Ohne die magische Kraft des Feuers wäre die Transformation der Speiseopfer im Riwo Sang Chöd nicht möglich…

Das Feuer lebt!

Wer in die Flammen eines offenen Feuers starrt – und sich dabei gestattet, einfach nur zu sehen, was ist – wird sich Auge in Auge mit dem mächtigen Feuer-Gott wiederfinden.

Dass es uns gegeben ist, ihm in dieser Direktheit zu begegnen, verdankt sich unserer Lebensenergie.

Auch wir tragen einen Funken dieses magischen Feuers in uns.

Tummo.

Im Westen ist es Yoga-Adepten als „Kundalini-Energie“ vertraut: Eine Feuerschlange, zusammengerollt schlafend im Unterleib. Durch spezielle Übungen kann sie zum Leben erweckt werden.

Dabei ist Vorsicht geboten: „Kundalini-Unfälle“ – die durch das verfrühte Aktivieren der magischen Feuerkraft verursacht werden – können böse Konsequenzen haben.

Denn die Kraft des Feuers nährt unser Leben – und hat gleichzeitig das Vermögen, es zu zerstören.

Feuer ist schnell: Ein Funke auf trockenem Holz genügt, schon steht alles in Flammen. Es besteht immer die Gefahr, dass es außer Kontrolle gerät.

Deshalb sollte man dem Gott des Feuers immer mit Respekt und Vorsicht begegnen. Egal ob wir mit unserem Tummo – unserer Lebensenergie – oder mit äußeren Flammen zu tun haben.

In den tibetisch-buddhistischen Sang – den rituellen Rauch-Opfern – kommt dem Gott des Feuers eine besondere Aufgabe zu: Es ist seine magische Kraft, durch die Milch, Joghurt, Butter, Zucker, Honig, Melasse und Kräuter in Weißheitsnektar verwandelt wird. Der Rauch, der beim Verbrennen der Speiseopfer entsteht, dient lediglich als Vehikel.

In den Himmel aufsteigend, trägt er die sättigende Nahrung in alle Sphären jenseits von Raum und Zeit.

Auf dass sich Buddhas und Bodhisattvas, Schützer und alle fühlenden Wesen daran erfreuen und jeder auf seine Weise karmische Verstrickungen lösen kann.

Der mächtige archaische Gott des Feuers wird gezähmt und in den Dienst des liebenden Mitgefühls – Bodhicitta – gestellt.