Auf dem Weg zum Probewohnen in Berlin-Friedrichshain bekomme ich am magischen Elstermühlgraben ein Zeichen geschenkt…

Der September nähert sich seinem Ende. Der Monat ist ereignisreich verlaufen.

Anfang September begann ich mit einem neuen Blog-Thema. Arbeitstitel: „Die Engel von Friedrichshain“. Es war auf vier bis sechs Wochen angelegt. Gerade entwickelt es sich zum Mamut-Projekt und droht, mir über den Kopf zu wachsen. https://www.water-runs-east.eu/israfel/

Mitte September fiel mein „Probe-Wohnen“ bei Israfel genau auf das Mönlam – das traditionelle tibetische Gebetsfest – im Buddhistischen Zentrum in Friedrichshain. https://www.water-runs-east.eu/moenlam/

Meine Innere Stimme hatte beschlossen, ich müsse nach Berlin ziehen – und Israfel hatte ein freies Zimmer anzubieten. https://www.water-runs-east.eu/probe-wohnen/

Nach dem Probe-Wohn-Wochenende gehe ich davon aus, dass ich bei Israfel einziehen werde.

Denn alles – so verwirrend und überwältigend es auch ist – vollzieht sich auf vollkommend natürliche Weise.

Der vertraute karmische Flow….

Allerdings hatte ich – zu Beginn von Probe-Wohnen und Mönlam – ein Zeichen geschenkt bekommen, das ich nicht zu deuten weiß.

Es begegnete mir auf dem Weg zum Bahnhof am magischen Elstermühlgraben. Dort, wo der Naga wohnt. https://www.water-runs-east.eu/spirits/

Als ich – in Gedanken beim am Abend beginnenden Probe-Wohnen – am Kanal vorbeilief, ertönte ganz in der Nähe der schrille Ruf eines Greifvogels. Ich legte den Kopf in den Nacken und starrte in den herbstblauen Himmel. Der war leer.

Aber irgendwo musste der Vogel sein! Seine rhythmischen Schreie hallten durch das Gründerzeit-Viertel. Suchenden Blickes lief ich weiter – und entdeckte einen Falken, der auf dem First eines Art-Deco-Hauses hockte. War er krank?

Während ich versuchte, mir einen Reim aus der Sache zu machen, ertönten plötzlich Greifvogel-Rufe vom Himmel.

Erst konnte ich nur sechs schwarze Punkte erkennen, die über den Dächern des Waldstraßenviertels kreisten. Aber innerhalb kurzer Zeit waren die Vögel so nah, dass Silhouetten und Farben keinen Zweifel ließen: Am Elstermühlgraben hatten sich sieben Wanderfalken eingefunden!

War das ein Elternpaar mit seinen gerade flügge gewordenen Kindern? Oder eine Schar Jungvögel?

Noch nie hatte ich so viele Falken gleichzeitig gesehen! Und dann auch noch in der Leipziger Innenstadt!

Das so seltsame wie seltene Schauspiel absorbierte mich. Ich stand, den Kopf in den Nacken gelegt, und starrte abwechselnd auf die kreisenden Raubvögel am Himmel und den einen auf dem Dachfirst, lauschte ihren schrillen Schreien, die das gleichmäßige Rauschen des Verkehrs auf dem Ring übertönten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit schreckte mich ein Gedanke aus meiner Trance: In einer halben Stunde ging mein Zug nach Berlin!

Ich wandte mich schweren Herzens ab und machte mich auf den Weg in die Fußgängerzone in der Annahme, ich würde die Vögel zurücklassen.

Aber ein paar Minuten später – ich hatte inzwischen den Ring überquert – ertönten erneut schrille Raubvogel-Rufe. Der Falke, den ich zuerst entdeckt hatte, war über den Goerdelerring geflogen und saß jetzt auf dem Dachfirst eines Hauses am Richard-Wagner-Platz. Über ihm kreisten die anderen sechs Wanderfalken. Ihre Schreie halten über die belebte Fußgängerzone.

Zu meinem Erstaunen schien keiner der Passanten das seltene Ereignis zu registrieren. Niemand um mich blieb stehen, hob den Kopf und versuchte herauszufinden, woher die Rufe kamen.

Lediglich die Stadttauben verstanden, was es geschlagen hatte. Ein Schwarm schoss direkt an mir vorbei. Die Vögel flogen so tief, dass ihre Bäuche beinahe das ausgetretene Kopfsteinpflaster streiften. Innerhalb von Sekunden waren sie in einer dunklen Tordurchfahrt verschwunden.

Auf meinem Weg durch die Altstadt begleiteten mich unaufhörlich die schrillen Schreie der Wanderfalken. Im Schutz von Dachfirsten und Erkern kauerten Tauben in Todesangst. Die frechen Spatzen, die sich sonst um die Essensreste an den Mülleimern balgten, waren verschwunden.

Aber keiner der Passanten realisierte, dass er gerade gerade ein ornithologisches Kriegsgebiet durchquerte.

Am Himmel kreisten sieben ununterbrochen schreiende Wanderfalken – auch der vom Dachfirst hatte sich jetzt seinen Artgenossen angeschlossen – am Boden war alles Gurren, Piepen und Singen verstummt.

Während ich die Altstadt durchquerte, schraubten sich die Falken höher und höher in den Herbsthimmel. Ihre schrillen Schreie wurden schwächer, bis sie vom Straßenlärm verschluckt wurden.

Als ich – kurz vor dem Hauptbahnhof – am Unteren Park angekommen war, sangen dort die Amseln in den Bäumen. Ein Pulk Spatzen stritt sich, laut zschirpend, um die Reste eines Brötchens.

Die Raubvögel waren verschwunden.

Während der Fahrt nach Berlin starrte ich aus dem Fenster des ICE auf die ausgedörrten Wälder Brandenburgs. In meinen Ohren klangen immer noch die schrillen Schreie der sieben Wanderfalken.

Sie waren wahrhaftig ein Zeichen gewesen!

Nur: Was es zu bedeuten hatte, war mir nicht zugänglich.