transportbox ist ganz vorne. Er ist der einzige, der schon wach ist.

Der Tierschutz-Mann drückt mir die Transportbox mit dem halb narkotisierten Kater in die Hand, dazu ein Papiertütchen mit einem Streifen Antibiotika-Tabletten. „Morgens und Abends eine halbe Tablette!“
Dann wünscht er mir ein schönes Wochenende und fährt davon.
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