Durch die Praxis des Sang – des klassischen tibetisch-buddhistischen Rauchopfers – werden karmische Beschwernisse beseitigt…

Regelmäßig tibetisch-buddhistische Rauchopfer zu praktizieren, geht mit vielen positiven Resultaten einher:
Von den Buddhas und Bodhisattvas – den Gästen der ersten Klasse – erhält man Segnung.
Die Gäste der zweiten Klasse – Schützer – beschenken mit besonderen Fähigkeiten und Einsichten.
Wenn die fühlenden Wesen aus den sechs Daseinsbereichen – die Gäste der dritten Klasse – gesättigt sind, danken sie es mit Wohlwollen.
Es gibt jedoch noch eine vierte Klasse von Gästen: die fühlenden Wesen, die uns nicht gut gesonnen sind!
Während unserer unendlichen Wanderung von Wiedergeburt zu Wiedergeburt ist viel geschehen. Mit uns – und mit denen, die uns auf unserer Reise begegnet sind.
Wir haben Gutes getan – und Schlechtes.
Deshalb gibt es die Kräfte, die uns karmisch in positiver Weise verbunden sind.
Aber auch die, bei denen wir karmische „Schulden“ haben.
In unserem Dasein zeigen sich diese Verbindlichkeiten aus früheren Leben als Konflikte, Widerstände, gescheiterte Pläne und Niederlagen.
Der unerträgliche Vorgesetzte, der nervige Kunde, die tyranische Verwandtschaft, der untreue Geliebte…
Sie tun uns etwas an – weil wir bei ihnen in der Schuld stehen.
Diese karmischen Passiva müssen entweder mühsam und schmerzhaft „abgearbeitet“ werden – oder man praktiziert ein Sang.
Denn zum Rauchopfer werden bewusst nicht nur die Kräfte eingeladen, die uns wohlmeinend bis neutral gegenüberstehen, sondern auch die vierte Klasse der Gäste.
Die, die mit uns ein Hühnchen zu rupfen haben.
Ihre Anwesenheit ist nicht immer einfach auszuhalten. Trotzdem bitten wir sie zur Tafel: Während der Rauch des verbrennenden Speiseopfers aufsteigt, visualisieren wir die Präsenz all derer, mit denen wir in Konflikten verstrickt sind. Und wir bewirten sie mit Weisheitsnektar, so gut es uns möglich ist.
Wenn es uns gelingt, während des Rauchopfers eine Haltung der Großzügigkeit gegenüber unseren Widersachern einzunehmen – tiefes Mitgefühl für ihr Leiden zu entwickeln, während wir sie nähren – kann sich mit der Zeit die karmische Blockade auflösen.
Nachdem das morgendliche Sang abgeschlossen ist, wird auf die – immer noch glühenden – Kohle in der Räucherschale ein Bröckchen Guggul gelegt.
Das tibetische Baumharz sondert, während es qualmend verbrennt, einen strengen Geruch ab.
Die Gäste der vierten Klasse – unsere karmischen Gläubiger- verabscheuen ihn!
Wir laden sie zum Mahl, um unsere Schulden bei ihnen zu begleichen. Aber dauerhaft im Haus möchte sie niemand haben. Deshalb werden sie am Ende des Rauchopfers zügig hinauskomplimentiert.
Da sind die Tibeter pragmatisch…
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