„Großzügiges Geben ohne Gegenleistung“ ist eine der wichtigsten Tugenden des Buddhismus – und kompliziert…

Im tibetisch-buddhistischen Zentrum in Friedrichshain wird das Prinzip von „Dana“ praktiziert.

Das bedeutet: Jeder gibt mit offenen Händen – und erwartet keine Gegenleistung dafür.

Im Buddhismus – wie im Hinduismus – wird die Übung des „Dana“ als essentiell für die Entwicklung von Großzügigkeit betrachtet. Sie dient als Mittel, das Wurzelgift der Gier zu überwinden.

Im Akt des bedingungslosen Gebens werden wir mit unseren tiefsten Ängsten konfrontiert: Vor Mangel. Vor dem „Zu-wenig-haben“. Vor der materiellen Vernichtung.

Das ist ein Aspekt von „Dana“.

Ein anderer Aspekt zielt auf den bewussten Vollzug der Handlung in diesem Augenblick ab. Überlegungen zur Transaktionalität und angemessenen Reziprozität des Gebens in dieser bestimmten Situation sind nichts anderes als Konzepte.

All diese limitierenden Ego-Strukturen sollen im Akt des Gebens aufgegeben werden. Der Vollzug des Dana wird zu einer Abfolge von Bewegungen, die vollkommend aus der aktuellen Situation heraus entstehen.

Dem natürlichen Rhythmus des Lebens folgend. Einfach nur atmen und loslassen.

Soweit die Theorie.

Wer sich intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt, dem ist das Prinzip des Dana vertraut.

Neulinge sind des öfteren überfordert. Manche fühlen sich von der Information, der Lama bitte statt einer fixen Kursgebühr um „Dana“ so eingeschüchert, dass sie den Kurs nicht besuchen.

Manche kommen und geben, aus Angst, zu wenig zu geben, zu viel.

Viele geben einen deutlich niedrigeren Betrag, als den, den sie in Form einer fixen Kursgebühr akzeptiert hätten.

Die wörtliche Übersetzung von „Dana“ – „Spende“ – verbinden Menschen im Westen weniger mit einer spirituellen Übung, sondern eher mit Freiwilligkeit.

Man kann geben, muss aber nicht…

Das tibetisch-buddhistische Zentrum in Friedrichshain ist ein Ort der Großzügigkeit. Jeder der kommt, ist willkommen. Er wird verköstigt, umsorgt und kann an allen Veranstaltungen teilnehmen. Vorraussetzungslos.

Allerdings ist auch das Zentrum den Bedingungen von Samsara unterworfen: Rechnungen müssen bezahlt, laufende Kosten beglichen werden. Wenn Lehrer mit ihren Veranstaltungen dort zu wenig verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, kommen sie nicht wieder.

Die ehrenamtlichen Organisatoren des tibetisch-buddhistischen Zentrums befinden sich deshalb in einem Dilemma:

Sollen unbedarfte Besucher zum Glück des großzügigen Gebens gezwungen werden?

Soll „Dana“ nicht mehr mit „Spende“ sondern mit „Aufwandsentschädigung“ übersetzt werden? Damit können Deutsche eher etwas anfangen. Dass man sich an den Kosten eines genossenen Gutes beteiligen muss, ist für uns leichter nachvollziehbar, als die Gesetzmäßigkeiten von gutem Karma und Ego-Losigkeit.

Nur würde damit das eherne Prinzip des großzügigen vorraussetzungslosen Gebens aufgegeben werden.

Wir wären in unserer westlichen Logik des transaktionalen Gebens angelangt, das zwar praktisch ist, aber alle unglücklich und einsam macht.

Die Angelegenheit ist kompliziert…