Inspiriert von einem keltischen Tages-und-Nachtgleichen-Ritual im Thüringer Harz fasse ich einen spontanen Beschluss…

Am 23. September – einen Monat, nachdem ich auf dem Barockball in der sächsischen Provinz eine echte Hexe kennengelernt habe – mache ich mich wieder auf die Reise. https://www.water-runs-east.eu/?p=8696

Nicht in den Harz, wo die Hexe wohnt, sondern in den Pfälzer Wald. Die Dharma-Schwester, die ich dort besuche, lebt nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt in einem zweihundert Jahre alten Bauernhof.

Nachdem wir es uns am Abend auf dem Sofa gemütlich gemacht haben, erzähle ich der Freundin vom Barockball.

Und von der Frau, mit der ich dort getanzt habe. Die nicht nur aussieht wie eine Hexe, sondern wahrhaftig eine ist!

Ich rufe den Facebook-Account meiner neuen Bekanntschaft auf, um ihr Profilbild zu präsentieren.

“Schau dir das an!“ Ich halte meiner Freundin das Handy unter die Nase. „Was sagst du dazu?“

Die Hexe aus dem Harz hat heute Morgen ein Foto gepostet: Ein grauer Felsen, auf dem sie kunstvoll Blumen, Obst und Kerzen drapiert hat. „Herzlicher Mabon!“ steht darunter.

Was ist „Mabon“?

Google weiß Rat: Es handelt sich um die Herbst-Tages-und-Nacht-Gleiche, die heute gefeiert wird, lese ich meiner Freundin vor.

Am Tag nach dem Barockball hat mir die Hexe auf der gemeinsamen Rückfahrt nach Leipzig von diesen keltischen Ritualen erzählt. Die praktiziert sie immer an original keltischen Opfersteinen. Von denen, hat sie mir erklärt, gibt es im Harz mehrere.

Bei dem Felsen auf dem Foto muss es sich demnach um einen dieser seltsamen Opfersteine handeln.

Meine Freundin betrachtet interessiert das Foto. „So einen haben wir hier auch!“

Ich falle beinahe vom Sofa. „Im Ernst?“ Ich kann mich nicht entsinnen, jemals in meinem Leben auf einen keltischen Opferstein getroffen zu sein.

Und auf einmal ist unversehens einer um die Ecke!

Wenn es einen Opferstein gibt – beschließe ich umgehend – muss er auch genutzt werden!

Nur wie?

Meine Dharma-Freundin und ich haben schon öfter an tibetisch-buddhistischen Opferritualen teilgenommen. Aber ohne Lama eines an einem keltischen Opferstein durchführen?

Das trauen wir uns beide nicht zu.

Dann muss es eben nach Hexen-Art gehen!

Netterweise lässt uns die Hexe aus dem Harz, die ich über Messenger anschreibe, detaillierte Anweisungen zukommen.

„Die Schale des Opfersteins“, lese ich meiner Freundin vor, „muss mit Rosen, Lavendel, Äpfeln und Weintrauben gefüllt werden. Davor werden Kerzen platziert. Für das Ritual werden Räucherstäbchen angezündet. Der Opferstein darf erst verlassen werden, wenn die Räucherstäbchen niedergebrannt sind.“

“So einfach?“, fragt meine Freundin ungläubig.

Tibetisch-Buddhistische Opferrituale sind erheblich anspruchsvoller.

“Ist doch gut so. Das bekommen wir auf alle Fälle hin!“ Ich bin entzückt von der Idee, am nächsten Tag ein Hexen-Ritual an einem original keltischen Opferstein abhalten zu dürfen. Egal, wie unterkomplex das aus Vajrayana-Perspektive auch sein mag.

Und wirklich – stellt sich am nächsten Morgen heraus – hat meine Freundin alles, was benötigt wird, vorrätig: Äpfel und Weintrauben, Rosen und Lavendel wachsen in ihrem Garten. Räucherstäbchen hat sie als gläubige Buddhistin schachtelweise im Schrank. Und zwei Teelichter in Gläsern finden sich auch.

Ich packe alles in meinen Rucksack, dann brechen wir auf.