
Der morgendliche Blick in den Spiegel jagt mir Schauer über den Rücken. Wenn Maria mich sehen könnte, würde sie weinen. Kein Geheimnis gehobener Gesichtspflege ist ihr fremd. Leider ist sie 800 Kilometer weit weg. Das Kosemtikregal bei Rossmann ist nicht dechifrierbar. Ich habe nur eine vage Idee davon, wo die Shampoos aufhören und die Cremes anfangen – ohne Maria bin ich verloren.
Auf dem Weg ins Café laufe ich an einem Ladengeschäft vorbei. „Milky Spa“, lese ich. „Bubble Ozean“. Wunderbar, Problem gelöst! Dann eben eine Kosmetikbehandlung. Ich nehme die Stufen mit Elan und klingle, als ich feststelle, dass die Tür verschlossen ist. Eine gepflegte Frau Ende vierzig öffnet, perfekt gezupfte Augenbrauen, keine Botox-Lippen. Die Kosmetikerin meines Vertrauens! Sie lässt ihren Blick um meine Beine wandern und sieht mich dann fragend an. Ich hätte gerne einen Termin, erkläre ich ihr. Sie runzelt die Stirn. Versteht sie kein Englisch? Ich zeige auf meine Wange. „For my face.“ Sie schaut einen Moment verblüfft, stößt mit Schwung die Tür auf und weißt ins Innere. „But it´s for dogs!“ Tatsächlich: auf dem Behandlungstisch steht ein perfekt frisierter Tibet-Terrier und wedelt mir freundlich entgegen. Wir lachen schallend. Es ist aber auch schräg! Ich verabschiede mich und denke, dass ich zumindest ein neues polnisches Wort gelernt habe: „Psa“ heißt wohl Hund.
Als ich kurz darauf in einem Café sitze und im Online-Lexikon nachschlage, lerne ich, dass es so einfach leider nicht ist: „Hund“ heißt in der Grundform „pies“. „Psa“ ist eine Konjugation. Eines Substantivs! Es gibt auch noch „psem“, „psami“ und „psy“, erfahre ich. Himmel hilf!
Ich habe in meinem Mini-Appartement ein paar polnische Floskeln auswendig gelernt. „Dziekuje!“ heißt „Danke!“. Noch schöner ist „Dziekuje piknie!“ „Danke schön!“ Aber wenn es so weit wäre, dass ich mich für irgendwas bedanken könnte, traue ich mich nicht, es auszusprechen, weil ich denke, es klingt albern.
Am Nachmittag ergattere ich dann doch noch einen Termin in einem Kosmetiksalon. Die Kosmetikerin ist leider nicht im Ansatz so sympathisch wie die Hunde-Salon-Dame. Sie schürzt ihre üppigen Botox-Lippen und mustert mich abschätzend. Sie überlegt offensichtlich, wie viel Touristenaufschlag sie mir zumuten kann, ohne dass ich mich umdrehe und gehe. Als sie mir den Preis nennt, tippe ich auf sportliche 50%. Egal, ich nicke ergeben. „With waxing, yes.“ Es ist ein Experiment, ich bin gespannt, wie ich hinterher aussehen werde.
Maria hat mir Photos geschickt. Sie war am Morgen in Leipzig bei einem professionellen Photoshooting. Die Photographin wäre super nett und aus Saporischschja, schreibt sie mir. Ich bewundere die coole Optik. Das Photo mit Tattoo gefällt mir am Besten. Ich frage, ob ich es im Blog posten darf? „For sure!“ kommt es zurück.
Deshalb: wer Maria sehen möchte, gehe zum Blogeintrag Nummer 18 „Hipster“…
Schreibe einen Kommentar