Pema Choling im Historischen Pfarrhof von Dewitz

Kategorie: Taliba (Seite 3 von 5)

Der Entschluss

Erzengel Gabriel kann das Scheitern der Gnadenengel in Berlin-Friedrichshain nicht akezptieren und fasst einen Entschluss…

Maria saß mit angezogenen Beinen auf dem Sofa. https://www.water-runs-east.eu/maria/

Ihr Blick folgte Erzengel Gabriel, die im Wohnzimmer auf und ab wanderte. „Das widerspricht allen göttlichen Geboten! Es kann einfach nicht sein!“ https://www.water-runs-east.eu/gabriel/

Maria unterdrückte ein Gähnen. Es war bereits kurz vor Mitternacht. „Ich kann morgen Christus fragen. Dem wird sicher eine Lösung einfallen.“ Marias Glaube an ihren Sohn war unerschütterlich. Er konnte schließlich übers Wasser gehen und war überhaupt in allen Dingen perfekt. Sie war seine Mutter, sie musste es wissen.

Gabriel schnaubte entrüstet durch die Nase: „Ich bin hier der Gnadenengel! Das kann ja wohl nicht sein, dass ich das nicht hinkriege!“

Maria verdrehte innerlich die Augen. So nett Gabriel war – ihr Perfektionismus war überzogen. „Du darfst auch mal was nicht können. Außerdem bist du nicht der einzige Gnadenengel. Rafael ist auch noch da.“ https://www.water-runs-east.eu/streit-unter-erzengeln/

„Der war ganz meiner Meinung: Das ist nicht möglich! Die Schutzengel von Friedrichshain sind bei ihrer Erschaffung mit einer exorbitanten Menge an Gratia Habitualis ausgestattet worden, damit sie ihren Job ordentlich erledigen können.“

„Naja. Sie waren auf Luzifers Party.“

„Das spielt keine Rolle! Selbst wenn sie nicht in der Lage gewesen sind, die angeborene Gnade zu aktualisieren und sich von Luzifer aufs Glatteis haben locken lassen, MUSS die Gratia Sanctificans, die ihnen durch die Gnadendusche verpasst wurde, in Kombination mit ihrer Gratia Habitualis zum Brechen des Fluchs führen.“ https://www.water-runs-east.eu/gnade-2/

„Warum hat diese Dusche dann nicht funktioniert?“

„Rafael ist davon überzeugt, dass die Gnadenengel vor Ort Mist gebaut haben. Er meinte, ich soll noch mal einen Trupp mit Experten schicken.“ https://www.water-runs-east.eu/gnadenengel-in-friedrichshain/

„Und was hindert dich daran?“

„Suriyel! Er hat sich total darüber empört, dass ich mich in seine Angelegenheiten gemischt habe und jetzt stellt er sich tot! Ich kriege keinen Kontakt mehr mit ihm, obwohl er ganz genau weiß, dass ich mit ihm reden möchte!“ https://www.water-runs-east.eu/streit-unter-erzengeln/

„Und was sagt Uriel? Er hatte dich schließlich darum gebeten, die Gnadenengel zu schicken.“ https://www.water-runs-east.eu/uriel/

„Der hält sich bedeckt. Er hat offensichtlich keine Lust, in die Auseinandersetzung zwischen Suriyel und mir hineingezogen zu werden. Und außerdem sind Gnadenakte und die Schutzengel von Friedrichshain nicht seine Baustelle.“

Mit einem erschöpften Stöhnen ließ Gabriel sich neben Maria auf das Sofa fallen. „Ich habe den Leiter der Gnadenmission vorhin in seine Einzelteile zerlegt! https://www.water-runs-east.eu/gnadenengel-in-friedrichshain/

Er hat keine Ahnung, was falsch gelaufen sein könnte. Wir sind das Prozedere wieder und wieder durchgegangen. Der Apparat wurde vorschriftsmäßig aufgebaut und in Betrieb genommen, die Dekontamination der Schutzengel erfolgte entsprechend den Standards. Die Truppe macht das schon seit 2000 Jahren und es hat bisher immer reibungslos funktioniert!“

„Was sagt der Leiter dazu?“

„Er hat auch keine Ahnung. Er war so verzweifelt, dass er seinen Rücktritt angeboten hat! Den konnte ich nicht annehmen. Er hat sich ja kein erkennbares Fehlverhalten zu Schulden kommen lassen.“

„Und sonst hat auch keiner eine Idee, warum es nicht geklappt hat?“

„Nein. Und an weiteren Spekulationen bin ich nicht interessiert. Das letzte, was ich gebrauchen kann ist, dass die Geschichte im fünften Chor herumgetratscht wird. Ich habe allen beteiligten Engeln eingeschärft, dass das Scheitern der Mission absoluter Geheimhaltung unterliegt. Wenn das die Runde macht, bin ich auch noch mit einer existentiellen Sinnkrise sämtlicher Gnadenengel konfrontiert! Mir reichen schon die emotionalen Zusammenbrüche im dritten und vierten Chor! Was für ein totaler Scheiß!“

Vor sich hin brütend starrte Gabriel an den prächtigen Stuck der Zimmerdecke von Marias Wohnzimmer.

Die zuckte erschrocken zusammen, als der Erzengel mit einem Mal aufsprang. „Es hilft nichts! Ich muss nach Friedrichshain“

Maria zog die Augenbrauen hoch: „Du willst nach Berlin? Im Ernst?“

„Was bleibt mir anderes übrig? Ich muss unbedingt erfahren, was mit den Schutzengeln dort los ist! Ich werde einem kontaminierten Engel Gnade spenden und dann sehe ich ja, ob sie wirkt. Wenn ja, ist es gut, dann schicke ich noch mal einen Trupp Gnadenengel und der Spuk hat ein Ende.“

„Und wenn nicht?“

„Dann habe ich ein ernsthaftes Problem.“

Damit eilte Gabriel zur Wohnungstür.

Höllische Pläne

Luzifer triumphiert – während Proserpina ihre eigenen Pläne mit seiner Magie verfolgt…

Aus: „Engel. Eine bedrohte Art.“ von Malcolm Godwin.

Selbst während einer ganz gewöhnlichen Dienstagnacht herrschte im zweiten Stock von Luzifers Hinterhaus ausgelassene Partystimmung. Im zuckenden Licht der Discostrahler wanden sich ekstatische Schutzengel auf der überfüllten Tanzfläche.

Luzifer schob sich durch die Menge und hielt dabei Ausschau nach Beelzebub. Der stand, mit einem Glas Wodka in der Hand, in einer Ecke und stierte vor sich hin. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Luzifer postierte sich neben ihm, schlug ihm auf die Schulter und schrie ihm über die Techno-Beats hinweg ins Ohr: „Super Job, Beelzebub!“

„Kein Problem. So war es vereinbart.“

Luzifer lehnte sich an die Wand und ließ genüsslich die Szene von heute Nachmittag Revue passieren. „Suriyel war total fertig! https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Da hat er bei den Mächten des fünften Chores um die Gnadendusche gefleht, und dann ging es in die Hose! Und er stand wie der letzte Idiot mit seinen dämlichen heulenden Schutzengeln vor dem Tor und kam nicht hinein! Damit hatte er nicht gerechnet, der alte Spießer!“ https://www.water-runs-east.eu/streit-unter-erzengeln/

Beelzebub nickte abwesend, lehrte sein Glas und gähnte demonstrativ. „War ein langer Tag. Ich muss ins Bett. Wir sehen uns morgen.“ Damit drehte er sich um und eilte zum Ausgang.

Luzifer sah ihm stirnrunzelnd nach. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

Im Treppenhaus nahm Beelzebub nicht den Weg hoch in sein Schlafzimmer, sondern lief – nachdem er kontrolliert hatte, dass er unbeobachtet war – zwei Stockwerke hinunter zur Haustür. Im Hinterhof transformierte er zum schwarzen Kater und machte sich auf den Weg zum Buddhistischen Zentrum.

Die magere schwarze Katze schob sich durch die Gitterstäbe des Tores. „Da bist du ja endlich! Ich warte schon seit einer Ewigkeit!“ https://www.water-runs-east.eu/proserpina/

Beelzebub tänzelte nervös auf seinen Pfoten. „Wie schaffst du es nur, da reinzukommen? Die Energie ist unterträglich!“ https://www.water-runs-east.eu/energy-2/

Poserpina setzte sich und ließ ihre Schnurrhaare vibrieren. „Es mangelt dir an Gefühl für Nuancen, Beelzebub. Das war schon immer dein Grundproblem! Im Buddhistischen Zentrum laufen nicht nur Erleuchtete und vollkommene Engel herum. Irgendjemand sondert dort drin immer Neid, Wut, Gier oder Hass ab. Es geht darum, sich auf den exakten Energielevel des negativen Gefühls einzuschwingen! Denn derjenige, der gerade dieses Gefühl in sich trägt, öffnet mir die Tür und rollt mir den roten Teppich aus.“ Prosperina begann, genüßlich eine ihrer Vorderpfoten zu lecken. „Und ich lächle freundlich und trete ein! So einfach ist das.“

Beelzebub nickte ergeben. Es war ja klar gewesen, dass die positive Energie des Buddhistischen Zentrums, die für ihn ein unüberwindliches Hindernis darstellte, für Proserpina ein Klacks war.

Die wechselte das Thema: „Was spricht Luzifer?“

„Er triumphiert! Dass Suriyel wegen ihm im Himmel um Unterstützung betteln musste und die Gnadenengel die verfluchten Schutzengeln nicht erlösen konnten, geht ihm runter wie Öl!“ https://www.water-runs-east.eu/gnade-2/

Proserpina kniff ihre gelben Augen zusammen. „Wir müssen herausfinden, wie Luzifer das anstellt!“

„Warum?“

„Weil das der Schlüssel zur Macht ist, Du Idiot! Seit 2000 Jahren halten mich diese beschissenen Gnadenengel ständig von meiner Arbeit ab. Was hilft es mir, dass ich Heerscharen von Dämoninnen und Teufelinnen befehlige, wenn mir bei jeder Vergewaltigung, jedem abgestorbenen Fötus, jeder Todgeburt und jedem plötzlichen Kindstod die Gnade des Himmels dazwischen kommen kann? Auf Schritt und Tritt müssen meine Dienerinnen mit dem vermaledeiten fünften Chor rechnen! Mit Luzifers Magie wäre es ein für alle Mal aus damit!“

Die schwarze Katze rieb ihren Kopf am Hals des Katers und sah ihm danach tief in die Augen: „Und wir beide wären die Herrscher der Hölle!“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

Streit unter Erzengeln

Erzengel Gabriels Bemühen um die Schutzengel von Berlin-Friedrichshain bringt ihr Ärger mit einem Kollegen ein…

Am Dienstag um zehn Uhr vormittags platzierte der Vorzimmerengel einen Zettel auf den Schreibtisch seiner Chefin und verschwand wieder. https://www.water-runs-east.eu/gabriel/

Erzengel Gabriel legte einen Stapel Einsatzberichte zur Seite und überflog die Notiz: Die von ihr gestern Abend ausgesandten Gnadenengel des fünften Chores hatten weisungsgemäß Stellung in Berlin-Friedrichshain bezogen. Die Reinigungsvorrichtung wäre in einem leerstehenden Ladengeschäft schräg gegenüber des Buddhistischen Zentrums aufgebaut worden, las sie. Bis Mittag würde das Viertel nach kontaminierten Schutzengeln durchkämmt, danach solle zügig mit der Gnadendusche begonnen werden. https://www.water-runs-east.eu/gnade-2/

Der Vorzimmerengel riss Gabriel aus ihren Gedanken: In zwanzig Minuten stünde der monatliche Termin des Gremiums der Gnadengesuche an. Wenn sie pünktlich im fünften Chor sein wolle, müsse sie jetzt aufbrechen!
Als Gabriel, einen dicken Ordner in der Umhängetasche, aus ihrem Büro hastete, hatte sie die von Luzifer übertölpelten Schutzengel von Berlin-Mitte bereits wieder vergessen. https://www.water-runs-east.eu/der-pakt/

Gabriel war mit dem Management ihrer Heerschar von Engeln aus dem dritten und vierten Chor komplett ausgelastet.

Trotzdem musste sie auch bei den Mächten des fünften Chores Führungsverantwortung übernehmen. So schön es war, neben all dem banalen Alltagskram auch noch für Wunder und Wohltaten zuständig sein zu dürfen: Im Grunde war es ihr zu viel.

Glücklicherweise teilte sie sich den Job mit Erzengel Rafael. Die beiden hatten die pragmatische Lösung gefunden, dass er für alle männlichen Gnadensuchenden, Gabriel dagegen für alle weiblichen zuständig war.

Bis vor 2100 Jahren hatte noch ein dritter Erzengel zur Gnadenkommission gehört: Luzifer.
Bevor er gegen den Allmächtigen rebellierte und – nach seiner Niederlage – des Himmels verwiesen wurde, war er der Leiter der Gnadenkommission gewesen. In seinen Händen hatte die letztendliche Entscheidung über alle besonders schwierigen und moralisch grenzwertigen Gnadengesuche gelegen.

Gabriel konnte sich noch gut daran erinnern, wie beeindruckt sie immer wieder von Luzifers messerscharfer Analyse und seinem klugen Abwägen gewesen war.
Seit er weg war, lief es irgendwie nicht mehr richtig rund in der Gnadenkomission, fand Gabriel.
Und dass es extrem anstrengend für die verbliebenen Erzengel war, seit 2100 Jahren die zahlreichen Verpflichtungen von Luzifers dauerhaft vakanter Führungsposition nebenher erledigen zu müssen, gehörte auch zur bitteren Wahrheit.

Um zwei Uhr Nachtmittags versuchte Gabriel vergeblich, ein Gähnen zu unterdrücken. Neben ihr bohrte Erzengel Raphael gelangweilt die Spitze seines Kugelschreibers durch die Ecke der Liste, auf der die Gnadensuchenden aufgeführt waren. Die war dieses Mal besonders dick: Vor sieben Uhr abends würden sie damit auf keinen Fall durch sein.

Im großen Konferenzraum des fünften Chores waren – wie jeden Monat – etwa dreißig Engel der Leitungsebene versammelt, um gemeinsam über die Gnadengesuche zu entscheiden. An der Stirnseite des Raumes hatte sich ein graugelockter Engel neben einem Whiteboard postiert und referierte Namen, Daten und Qualifikationskritierien der Antragsteller. Wenn er mit einem durch war, bat er um Handzeichen.

Erforderlich für die Gewährung von Gnade waren immer fünfundsiebzig Prozent der Stimmen – das schafften nicht viele. Gnade war eben kein Massenprodukt. Zumindest nicht für Menschen. Bei Engeln sah es ein bisschen anders aus.

Auf einmal wurde Gabriel von einer Stimme in ihrem linken Ohr aus dem Halbschlaf gerissen. „Was fällt Dir ein, Dich in meine Angelegenheiten zu mischen?!!!“ Sie wäre vor Schreck beinahe vom Stuhl gekippt!

Gott hatte, als er seine Erzengel erschuf, einen Strom reinsten Äthers mit einer speziellen Mischung Sternenstaub vermengt. Da alle Erzengel aus Materialien gleichen Ursprungs geschaffen waren, verband sie ein besonderes Band. So war es ihnen möglich, lautlos miteinander zu kommunizieren. Das hatte sich über die Jahrtausende in brenzeligen Situationen immer wieder als nützliche Sache erwiesen. Allerdings galt – jenseits akuter Krisen – die unausgesprochene Regel, dass angefragt wurde, bevor die Erzengel-Kollegen auf diese Weise Kontakt miteinander aufnahmen.

Gabriel murmelte Rafeal eine Entschuldigung ins Ohr, schob ihm das ausgefüllte und unterschriebene Formblatt mit ihrem Stimmrecht zu, und eilte in den Flur.

Nachdem sie die Tür des Konferenzraumes hinter sich geschlossen hatte, antwortete sie lautlos: „Suriyel?“ https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

„Es ist doch immer das Selbe mit Dir: nie hältst Du Dich an die Regeln! Ich habe Dich nicht darum gebeten, dass Du Dich in meine Angelegenheiten einmischt! Ist das klar?“

Das Dröhnen seiner Stimme liess Gabriel erschrocken zusammenfahren. „Ich höre Dich, Suriyel! Kannst Du bitte etwas leiser sprechen?“

Es kostete Suriyel hörbar Mühe, seine Stimme zu dämpfen. „Deine unausgegorene Aktion sorgt dafür, dass ich gerade mit dreißig tropfnassen, verzweifelten Schutzengeln am Tor des Buddhistischen Zentrums stehe! Und dabei will ich hier nicht auffallen! Wie soll ich vernünftig meine Arbeit tun, wenn Du mir ständig dazwischen funkst?“

„Warum geht ihr nicht einfach rein?“

„Weil es nicht geht! Die Schutzengel kommen nicht über die Schwelle – wie gehabt! Deine alberne Gnadendusche ändert überhaupt nichts daran! Jetzt sind sie bitter enttäuscht, schreien und heulen hier herum und locken mit dem Krach die ganze Nachbarschaft herbei! Und das alles, weil Du mich, wie üblich, vorher nicht um Erlaubnis gefragt hast! Es ist doch immer das Selbe mit Dir!“

„Aber Uriel hatte mich doch…“ https://www.water-runs-east.eu/der-pakt/

Es war zu spät: Suriyel war bereits aus Gabriels Kopf verschwunden.

Gnadenengel in Friedrichshain!

Die von Erzengel Gabriel nach Berlin-Mitte entsandten Gnadenengel machen sich in der Nähe des Buddhistischen Zentrums ans Werk…

Als Beelzebub neben Proserpina auf die Straße trat, war es bereits nach elf Uhr Abends. https://www.water-runs-east.eu/prosperina/

Hinter der Häuserzeile jaulte ein Martinshorn kurz auf und wurde rasch wieder leiser. Der Krankenwagen, der die Friedrichstraße entlang jagte, entschwand in Richtung Fernsehturm. Irgendwo jenseits des Boxhagener Platzes wurde gefeiert: Lautes Rufen und Kreischen hallte durch die Nacht.

Das Dämonenpaar lief eine ruhige Seitenstraße entlang. Hinter einem Bauzaun glänzte die goldene Kuppel einer Stupa im fahlen Laternenlicht. https://www.water-runs-east.eu/energy-2/

Beelzebub wollte gerade die Straße überqueren und auf das verschlossene Eingangstor des Buddhistischen Zentrums zusteuern, als ihn Proserpina am Arm packte.

„Da steht ein Engel!“ Sie wies mit dem Kinn an das andere Ende der Straße.

Beelzebub folgte ihrem Blick und entdeckte einen weiß gekleideten Mann vor einem Eckladen. „Das ist doch kein Engel!“

„Du hast wieder mal Tomaten auf den Augen! Klar ist das ein Engel! Fünfter Chor! Definitiv einer von den Mächten! Was macht ein Gnadenengel kurz vor Mitternacht in Berlin-Friedrichshain? Hier stinkt doch irgendwas zum Himmel!“ https://www.water-runs-east.eu/gnade-2/

Proserpina bohrte Beelzebub ihre langen Fingernägel in den Arm und zog ihn hinter sich her über die Fahrbahn. Gebückt schlichen die beiden am Buddhistischen Zentrum vorbei und gingen hinter einem parkenden Wagen in Deckung. Auf der gegenüberliegenden Seite stand immer noch der rundliche, weiß gekleidete Mann und ließ seinen Blick suchend die Straße hinauf und hinunter wandern.

Scheinwerfer strichen über Gehweg und Straße. Proserpina und Beelzebub drückten sich mit eingezogenen Köpfen gegen das Auto und beobachteten durch die Seitenscheiben, wie ein weißer Transporter etwa 50 Meter von ihnen entfernt zum Stehen kam.

Der Weißgekleidete trat aus dem Eingang des Ladengeschäfts auf die Straße und winkte. Der Sprinter setzte sich wieder in Bewegung und kam direkt vor ihm zum Stehen.

Dass die beiden langhaarigen Gestalten, die aus dem Fahrzeug sprangen, Engel waren, erkannte auch Beelzebub. „Du hast recht! Was machen die hier?“

Proserpina verdrehte neben ihm den Hals. „Sicher nichts dämonisches! Das ist alles fünfter Chor! Ich muss näher ran!“

Zwei Sekunden später schob sich eine magere schwarze Katze mit leuchtend gelben Augen unter dem parkenden Auto hindurch. In einem kurzen Sprint überquerte sie die Fahrbahn.

Im Schatten der Hauswand schlich Proserpina bis auf wenige Meter an das Ladengeschäft heran. Seine verstaubten, teilweise mit Plakaten beklebten, Fenster ließen nur den Schluss zu, dass es schon seit längerem leer stand.

In der offenen Tür flüsterte der Weißgekleidete mit den beiden Neuankömmlingen. Proserpina schlich noch ein paar Schritte näher und spitzte ihre Ohren.

„In der Zentrale wussten sie nicht, um wie viele Schutzengel es sich handelt. ‚Mindestens hundert‘, hieß es. Morgen früh kommt der Suchtrupp, wann genau, erfahren wir noch. Bis dahin müssen wir die Vorrichtung aufgebaut haben.“ https://www.water-runs-east.eu/der-pakt/

Die beiden Engel nickten, eilten zum Transporter, entluden Metallteile und trugen sie in das Innere des Hauses. Nach ein paar Minuten tauchte der dritte Engel auf und half ihnen dabei. Innerhalb kurzer Zeit war der Transporter leer. Einer der Engel sprang auf den Fahrersitz und fuhr davon, während die anderen beiden die Ladentür hinter sich zuzogen und ins Innere verschwanden.

Proserpina, die auf die beiden matt erleuchteten Schaufenster starrte, zuckte zusammen, als auf einmal ein großer schwarzer Kater neben ihr auftauchte. „Und?“

„Geh zu Luzifer und sag ihm, dass drei Gnadenengel im Viertel sind. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/ Sie bauen irgend etwas für die Schutzengel auf und rechnen mit mindestens hundert. Morgen früh kommt noch ein Suchtrupp, genaue Ankunftszeit ist nicht bekannt.“

Beelzebub nickte.

„Und sag ihm auf keinen Fall, dass ich hier bin! Er soll glauben, Du hast alles alleine herausgefunden!“

Beelzebub nickte wieder. Das konnte ihm nur recht sein. https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

„Ich suche mir irgendwo ein billiges Hotel. Kontaktiere mich morgen früh, wenn Du weißt, was hier los ist!“ Damit huschte die magere schwarze Katze in die Seitenstraße und verschwand.

Der große schwarze Kater drehte sich um, überquerte die Straße, lief am Bauzaun des Buddhistischen Zentrums vorbei, bog an der Kreuzung nach rechts ab und nahm wieder menschliche Gestalt an.

Als Beelzebub zwei Straßen weiter die Haustür eines unsanierten Hinterhauses aufstieß, empfingen ihn dröhnende Techno-Beats. Die Party im zweiten Stock von Luzifers Höllenreich war wieder einmal in vollem Gange… https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Proserpina

Beelzebub – überwältigt von der positiven Energie des Buddhistischen Zentrums in Berlin-Friedrichshain – sieht sich gezwungen, die Dämonen-Königin Proserpina zur Hilfe zu rufen.

Am Montagabend gab Beelzebub auf. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Über sechs Tage war es ihm nicht gelungen, auch nur einen Fuß auf das Gelände des Buddhistischen Zentrums zu setzen! Drinnen fand irgendeine Veranstaltung statt: Das Zentrum vibrierte vor Energie! https://www.water-runs-east.eu/energy-2/

Er war sich vorgekommen wie ein kompletter Vollidiot, während er – auf dem Gehweg herumlungernd – verzweifelt durch die Gitterstäbe des Tores stierte.

Menschen, Schutzengel und Lamas wanderten hinein, Menschen, Schutzengel und Lamas wanderten hinaus – aber ihm als Dämon blieb der Zugang versperrt. Und dabei hatte er sämtliche Formen angenommen, die ihm eingefallen waren! Weder als Fliege, noch als Spinne gelangte er über die Mauer. Danach hatte er es – inspiriert von Luzifer – als schwarzer Kater versucht. Ebenfalls ohne Erfolg. Er war sämtliche menschliche Ethnien durchgegangen, hatte all seine Wettergott-Energien aktiviert – vergebens.

Als die Abendsonne hinter dem Fernsehturm versank, war er mit seinen Kräften und seiner Weisheit am Ende.

Beelzebub musste sich eingestehen, dass er nur zwei Möglichkeiten hatte: Er konnte Luzifer darüber informieren, dass er gescheitert war. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

Oder er konnte Proserpina um Hilfe bitten.

Beide Optionen waren unerfreulich – um es Milde auszudrücken.

Option eins ging mit der nicht zu unterschätzenden Gefahr des Statusverlusts einher. Die Häme über sein Versagen würde keine Grenzen kennen! Beelzebub ließ im Geist seine zahllosen Feinde und Widersacher Revue passieren. Der eine oder andere von ihnen würde das als willkommene Einladung betrachten, ihn kalt zu stellen. In der Vorstandsetage des Reiches der Finsternis ging es hart zur Sache. Ein Fehltritt genügte, und man war zum Abschuss freigegeben.

Option eins kam deshalb nicht in Frage.

Blieb Option zwei: Proserpina. Wenn irgendjemand aus den neun Bereichen der Hölle in der Lage war, in dieses Zentrum zu kommen, dann sie!

Beelzebub stöhnte innerlich auf. Da hatte er sich auf den Deal, Erzengel Suriyel zu überwachen, eingelassen, um einmal in fünfhundert Jahren ungestört seinen Spaß haben zu können – und dann blieb ihm schon nach sechs Tagen keine andere Wahl, als die Königin der Dämonen nachkommen zu lassen. Das konnte doch alles nur ein Witz sein! https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Es half nichts, ermahnte er sich. Entweder Proserpina oder der sichere Untergang.

Mit diesem Gedanken stieg er, zwei Straßen vom Buddhistischen Zentrum entfernt, die Treppen in den vierten Stock zu Luzifers Loft hoch. Der war nicht Zuhause, stellte Beelzebub erleichtert fest. Was jetzt kam, sollte der Höllenkollege nicht mitbekommen.

Wie es sich für einen Teufel gehörte, verfügte Luzifers großzügiger Wohnbereich über einen offenen Kamin. In einer Mauernische waren dekorativ Holzscheite gestapelt. Beelzebub schichtete ein paar davon in der Feuerstelle auf, konzentrierte sich und blies kräftig hinein. Aus seinem Mund schoss ein Flammenstrahl, der das trockene Holz explosionsartig in Brand setzte.

Beelzebub griff sich an den Kopf, riss aus seiner dicken schwarzen Lockenmähne drei Haare heraus, und warf sie – einen Zauberspruch vor sich hin murmelnd – ins Feuer. Danach stand er schnell auf und entfernte sich ein paar Schritte vom Kamin.

In sicherem Abstand starrte er in die zuckenden Flammen. Nach ein paar Sekunden begann sich zwischen den glühenden Scheiten Rauch zu sammeln. Der wurde dicker und dicker, dehnte sich immer mehr aus, bis er die ganze Feuerstelle ausfüllte. Plötzlich bewegte sich der Rauch – während er wild um die eigene Achse wirbelte – wie eine Säule aus dem Kamin heraus. Vor Beelzebubs Augen nahm er in rasender Geschwindigkeit menschliche Formen an, wurde in wildem Tanz immer kompakter – bis schließlich eine drahtige Frau mit langem dunklen Haar und harten Gesichtszügen vor ihm stand.

Ihre Augen huschten durch das Loft und blieben am Dämon hängen. „Beelzebub, Du Idiot!“, fuhr sie ihn an. „Wo treibst Du Dich wieder herum?“

„Berlin-Mitte“, brummte der.

„Und wem gehört die Wohnung? Das kann ja wohl kein Dämon sein, so wie es hier aussieht!“ Proserpina verzog beim Anblick der roten Hochglanz-Küchenfront und der Desingermöbel angewidert das Gesicht.

„Luzifer.“

„Luzifer?“ Proserpina spuckte den Namen regelrecht aus. „Was willst Du ausgerechnet bei diesem Lackaffen?“

„Hör zu, Schatz…“

Proserpina schnaubte vernehmlich durch die Nase. „Komm mir nicht damit, Beelzebub! Ich weiß genau, warum Du hier gelandet bist, Du alter geiler Esel! Hältst Du mich für bescheuert?“

Das tat Beelzebub ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Deshalb war er immer um Diskretion bemüht. Der schönste Fick war den Ärger nicht wert, wenn Prosperina etwas davon mitbekam.

Aber jetzt half es nichts. „Ja, Du hast völlig recht. Es tut mir leid!“

„Es tut Dir leid?“ Proserpina verdrehte die Augen. „Du bist sogar zu blöd zum Lügen, Beelzebub! Das hat Dir noch nie leid getan. Erspar mir Dein Geseier! Was ist los?“

Beelzebub holte tief Luft und machte reinen Tisch. Er erzählte alles: inklusive der Schutzengel in seinem Schlafzimmer. Das interessierte Proserpina nicht mehr im geringsten, als sie die Dimension des Problems erkannt hatte: „Das darf niemand in der Hölle erfahren! Unser Ruf wäre komplett ruiniert!“

Wenn es irgendetwas gab, was Proserpina heilig war, dann war es ihr Status als Königin der Dämonen. Der an ihren Status als Gefährtin des Kanzlers des Ordens der Fliege gekoppelt war. https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

Beides war gerade durch Beelzebubs Unfähigkeit akut bedroht. Sie war durch ihn in die höchsten Ränge der Hölle aufgestiegen – sie würde mit ihm fallen.

„Wo ist dieses verfluchte Zentrum?“

„Da willst Du jetzt noch hin?“

„Ich gehe da rein! Sofort! Am Ende ist irgendwas passiert, während Du Idiot ahnungslos vor der Tür herumgelungert bist. Wir brauchen Kontrolle!“

Gnade

Erzengel Gabriel siniert beim Abendessen mit der Jungfrau Maria darüber, wie den gefallenen Schutzengeln von Berlin-Mitte geholfen werden kann…

Geistesabwesend sperrte Erzengel Gabriel die Bürotür hinter sich ab. https://www.water-runs-east.eu/gabriel/

Sie steckte den Schlüssel ein und wandere zur Wohnung am anderen Ende des langen Flurs. Nur Sekunden, nachdem sie den Klingelknopf gedrückt hatte, wurde ihr auch schon geöffnet.

In der Tür stand – in strahlender Schönheit – die Gottesmutter Maria. „Das Essen ist schon seit einer Stunde fertig!“ https://www.water-runs-east.eu/maria/

Gabriel folgte ihr auf den Balkon und ließ sich am gedeckten Tisch nieder. „Es tut mir leid. Gerade als ich Schluss machen wollte, kam noch mal ein Notfall rein.“

Während Maria Gemüseauflauf auf zwei Teller verteilte und die Wassergläser füllte, ließ Gabriel den Blick in die Ferne schweifen. Um sie war nichts als strahlendes Licht. Irgendwo hoch über ihnen erklang der monotone Gesang der Cherubime und Seraphime. Tief unter ihnen erstreckte sich ein weißer Wolkenteppich bis zum Horizont.

Es war wunderschön – und komplett monoton. In den neun Chören der Engel gab es weder Dämmerung noch Nacht. Seit 4000 Jahren war Erzengel Gabriel bei jedem Blick aus dem Fenster exakt mit dem selben Ausblick konfrontiert.

„Uriel hat mich heute kontaktiert.“ https://www.water-runs-east.eu/uriel/

Maria, die Gabriel gegenüber im Gemüseauflauf stocherte, hob erstaunt den Blick. „Was wollte er denn?“

„Suriyel hat ein Problem mit Luzifer. So wie ich Uriel verstanden habe, lockt Luzifer Suriyels Schutzengel auf wilde Parties. Sobald sie die Schwelle zu seinem Reich übertreten haben, gehen sie unwissentlich einem Pakt mit dem Teufel ein. Und Suriyel hat keine Ahnung, wie er sie davon erlösen kann.“ Gabriel nahm einen Schluck Wasser. „Uriel hat mich gefragt, ob ich den Schutzengeln Gnade spenden kann, damit sie aus dem Pakt wieder rauskommen.“ https://www.water-runs-east.eu/der-pakt/

Maria runzelte die Stirn. „Was hat Uriel mit den Schutzengeln zu tun?“

„Nichts. Er ist mit Suriyel befreundet.“

„Und warum fragt der Dich nicht selbst?“

Gabriel schmunzelte: „Du kennst Suriyel nicht, oder?“ https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

„Nein. Ich kann mich nicht entsinnen, ihn schon mal getroffen zu haben.“

„Reden gehört nicht zu Suriyels Stärken.“

„Uriel kann das gut.“ Maria war zwar nie Erzengel Suriyel begegnet. Dafür kannte sie Erzengel Uriel um so besser.

Maria war gerade einmal vierzehn Jahre alt gewesen, als sie mit dem Gottessohn geschwängert wurde. Um den Schutz von Mutter und Kind zu gewährleisten, hatte der Allmächtige Erzengel Uriel nach Nazaret in Galiläa entsandt. Dort materialisierte er sich, auf den Befehl Gottes hin, als bescheidener Zimmermann namens „Josef“ und heiratete die schwangere Maria.

Bis Jesus aus dem Gröbsten raus war, fungierte Erzengel Uriel, getarnt als biederer Handwerker, als treuer Ehemann und guter Stiefvater.

Es hatte seinen tieferen Grund, warum Gott ausgerechnet den Erzengel, der für Mystik und Magie zuständig war, ausgewählt hatte, das Himmlische Kind und seine Mutter zu beschützen.

Während der Jahre, in denen Uriel die Veranwortung für Maria und Jesus trug, war er bis an die Grenzen seiner magischen Fähigkeiten gefordert gewesen, die Mächte der Hölle davon abzuhalten, den beiden Schaden zuzufügen.

Die überstürzte Flucht nach Ägypten kurz nach Jesus Geburt war der Höhepunkt seines Kampfes gegen die bösen Mächte gewesen. Quer durch die Wüste mit einer Frau im Wochenbett auf einem störischen Esel, dazu ein Neugeborenes und um ihn sämtliche Dämonen und Teufel der Hölle – etwas so krasses hatte Uriel weder vorher, noch nachher in seinen 4000 Jahren als Erzengel erlebt.

Als Jesus zwölf Jahre alt war, verfügte er über genug Magie, um sich selbst gegen die Mächte der Hölle schützen zu können. Deshalb hatte der Allmächtige Erzengel Uriel von seinem Posten abgezogen und ihm wieder seine gewohnte Aufgabe zugewiesen: Die Erforschung von Mystik und Magie zum Wohle aller lebenden Wesen.

Das war inzwischen 2000 Jahre her. Aber seit dieser gemeinsam verbrachten Zeit waren sich Maria und Uriel sehr zugetan.

Während Maria an Uriel dachte, kreisten Gabriels Gedanken um Suriyel.

„Niemand kann einen Pakt mit dem Teufel eingehen, ohne das wirklich zu wollen. Das verstößt gegen alle göttlichen Regeln! Suriyel muss irgend etwas falsch verstanden haben.“

„Vielleicht ist Luzifer einfach besonders geschickt?“ https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

„Der ist ein Schlaumeier vor dem Herrn! Aber gegen die Gratia Habitualis kann er nichts ausrichten. Die Anlage zum Guten ist ein Geschenk Gottes. Und die Schutzengel wurden besonders großzügig ausgestattet, damit sie ihren Job ordentlich erledigen können.“

Gabriel schob ihren Teller zur Seite, griff nach dem Tabackpäckchen und begann, sich eine Zigarette zu drehen. „Die eherne Regel lautet, dass es nicht möglich ist, in der Hölle zu landen, wenn Du da nicht hin möchtest. Genauso wenig, wie Du es schaffst, in den Himmel zu kommen, wenn das nicht Dein Ziel ist.“

Sie ließ sich von Maria Feuer geben. „Ergo können die Schutzengel keinen dauerhaft bindenden Pakt mit dem Teufel eingehen, wenn sie nicht in die Hölle wollen. Und schon garnicht bei der Menge an Gratia Habitualis, mit der sie ausgestattet sind.“

Maria wiege den Kopf: „Schutzengel bestehen zu neunzig Prozent aus Materie und nur zu zehn Prozent aus Äther. Das macht sie verführbar.“

Gabriel seufzte. „Exakt. Ich fand schon immer, dass sie eine Fehlkonstruktion sind.“

Maria begann ebenfalls, sich eine Zigarette zu drehen. „Aber dass man unwiderruflich verdammt ist, nur weil man auf eine wilde Party geht, habe ich noch nie gehört.“

Gabriel nickte. „Genau. Das läuft auf alle Fälle unter ‚Sünde‘ und nicht unter ‚Pakt mit dem Teufel‘. Alles andere wäre einfach nur albern. Die Hölle wäre überfüllt und der Himmel komplett leer, wenn man solche Maßstäbe ansetzen würde.“

Maria kicherte: „Johannes wäre ganz alleine hier!“ Ihrer Ansicht nach gab es keinen Heiligen, der so moralinsauer war wie ihr Großneffen, Johannes der Täufer.

Gabriel nahm noch einen Zug von ihrer Zigarette. „Suriyel müsste es eigentlich auch ohne meine Hilfe schaffen, den Fluch zu brechen. Für was ist er ein Erzengel? Aber egal. Ich schicke ihm morgen eine Truppe Gnadenengel. Die sollen vor diesem Buddhistischen Zentrum in Berlin-Friedrichshain eine Gnadendusche aufbauen und alle kontaminierten Schutzengel darunter stellen und ordentlich abschrubben. Damit müsste sich das Problem erledigt haben.“

Maria

Maria lebt unter den Heerscharen des Dritten Chores. Sie ist deshalb eine Nachbarin von Erzengel Gabriel. Und ihre beste Freundin…

Maria ist die „Mutter Gottes“ und die oberste Heilige der christlichen Kirche.

Gott bestand deshalb darauf, die Mutter seines einzigen Sohnes im ersten Chor, der nur aus Licht und Musik besteht, einzuquartieren.

Nach Marias Ankunft im Himmel präsentierte ihr der Allmächtige eine phantastische Zimmerflucht im Herzen des Universums.

Maria wusste schon nach fünf Minuten Wohnungsbesichtigung, dass sie sich bei den Seraphimen und Cherubimen zu Tode langweiligen würde.

Aus diplomatischen Gründen war sie gezwungen gewesen, Christus zu seinem Vater zu schicken, auf das der ihm diese Botschaft so schonend als möglich nahe brachte.

Es hatte ein ziemliches Drama gegeben, aber am Ende war es Maria erlaubt worden, sich in einem Loft in der obersten Etage des dritten Chors häuslich einzurichten.

Wie es der Zufall wollte, war sie nach ihrem Umzug aus dem ersten Chor die direkte Nachbarin von Erzengel Gabriel. Die bewohnte, gleich neben ihrem Büro, eine kleine Dachwohnung. https://www.water-runs-east.eu/?p=4183&preview=true

Maria und Gabriel kannten sich zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile.

Die Gottesmutter kann sich noch gut daran erinnern, wie sie beinahe der Schlag getroffen hatte, als sich auf einmal diese große leuchtende Frau mit den dicken dunklen Locken und den strahlend blauen Augen in ihrer winzigen Kammer materialisiert hatte.

Wenn ihr Gabriel nicht sofort so sympathisch gewesen wäre, hätte sie die Botschaft des Herrn, sie würde zeitnah als Jungfrau mit dem Gottessohn geschwängert werden, weniger gefasst aufgenommen.

Im Rückblick kam dann alles so, wie es kommen musste. Es waren harte Zeiten gewesen, keine Frage.

An Maria Himmelfahrt hatte sie dieses unerquickliche irdische Leben fluchtartig hinter sich gelassen.

Seitdem zog sie es vor, nicht viel über ihre Vergangenheit nachzudenken.

Nur, dummerweise fühlte sie sich auch nach fast zweitausend Jahren im Himmel nicht wirklich Zuhause.

Gut, sie hatte ihren Sohn. Er war ihr Augenstern. Nur war der ständig beschäftigt und hielt sich für gewöhnlich zur Rechten seines Vaters auf. Er fand nur selten Zeit, sich in den dritten Chor herabzubegeben, um seine Mutter zu besuchen.

Selbst mit den, von ihr eigenhändig zubereiteten, Lieblingsspeisen seiner irdischen Kindheit konnte Maria ihn nur alle paar Wochen in ihr Loft locken.

Sie hatte natürlich Verwandtschaft in der Heiligensektion des dritten Chores. Sie besuchte dort regelmäßig ihre Mutter Anna, ihre Cousine Elisabeth und ihren Großneffen Johannes.

Wenn sie ehrlich mit sich war, fühlte sie sich bei jedem ihrer Besuche unwohl. Und dabei war es nicht so, dass sie ihrer Familie nicht von Herzen zugetan wäre. Im Gegenteil!

Nur verhielt die sich leider immer etwas seltsam.

Was Johannes bei Kaffeekränzchen von sich gab, war selbst für hartgesottene Heilige verstörend! Seine Mutter Elisabeth war – man konnte es nicht anders sagen – genauso gaga wie ihr Sohn!

Und ihre eigene Mutter jammerte für gewöhnlich zwei Stunden am Stück durch, und war extrem gut darin, ihrer einzigen Tochter ein schlechtes Gewissen einzureden.

Das machte jedes Familientreffen zur Tortur. Hinterher musste sich Maria immer zwei Wochen erholen, weil sie sich so ausgelaugt fühlte.

Mit den anderen Heiligen des dritten Chores lief es nicht viel besser. Sie kannte ein paar näher, aber befreundet war sie mit niemanden.

Das verhinderte ihre Status. Und ihre Schönheit.

Zuverlässig verliebten sich früher oder später alle männlichen Heiligen in sie. Was alle weiblichen Heiligen extrem eifersüchtig machte.

Mit dem Ergebnis, dass es auf jeder Party Ärger gab.

Die einzige, mit der sich Maria seit zweitausend Jahren uneingeschränkt gut verstand, war Erzengel Gabriel.

Der Pakt

Uriel erfährt durch Suriyel von einem teuflischen Pakt, mit dem Luzifer die Schutzengel von Berlin-Mitte außer Gefecht setzt…

Suriyel sah fertig aus!

Berlin-Mitte war aber auch ein hartes Pflaster. Dazu noch die Aufgabe, eine Heerschar strauchelnder Schutzengel zu beaufsichtigen – Uriels Erzengel-Kollege war definitiv nicht um seinen Job zu beneiden. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Während er den Freund begrüßte, dankte Uriel im Stillen dem Allmächtigen dafür, dass der vor 4000 Jahren so gnädig gewesen war, ihm – als dem einzigen der Sieben – den Auftrag zu erteilen, seine unsterbliche Existenz der Erforschung von Mystik und Magie zu widmen. https://www.water-runs-east.eu/uriel/

Suriyel war der lebende Beweis dafür, dass man es als Erzengel schlechter treffen konnte.

Der sank mit einem tiefen Seufzer auf dieTerrassenbank und ließ den Blick über den in der späten Nachmittagssonne glänzenden Weiher gleiten. Hinter ihm rauschte der Mühlbach an der Hausmauer entlang. Am anderen Ende der großen Wiese leuchtete das Laub des Waldes in allen Herbstfarben.

Uriel trat zu ihm auf die Terrasse und reichte ihm ein gut gekühltes alkoholfreies Bier.

Suriyel nahm es dankbar entgegen und prostete dem Kollegen erschöpft zu: „Das tut gut, nach dieser Woche!“

Uriel setzte sich ihm gegenüber und nahm einen Schluck Wein: „Was war denn wieder geboten, in Deinem Chaos-Haufen?“

„Du wirst es nicht glauben: Beelzebub ist in Friedrichshain!“ https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

„Beelzebub? Der Herr der Fliegen?“ https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

„Genau der! Israfel hat es gestern von einem gefallenen Schutzengel erfahren, mit dem er immer noch befreundet ist. https://www.water-runs-east.eu/israfel/ Beelzebub ist bei Luzifer ins Gästezimmer gezogen und macht jede Nacht Party. Mit meinen Schutzengeln!“

„No good news!“

„Extremly bad news! Als ob Luzifer und seine Mannschaft nicht schon schlimm genug wären! Jede Woche gehen mir mindestens zwanzig Schutzengel flöten! Und wenn sie weg sind, sind sie weg!“

„Wieso kannst Du sie nicht zurückholen? Eine kleine Beichte und gut ist es? So nachtragend ist der Allmächtige doch normalerweise nicht mit dem neunten Chor! Mein Wissenstand ist, dass er inzwischen eingesehen hat, dass er selber schuld ist, weil er sie mit einem so hohen Anteil an Materie geschaffen hat. Kein Wunder, dass sie ständig vom Weg abkommen.“

„Das habe ich alles schon abgeklärt. Das Problem ist nicht, dass sie sich verführen haben lassen. Das ließe sich in der Tat unkompliziert lösen. Die Schutzengel gehen alle einen Pakt mit dem Teufel ein! Und danach ist es gelaufen, das weißt Du genausogut wie ich!“

„Die gehen freiwillig einen Pakt mit Luzifer ein? Ich hatte keine Ahnung, dass die dummen Dinger dermaßen korrumpierbar sind!“

„Sie wissen nicht, was sie tun! Aber der Pakt hat trotzdem Gültigkeit! Ich habe es mit allen Tricks und Mitteln versucht, aber ich habe keinen einzigen Schutzengel, der jemals auf einer von Luzifers Parties war, über die Schwelle des Buddhistischen Zentrums gebracht! Du solltest sie sehen, wenn ich es versuche! Sie kriegen Krämpfe und schreien wie von Sinnen, egal welche Magie ich anwende. Sie gehören definitiv Satan. Und das nach einer Party!“

„Das ist eine Katastrophe!“

„Du sagst es. Und Du kannst Dir vorstellen, wie es den Menschen in Berlin-Mitte ohne Schutzengel geht. Es war vorher schon Scheiße, aber jetzt ist es untragbar.“

„Hast Du schon Bericht erstattet?“ Uriel wies mit dem Kinn gen Himmel.

„Noch nicht. Ich wollte mich erst noch mit Dir besprechen. Der Allmächtige hat genug anderes um die Ohren. Und Berlin-Mitte steht auf seiner To-do-Liste nicht sehr weit oben.“

Uriel nahm einen Schluck Wein, während er nachdachte. „Woher weißt Du, dass die Schutzengel den Pakt unwissentlich eingehen?“

„Das ist das, was sie immer wieder erzählen. Sie werden mit wilden Versprechungen auf eine Party gelockt, feiern, saufen und werfen ein, was das Zeug hält. Hinterher tut es ihnen leid und sie wollen wieder in Gnaden aufgenommen werden. Aber, wie gesagt, es geht nicht. Sie sind verloren.“

„Irgendeine Idee, wie Luzifer das anstellt?“

„Ich kann nur raten. Aber es könnte etwas mit Dommiel zu tun zu haben.“

„Dommiel? Der Torwächter der Hölle? Den hat Satan nach Friedrichshain geschickt?“

„Definitiv. Israfel hat ihn erkannt. Er wollte letzte Woche zwei befreundete Schutzengel davon abhalten, auf eine Party zu gehen und ist mit ihnen in das Haus hinein und die Treppen hoch. Er ist sich sicher, dass er durch die offene Tür Dommiel im Flur hat stehen sehen. Israfel hat sich umgedreht und ist, was er konnte, wieder ins Buddhistische Zentrum zurückgerannt. Aber die beiden Schutzengel kamen am nächsten Tag nicht mehr durch das Tor. Sie waren völlig fertig!“

„Und die beiden haben nichts gemacht, außer gefeiert? „

„So haben die das erzählt. Es deckt sich mit den Schilderungen der anderen Schutzengel. Und das sagen sie nicht nur mir, sondern auch Israfel. Wenn noch etwas anderes gelaufen wäre, würden sie sich mir gegenüber wohl eher bedeckt halten, aber bei ihm sieht es anders aus. Er ist ja mit den meisten befreundet.“

„Ok. Also die Schutzengel gehen da rein, feiern – und am nächsten Morgen sind sie unwiderbringlich verflucht. Das klingt nach einem fiesen Trick. Typisch Luzifer! Aber ihm auf die Schliche zu kommen, dürfte nicht einfach sein.“

Suriyel stöhnte auf. „Und jetzt auch noch Beelzebub oben drauf! Als ob alles nicht schon kompliziert genug wäre!“

Uriel drehte sein Weinglas zwischen den Fingern, während er konzentriert nachdachte. „Apropos Gnade. Hast Du schon mal daran gedacht, Gabriel zu Rate zu ziehen? Das fällt ja eigentlich unter ihr Arbeitsgebiet.“

Gabriel

Gabriel ist der einzige weibliche Erzengel im Kreis der Sieben – und ständig bis zum Anschlag beschäftigt…

Unter den sieben Erzengeln gibt es lediglich einen, der weiblichen Geschlechts ist: Gabriel.

Seraphime und Cherubine – die Engel des ersten und zweiten Chores – sind reines Licht und damit androgyn. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Als führendes Mitglied des dritten Chores ist Gabriel deshalb der höchste aller weiblichen Engel.

Der Allmächtige greift für gewöhnlich auf seinen einzigen femininen Erzengel zurück, wenn er den Menschen etwas wichtiges mitzuteilen hat. Dass es Gabriel war, die Maria über die anstehende Empfängnis eines göttlichen Kindes informierte, ist hinreichend bekannt.

Aber Gabriel ist nicht nur der Engel der Verkündigung.

Im Kreis der Sieben ist sie zur Deutung von Visionen, Offenbarungen, Träumen und Erscheinungen berufen.

Ihr obliegt die Verantwortung für den Beginn jedes Lebens. Sie wacht über Zeugung, Schwangerschaft und Geburt.

Und der Allmächtigen hat ihr die Gabe gegeben, Gnade schenken zu können.

Mit dem Ergebnis, dass Gabriel seit viertausend Jahren bis zum Anschlag beschäftigt ist.

Glücklicherweise steht ihr eine riesige Heerschar Engel des dritten und vierten Chores zur Verfügung, die vor Ort die lange Liste ihrer Verpflichtungen abarbeiten.

Nachdem alle Engel seit mehreren tausend Jahren auf einander eingespielt, dazu unsterblich und vor allen Krankheiten und Zipperlein gefeit sind, läuft der riesige Betrieb von Erzengel Gabriel für gewöhnlich so zuverlässig wie ein Uhrwerk.

Weil der Anteil an Materie in den Engeln, die Gabriel unterstellt sind, relativ niedrig ist, laufen diese nicht so sehr Gefahr, von fleischlichen Lüsten und materiellen Verlockungen korrumpiert zu werden, wie die Schutzengel des neunten Chores.

Ein Umstand, der Gabriel das Leben als Management-Engel sehr erleichtert. https://www.water-runs-east.eu/?p=4021

Dafür zeichnen sich Gabriels ätherische Engel durch ausgeprägte Sensibilität und Suggestibilität aus.

In Gabriels Reich geht deshalb mindestens einmal am Tag die Welt unter!

Sie kann sich darauf verlassen, dass zuverlässig eine der vielen Engelstruppen, die unter ihrem Kommando stehen, wegen irgendeines menschengemachten Problems, einer Naturkatastrophe, dem Ausbruch eines Krieges oder einer der zahlreichen Abgründe menschlichen und dämonischen Handelns emotional zusammenbricht.

Wenn sie sich nicht mehr zu helfen wissen, schieben die Führungsengel der niederen Ebenen ihre aufgelösten Untergebenen in den Fahrstuhl und drücken auf den Knopf zum obersten Stockwerk des dritten Chores.

Dort werden sie von Erzengel Gabriel empfangen. Die hört auch noch den unbedeutensten hysterischen Engel geduldig an, spricht Trostworte, deutet Träume, liefert ein paar hoffnungsvolle Prophezeiungen und greift, wenn nichts anderes mehr hilft, in die große bunte Bonbondose der Gnade.

Wenn sich alle wieder beruhigt haben, die zerknüllten Taschentücher eingesammelt und die letzten Tränen getrocknet sind, gehen die Engel wieder an die Arbeit.

Erzengel Gabriel schließt leise die Tür hinter ihnen. Danach lässt sie sich mit einem tiefen Seufzer in ihren Bürostuhl fallen, schiebt einen Aktenberg zur Seite und legt die Füße auf den Schreibtisch.

Dem fernen Gesang der Seraphime und Cherubine irgendwo hoch über ihr lauschend, träumt sie von einem anderen Leben.

An einem fernen Ort, an dem sie keiner kennt. Und an dem niemand irgendetwas von ihr will!

Energie

Beelzebub lässt sich von Luzifer in das Tibetisch-Buddhistische Zentrum in Berlin-Friedrichshain führen. Dort muss er feststellen, dass sein Auftrag herausfordernder ist, als er das erwartet hatte…

Wie Luzifer befürchtet hatte, war Beelzebub schon wach.

Als der gefallene Erzengel nach seiner Morgentoilette die Wendeltreppe hinunter in den Wohnbereich nahm, fand er den Höllen-Kollegen mit einer Tasse Kaffee in der Hand am Esstisch sitzend vor. https://www.water-runs-east.eu/der-orden-der-fliege/

Luzifer beschränkte sich auf ein kühles Nicken, brühte sich einen Espresso auf, warf währenddessen dezent ein paar Aspirintabletten ein, und ließ sich Beelzebub gegenüber auf den Stuhl fallen.

Dem sah man weder die durchzechte Nacht noch den – lautstark zelebrierten – vergnüglichen Morgen mit den beiden üppigen Engeln an.

Eine solche dämonische Konstitution war Luzifer leider nicht gegeben. Er war völlig fertig. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er den Vormittag im Bett verbracht. Aber es half nichts: er hatte Beelzebub angefordert, jetzt war er da. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Seine Anwesenheit sorgte dafür, dass sich Luzifer im eigenen Zuhause extrem unwohl fühlte. Je schneller Beelzebub in das Buddhistische Zentrum verschwand, um Erzengel Suriyel zu überwachen, desto besser für Luzifers Seelenfrieden. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

„Wann willst Du aufbrechen?“ Luzifer warf seinem Gast einen auffordernden Blick zu.

Beelzebub streckte – auf dem edlen Designerstuhl sitzend – Arme und Beine von sich und gähnte herzhaft und ausdauernd. Als er damit fertig war, sprang er mit einem Mal ruckartig auf: „Jetzt!“

Ehe sich Luzifer versah, stand der Kollege auch schon in der Tür. „Du bringst mich hin und zeigst mir die Räumlichkeiten. Als was gehst Du normalerweise?“

Luzifer stöhnte innerlich auf. Er hatte gehofft, Beelzebub würde sich ohne ihn auf den Weg ins Buddhistische Zentrum machen. Aber nun gut. Während er Beelzebub zur Tür folgte, transformierte er zum schwarzen Kater.

Beelzebub nickte anerkennend. „Stimmt. Der geht immer. Was empfiehlst Du mir?“

Dass Beelzebub nicht als kanaanitischer Gott im tibetisch-buddhistischen Zentrum auftauchen konnte, war beiden klar.

Luzifer hatte sich bereits nach dem Aufwachen unter der Dusche über eine passende Camouflage Gedanken gemacht: „Dort gehen ziemlich viele Chinesen ein und aus. Wie wäre es mit einem taiwanesischen Maschinenbaustudenten auf der Suche nach seinen buddhistischen Wurzeln?“

Der junge Han-Chinese in Jeans und Freizeitjacke lief neben dem großen schwarzen Kater die Straße entlang. Er hob erstaunt den Kopf: auf der gegenüberliegenden Seite leuchtete hinter einem mit Graffiti besprühten Bauzaun die goldene Kuppel einer Stupa.

Dem Kater folgend, überquerte er die Straße und trat durch ein Metalltor in einen begrünten Innenhof. Hinter den letzten Herbstblumen grüßte eine große Buddhastatue. Bunte tibetische Gebetsfahnen flatterten in langen Reihen im Wind.

Der Chinese sah sich um. Rechterhand entdeckte er das Schaufenster eines kleinen Buchladens. Eine Tafel daneben informierte darüber, dass hier das Büro der Zentrumsleitung untergebracht war. Er trat an die Glastür eines roten einstöckigen Pavillons, der sich gegenüber dem Buchladen befand, und überflog die Plakate, auf denen in Deutsch und Englisch die Veranstaltungen des Zentrums angekündigt wurden. Yoga, Meditation, Vorträge über Buddhismus. Das übliche.

Der schwarze Kater war inzwischen in einem schmalen Durchgang verschwunden, der, am Pavillon vorbei, zum Eingang des Tempels führte. Der Chinese folgte ihm und fand sich in einem weiteren – ebenfalls begrünten – Innenhof wieder. Hinter den halb entlaubten Ästen der Büsche und Bäume glänzte die goldene Kuppel der großen Stupa.

Aus der Ferne klang das Rauschen des Großstadtverkehrs über den hohen Bauzaun. In einem der Bäume sang eine Amsel. Ansonsten war alles still.

Für Menschen war das hier ein kleines Paradies. Für einen Dämonen wie Beelzebub war es die Hölle!

„Warum hast Du mir nicht gesagt, wie beschissen die Energie hier ist?“, fuhr er – nachdem er sich wachsam umgesehen hatte – den schwarzen Kater zu seinen Füßen an.

„Was hast Du erwartet?“ Luzifer trat unruhig von einer Pfote auf die andere. „Wir sind im Hauptquartier eines Erzengels. Niemand aus meiner Truppe schafft es durch das Tor! Geschweige denn in den Keller!“

Der schmale Han-Chinese schüttelte den Kopf. „Und warum erträgst Du das?“

„Ich war mal ein Erzengel.“

„Phantastisch! Aber ich nicht! Du hast mich verarscht, Luzifer!“

„Ich hatte nicht erwartet, dass Dich die Energie hier so mitnimmt. Du bist der Kanzler des Ordens der Fliege.“

Richtig! Beelzebub beschloss, dass er sich keine Blöße geben durfte. Wenn er jetzt kniff, wäre sein Ruf für die nächsten 4000 Jahre ruiniert.

„Ich muss mich erst akklimatisieren. Mit so etwas habe ich selten zu tun.“

Mit so etwas hatte er noch nie zu tun gehabt! Aber das würde er Luzifer sicher nicht auf die Nase binden.

Der Kater nickte. „Gerade ist es gut auszuhalten. Unter der Woche ist nicht viel los. Aber wenn am Wochenende die tibetischen Lamas hier sind, kann ich im Umkreis von fünfhundert Metern keinen Wachposten aufstellen, weil niemand die Energie erträgt. Das ist ein echtes Problem. Aber ich bin mir sicher, Du kriegst das irgendwie hin.“

Beelzebub musste sich eingestehen, dass er Luzifer unterschätzt hatte.

Der Orden der Fliege

Beelzebub ist nicht nur einer der höchsten Fürsten der Hölle, sondern als Kanzler des Ordens der Fliege auch noch Vorsitzender eines exklusiven satanischen Clubs…

Um neun Uhr morgens stand Beelzebub verkatert und unausgeschlafen in Luzifers roter Hochglanzküche und versuchte, die edle italienische Siebträger-Kaffeemaschine zum Laufen zu bringen. https://www.water-runs-east.eu/beelzebub/

Stirnrunzelt drückte er aufs Geratewohl ein paar Knöpfe. Der Apparat begann zu gurgeln und zu dampfen. Es folgte ein lautes Zischen, das Beelzebub erschrocken zusammenfahren ließ. Dass es vom sanften Plätschern des Espresso-Stroms in die Tasse begleitet wurde, stimmte ihn wieder versöhnlich.

Mit einem erleichterten Seufzer ließ er sich auf einen von Luzifers unbequemen Designer-Stühlen fallen und nahm einen Schluck von der heißen Brühe, bevor er die Tasse auf dem riesigen schwarzen Tisch abstellte, der in der Mitte des Lofts platziert war.

Durch die raumhohen Fenster klang gedämpft der Verkehrslärm von Friedrichshain an einem Werktagmorgen. Die ersten Sonnenstrahlen des Oktobertages stahlen sich durch die Lamellen der Jalousien und warfen Lichtkringel auf das Eichenparkett.

Beelzebub nippte ein weiteres Mal an seiner Tasse und genoss die Stille. In seinen Ohren hallten immer noch die Techno-Beats der vergangenen Nacht. Der Wodka war vom Feinsten gewesen. Trotz des Vollrausches hielt sich der Kater in Grenzen.

Und mit den beiden Schutzengel, die er am frühen Morgen in Luzifers Gästezimmer abgeschleppt hatte, war die Nacht stimmig ausgeklungen.

Als er den gestrigen Abend und die darauffolgende Nacht Revue passieren ließ, kam er zu dem Schluss, dass das Beste an Schutzengeln war, dass man sie so unkompliziert wieder los wurde. Obwohl er ihnen nicht mal erlaubt hatte, sich anzuziehen und ihnen ihre Klamotten einfach ins Treppenhaus warf, waren sie ohne großes Maulen verschwunden.

Wenn er das mit Teufelinnen oder Dämoninnen versucht hätte, wäre er hinterher ein Fall für die Intensivstation gewesen…

Entspannt die Beine auf den Tisch legend, dachte Beelzebub voller Genuss an die erschrocken aufgerissenen Augen der beiden üppigen blonden Engel, als er sie fluchend aus dem Schlafzimmer gejagt hatte.

Er würde ordentlich Spaß hier haben, so viel war klar…

Obwohl er dafür Luzifer ertragen musste. Diesen alten Schleimscheißer! https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

Beelzebub hatte null Respekt vor dem gefallenen Erzengel. So blasiert der auch immer auftrat: seine Servilität verriet den ehemaligen Diener des Herrn.

Dass Satan Luzifer zum Höllenfürsten ernannt hatte, war eine rein strategische Entscheidung gewesen. Luzifer hatte durch seine gescheiterte Spaß-Revolution unbeabsichtigt dafür gesorgt, dass ein Drittel der Himmlischen Heerscharen in den Katakomben des Reiches der Finsternis gestrandet war.

Satan hatte sich zufrieden die Hände gerieben und den gefallenen Erzengel seinen höchsten Dämonen gleichgestellt, um sich die Kontrolle über dessen geflügelter Armee zu sichern.

Luzifer war eine Luftnummer – im wahrsten Sinne des Wortes. Das einzige, was er gut konnte, war sich verkaufen. Viel Blabla und nichts dahinter…

Beelzebub dagegen war ein Dämon aus eigenem Recht. Als kaananitscher Fruchtbarkeitsgott Ba´al hatte er sämtlichen Israelitischen Stämmen den Stinkefinger gezeigt, als sie seine Unterwerfung forderten.

Er hatte sich auf den Weg gemacht, ohne sich auch nur einmal umzusehen. An der Kreuzung des Schicksals musste er nicht lange nachdenken, bevor er den Weg zu den Abgründen der Hölle einschlug.

Dort angekommen war er – als viriler Schöpfer neuen Lebens und Herrscher über Donner und Blitz – mit offenen Armen und allen ihm zustehenden Ehren empfangen worden.

Beelzebubs Ausnahmeposition im Reich der Finsternis verdankte sich jedoch seiner Funktion als Kanzler des „Ordens der Fliege“.

Beelzebub wurde dadurch in der Todesstunde Herr über alle Geschöpfe, die zu Lebzeiten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten.

Die Seelen dieser Verdammten wurden nicht von ihrem Schutzengel in den Himmel eskortiert.

Statt dessen verwandelten sie sich im verwesenden Fleisch ihrer eigenen Körper erst in eine Made, dann in eine Fliege. Sobald die geschlüpft war, steuerte sie vollautomatisch die Hölle an.

Der „Orden der Fliege“ war dafür zuständig, dass die Seelen-Fliegen auf ihrem Weg von ihren Kadavern zu ihrem Bestimmungsort nicht vom Kurs abkamen.

Die wenigen Mitglieder dieser exklusiven Society genossen in der Hölle höchstes Ansehen. Und sie waren handverlesen. Beelzebub wählte sie nach knallharten Kriterien persönlich aus.

Seit zwei Milennien bereitete es Beelzebub Jahr für Jahr besonderes Vergnügen, Luzifers Aufnahmeantrag kommentarlos abzulehnen.

Da konnte der noch so cool tun: für eine Mitgliedschaft im Orden der Fliege mangelte es ihm an satanischer Reife.

Immerhin taugte Luzifer dafür, Beelzebub eine entspannte Zeit in Berlin-Friedrichshain zu ermöglichen.

Während er an den Kaffeeautomaten trat und sich eine weitere Tasse Espresso aufbrühte, beschloss der Kanzler des Ordens der Fliege, den albernen Auftrag, Suriyel zu überwachen, als lästiges Übel zu betrachten. Der Job bot die perfekte Entschuldigung für eine Auszeit von seinen zahllosen Verpflichtungen in der Hölle. Das war das einzige, was zählte. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

Davon, dass Beelzebub ein paar Stunden am Tag in einem tibetisch-buddhistischen Zentrum abhängen und einen spießigen Erzengel im Auge behalten sollte, würde die Welt nicht untergehen.

Vor sich hin grinsend trat Beelzebub ans Fenster und warf einen Blick über die Dächer von Friedrichshain.

Ein Hoch auf alle dämlichen Engel!

Uriel

Am Ende der Welt betreibt Erzengel Uriel – zusammen mit seinem kleinen weißen Hund – ein tibetisch-buddhistisches Retreathaus…

Nur ein paar hundert Kilometer von Berlin-Mitte entfernt lebt Erzengel Uriel.

Uriel ist im Kreis der Sieben der Erzengel, der für Mystik und Magie zuständig ist. Es war Uriel gewesen, der den Menschen einst die Kabbala brachte.

Wenn es um Mystik und Magie geht, ist Uriel genauso gnadenlos, wie Suriyel, wenn es um die göttlichen Gesetze geht.

745 nach Christus wurde Uriel deshalb während eines Kirchen-Konzils der Prozess gemacht. Der Papst selbst saß über den Erzengel zu Gericht und kam, nach langer Beweisaufnahme, zu dem Schluss, Uriel wäre in Wahrheit ein Dämon. Denn nur die verstünden etwas von Magie.

Deshalb wurde der Erzengel aus dem Kreis der Heiligen, die von den Gläubigen angebetet werden dürfen, verbannt und aus dem Kirchenkalender gestrichen.

Ein paar hundert Jahre später drehte sich der Wind zu Gunsten Uriels. Der Erzengel wurde in Ehren wieder aufgenommen. Als Zeichen des Respekts für seine mystischen und magischen Fähigkeiten ist das Symbol, mit dem er seitdem auf allen Bildern dargestellt wird, eine offene Hand, die eine Flamme hält.

Uriel hatte dem Prozess keine Aufmerksamkeit geschenkt. Das Kirchengericht musste selbstverständlich ohne seine Anwesenheit tagen. Dass er aus dem Kreis der Heiligen verbannt worden war, hatte den Erzengel genauso kalt gelassen, wie, dass er irgendwann wieder in Gnaden aufgenommen wurde.

Solche Status- und Distinktionsfragen sind für Engel von Bedeutung, die einen höheren Anteil Materie in sich tragen, als dies bei einem Erzengel der Fall ist.

Aus fünfzig Prozent Äther zu bestehen, geht mit Vorteilen einher.

Seinem Ätheranteil verdankt sich auch Uriels – seit über 4000 Jahren währende – Leidenschaft für Mystik und Magie.

Die Sache mit der Kabbala liegt inzwischen schon etwas zurück. Der Erzengel hat sich mittlerweile dem weiten Feld magischer Techniken der tibetisch-buddhistischen Tradition zugewandt.

Für einen Erzengel spielen die Begrenzungen von Religionen keine Rolle. Mit dem Segen des Allmächtigen kann sich Uriel mit der gleichen Intensität dem buddhistischen Tantra widmen, mit dem er sich zuvor der jüdischen Mystik hingab.

Sowohl Gott als auch seine weisen Diener wissen, dass Mystik nichts anderes ist als die Wissenschaft, die sich der magischen Praxis widmet, universelle Energie zu kanalisieren und zu transformieren.

Diese universellen Energie wird von den Seraphimen und Cherubinen des ersten und zweiten Chores von Anbeginn aller Zeiten erschaffen und durch ihren Gesang in Bewegung gehalten.

Uriel war als Führungsengel des dritten Chores vom Allmächtigen der Auftrag erteilt worden, zu erforschen, wie diese Energie am wirkungsvollsten zum Wohle aller lebenden Wesen kanalisiert und transformiert werden kann.

Er ist deshalb der Erzengel aus der Schar der Sieben, der ruhige und abgelegene Plätze bevorzugt. Nichts soll ihn von seinem Werk ablenken. Und seine jeweilige Heimstatt muss genau über jene Energie verfügen, die er benötigt, um seinen aktuellen Forschungsauftrag am effektivsten bearbeiten zu können.

Uriel hat schon hunderte von Jahren in diversen Wüsten verbracht, am Polarkreis bibernd seinen fünfzigprozentigen materiellen Anteil verflucht, und im neunzehnten Jahrhundert einen Forschungsaufenthalt in der Tiefsee absolviert.

Seit ein paar Jahren bewohnt Uriel ein Heim, das für seine Verhältnisse ausgesprochen kommod ist: sein gerade laufender wissenschaftlicher Auftrag, die Führung des Herrn und ein paar schräge Umstände haben dafür gesorgt, dass er sich in einer einsamen Ecke der Republik in einer alten Mühle niederließ.

Das Retreathaus, in das er die alte Mühle verwandelt hat, dient als Versuchslabor für seine mystisch-magischen Experimente.

Seitdem gehen die seltsamsten Gestalten dort ein und aus. Nepalesische Lamas geben sich mit tibetischen Schamanen die Klinke in die Hand.

Der pferdeköpfige Wassergeist, der im Mühlbach zuhause ist, freut sich genauso darüber, wie die kleinen Zauberwesen, die in den alten Weiden am nahen Flüsschen wohnen.

Alle paar Wochen bekommt Uriel Besuch aus dem fernen Berlin: wenn sein Erzengel-Kollege Suriyel Erholung von Luzifers Treiben in Friedrichshain braucht, schaut er für ein paar Tage bei Uriel vorbei.

Dann praktizieren die beiden Erzengel gemeinsam unter dem Dachstuhl und auf der Terrasse der alten Mühle. Zur Begeisterung all der Naturgeister und magischen Wesen, die, von der Energie der beiden angelockt, von nah und fern herbei eilen.

Uriels kleiner weißer Hund, der mit seinem himmlischen Herrn in der alten Mühle lebt, kennt jeden der magischen Besucher beim Namen und begrüßt die Gäste mit stürmischer Herzlichkeit.

Gerade ist Uriel mit einem besonders komplexen, anspruchsvollen und riskanten magischen Feldversuch beschäftigt.

Deshalb bleibt der Ort, an dem Erzengel Uriel lebt, geheim: er bittet darum, nicht bei seiner Arbeit gestört zu werden…

Beelzebub

Beelzebub ist einer der höchsten Fürsten der Hölle und Kanzler des Ordens der Fliege. Luzifer hat ihn als Verstärkung nach Berlin-Mitte beordert…

Luzifer schlich in der Abenddämmerung über die Brachfläche. https://www.water-runs-east.eu/luzifer/

Gedankenversunken bahnte er sich seinen Weg durch dichtes Gestrüpp, umkreiste benutzte Kondome, zerbrochene Bierflaschen, halb verweste Hamberger-Reste, zerbrochene Klappstühle und einen vor sich hin rostenden Kühlschrank.

Dabei dachte er angestrengt über seinen Besuch im Tibetisch-Buddhistischen Zentrum nach. https://www.water-runs-east.eu/suriyel/

So fade und berechenbar Suriyel war: ein Erzengel blieb er trotzdem.

Ihn zu unterschätzen wäre unklug und konnte sich früher oder später bitter rechen.

Die Observation des Buddhistischen Zentrums musste unbedingt intensiviert werden! Es, wie bisher, lediglich von außen im Auge zu behalten, war jetzt, wo Suriyel sich dort im Keller eingenistet hatte, nicht mehr ausreichend.

Er würde jemanden abstellen müssen, der in der Lage war, sich im Buddhistischen Zenrum undercover einzuschmuggeln und Suriyel auf Schritt und Tritt zu überwachen.

Während der schwarze Kater durch eine halb geöffnete Fensterlucke in den Keller eines heruntergekommenen Hinterhauses sprang, ging er im Geist seine Belegschaft durch.

Tief in Gedanken huschte Luzifer die Kellertreppe aufwärts. Als er das Treppenhaus betrat, ließ er den Geruch von Feuchtigkeit und Fäulnis hinter sich.

Dafür empfing ihn dröhnender Techno-Beat.

Luzifer stieg die Stufen zum Hauptquartier im zweiten Stock des baufälligen Hinterhauses hoch. Dabei nahm er, immer noch vor sich hin grübelnd, seine – halb menschliche, halb teuflische – Gestalt an.

Die Flügel schenkte er sich für gewöhnlich, mit denen blieb man ständig an den Türstöcken hängen. Die Hörner ließ er auch bleiben, genauso den Eselsschwanz und die Pferdebeine. Die Vollkostümierung packte er nur aus, wenn er Eindruck schinden wollte.

In Berlin-Mitte zog Luzifer es vor, so unauffällig als möglich ausszusehen. Allerdings konnte er – genau wie Suriyel – seinen fünfzig-prozentigen Ätheranteil nicht leugnen.

Wenn er – als drahtiger, gut aussehender, dunkelhaariger, immer in schwarz gekleideter Mann mit gepflegtem Ziegenbart – in Berlin unterwegs war, löste sein Anblick regelmäßig bei Passanten den unwillkürlichen Gedanken aus: „Der Mann sieht aus wie ein Teufel!“

Bis auf ein paar Psychiatriepatienten ist Luzifer in all den Jahren nie auf einen Menschen gestossen, der verstand, dass er in diesem Moment wirklich einen Höllenfürsten vor der Nase hatte.

Was Luzifer nur recht sein konnte.

Er war von Satan nicht wegen der Menschen nach Berlin-Mitte entstandt worden, sondern wegen der Schutzengel.

Als Luzifer die Tür zur Zentrale der Zweigniederlassung der Hölle in Berlin-Mitte öffnete, war die Party schon in vollem Gange.

Im Flur empfing ihn wie immer Dommiel. Der fungierte eigentlich hauptberuflich als Torwächter des Reiches der Finsternis. Satan hatte ihn abgestellt, um im Hauptquartier seiner Truppe in Berlin-Friedrichshain den Job des Türstehers zu übernehmen.

Dommiel oblag es, alle vergnügungssüchtigen Menschen auszusortieren und nur partylustigen Schutzengeln Einlass zu gewähren.

Weil Schutzengel über einen hohen Anteil an Materie verfügen, war der Unterschied nicht leicht erkennbar. Um den Streu vom Weizen zu trennen, bedurfte es deshalb eines Profis.

Dommiel nahm Luzifer die Jacke ab und brüllte ihm über die dröhnenden Beats hinweg ins Ohr: „Beelzebub ist hier!“

Bevor sich Luzifer dem Kollegen stellte, nahm er sich zehn Minuten Auszeit auf der Toilette. Während sich in der Nachbarkabine jemand laut würgend in die Kloschüssel erbrach, saß er nebenan auf dem Deckel der seinen und dachte angestrengt nach, wie er es am Besten angehen sollte.

Es war eine unüberlegte Kurzschlusshandlung gewesen, in der Hölle um Verstärkung zu bitten!

Als er die Meldung erhalten hatte, im Buddhistischen Zentrum triebe sich ein hoher Engel herum, war er völlig in Panik geraten! Luzifer war sich sicher gewesen, der Allmächtige hätte Michael geschickt!

Auch nach mehr als 2000 Jahren verfolgte der Erzengel mit dem Flammenschwert ihn immer noch in seinen Alpträumen.

Es war Michael gewesen, der Luzifer damals in einem epochalen Zweikampf besiegt und triumphierend aus dem Himmel geworfen hatte.

Und all das nur, weil Luzifer ein bisschen Spaß dort oben hatte haben wollen! Warum musste es im Himmel auch immer so bierernst zugehen?

Luzifer war nach 2000 frustrierenden Jahren zu dem Schluss gekommen, dass Gott ein Idiot war.

Der Allmächtige hatte keine Ahnung von nichts und musste von jemandem abgelöst werden, der wirklich etwas von den manigfachen Lüsten und Freuden der Existenz und der Non-Existenz verstand!

Dummerweise hatten Luzifer und seine Spaß-Armee die anderen sechs Erzengel – und insbesondere ihren Chef Michael – unterschätzt.

Luzifer hasste ihn!

Und er hatte eine Heidenangst vor ihm. Auch wenn er das niemals zugeben würde.

Dass er in seiner Panikattacke die Nummer der Notrufzentrale der Hölle gewählt und ausgerechnet Beelzebub angefordert hatte, war ihm jetzt – wo er wusste, dass es lediglich um Suriyel ging – extrem peinlich.

Nur: Beelzebub war prompt – und viel schneller als erwartet – im Hauptquartier in Friedrichshain aufgeschlagen. Und Luzifer durfte auf keinen Fall Schwäche zeigen!

Luzifer trat aus der Toilette in den Vorraum, wusch sich umständlich die Hände, strich sich – begleitet von einem kritischen Blick in den Spiegel – das gegeelte schwarze Haar zurecht und kehrte – nachdem er dreimal tief ein und ausgeatmet hatte – auf die Party zurück.

Die hatte inzwischen an Intensität gewonnen. Beleuchtet von zuckenden Disco-Strahlern wanden sich halbnackte betrunkene Schutzengel zu Techno-Beats auf der Tanzfläche. Luzifer stieg über zwei sinnlos betrunkene Engel hinweg, die komatös auf dem Boden lagen und entdeckte Beelzebub am anderen Ende des Raumes.

Der hatte sich rücklings auf einer Bank ausgestreckt und ließ sich gerade – zur Erheiterung der Umstehenden – von einem blonden Schutzengel mit verrutschtem Korsett einen Schwall Whiskey mit Cola in den weit aufgerissenen Mund kippen.

Luzifer setzte einen blasierten Gesichtsausdruck auf, während er beobachtete, wie Beelzebub wie wahnsinnig schluckte, und sich, als er nicht mehr hinterher kam, kreischend vor Lachen aufrichtete, um dem blonden Engel die braune Brühe in das üppige Dekollete zu spucken.

Dabei fiel sein Blick auf Luzifer. Begleitet vom Johlen seiner Fans stand Beelzebub langsam auf und steuerte auf den Höllenfürsten-Kollegen zu.

„Coole Party! So viele schöne Schutzengel auf einem Haufen sieht man selten! Du machst einen guten Job!“ Beelzebub ließ seinen Blick genüßlich über die zuckenden Leiber auf der Tanzfläche wandern.

Ruckartig drehte er den Kopf und starrte Luzifer in die Augen. „Wofür brauchst Du mich hier?“

„Ich dachte, Berlin-Friedrichshain wäre mal eine nette Abwechslung für Dich. Hattest Du mir nicht bei unserem letzten Zusammentreffen erzählt, die Hölle würde Dich langweilen?“

Beelzebub hob die Augenbrauen: „Du bist um mein Wohlergehen besorgt? Das rührt mich!“

„Nein, wirklich! Wir wissen überhaupt nicht, wohin mit den ganzen Schutzengeln. Du kannst gerne ein paar abhaben! Das ist doch mal was anderes, als immer die Dämoninnen und Teufelinnen!“

Beelzebub wiegte den Kopf. „Wo Du recht hast, hast Du recht!“ Er starrte Luzifer wieder in die Augen: „Und wo ist der Haken? Du kannst mir nicht ernsthaft erzählen, dass Dich der Allmächtige hier ungehindert Spaß haben lässt!“

Womit sie beim Thema angekommen waren.

„Der Herr hat vor ein paar Tagen einen Erzengel geschickt.“

Beelzebub kniff die Augen zusammen: „Michael?“

„Nein. Suriyel.“

„Die Spassbremse? Im Ernst? Mit dem wirst Du auch ohne mich fertig!“

„Klar! Ganz sicher! Aber wenn Du den Auftrag für mich übernimmst, kannst Du bei mir wohnen und in Deiner freien Zeit hier Party machen!“

Beelzebub vertrieb gedankenverloren ein paar Fliegen, die um seine wilden Locken kreisten. Nachdem er etwas nachgedacht hatte, streckte er Luzifer ruckartig die rechte Hand entgegen: „Ok. Ich mache es! Wo steckt unser Freund?“

„In einem Tibetisch-Buddhistischen Zentrums, gleich hier um die Ecke. Er hat sich im Keller eingenistet.“

Luzifer

Ein großer schwarzer Kater geht im Tibetisch-Buddhistischen Zentrum in Berlin-Mitte ein und aus. Nur Suriyel weiß, dass es sich dabei um seinen ehemaligen Erzengel-Kollegen Luzifer handelt…

Es ist inzwischen einige Jahre her, dass Erzengel Suriyel, von Gott gesandt, seinen Posten im Keller des Tibetisch-Buddhistischen Zentrums in Berlin-Mitte bezog.

Ein paar Tage, nachdem er sich dort häuslich niedergelassen hatte, bekam er Besuch.

Niemand im Zentrum bemerkte den großen schwarze Kater, der durch das verwitterte Tor des Zentrums in den Innenhof geschlichen war. Auf Samptpfoten betrat der den Flur, wanderte geräuschlos am Eingang des Tempels vorbei und nahm die Treppe in den verwinkelten Keller. Dort sprang er mit einer geschmeidigen Bewegung auf die große Werkbank und streckte sich behaglich darauf aus.

Suriyel, war – ein paar Meter von der Werkbank entfernt – gerade dabei, Kabeltrommeln zu sortieren.

Weil er ein so fähiger wie pragmatischer Engel ist, geht er in der Zeit, in der er sich nicht mit seinen unwilligen Schutzengeln abmüht, einer sehr irdischen Tätigkeit nach: er hat sich selbst zum Hausmeister des Buddhistischen Zentrums ernannt.

Die Zentrumsleute hatten ihr Glück nicht fassen können, als auf einmal dieser schweigsame Mann mit den langen blonden Locken bei ihnen aufgetaucht war und kommentarlos begonnen hatte, in den unzähligen Winkeln und Ecken der halb verfallenen Gebäude Stromleitungen zu verlegen, Steckdosen zu setzen und alles zu reparieren, was ihm vor die Nase kam.

Als Suriyel den riesigen schwarzen Kater sah, der sich behaglich auf seiner Werkbank ausgestreckt hatte, richtete er sich seufzend auf: „Hi Luzifer.“

Der Kater warf einen prüfenden Blick zur Kellertür, bevor er antwortete: „Hi Suriyel. Und? Was hältst Du von Berlin-Mitte?“

Der hatte sich wieder seinen Kabeln zugewandt. „Keiner befolgt die Gesetze.“

Der Kater drehte sich auf den Rücken und schlug mit den Vorderpfoten verspielt gegen einen von Suriyels Schraubenziehern. „Genau. Überall nur Chaos! Es ist phantastisch!“

Suriyel ignorierte den Kater. Er hatte nicht vor, sich provozieren zu lassen.

Luzifer sprang von der Werkbank und strich noch einmal um Suriyels Beine, bevor er die Treppe hoch und durch das Tor wieder in einer ruhigen Seitenstraße von Friedrichshain verschwand.

Er liebte solche Auftritte. Da konnte Suriyel noch so cool tun: Der schwarze Kater wusste, dass er einen Treffer gelandet hatte.

Einen von vielen.

Denn hier, in Berlin-Mitte, hatte Luzifer ein Heimspiel. Gut, das Tibetisch-Buddhistische Zentrum war die Ausnahme. Für Wesen, die – wie Suriyel und Luzifer – zur Hälfte aus Äther bestehen, war offensichtlich, dass der Ort ohne Mühe in der Lage war, die wilden Vibes von Berlin energetisch zu transformieren.

Das war der Grund gewesen, weshalb Suriyel sich im dortigen Keller einquartiert hatte.

Und gleichzeitig der Grund, weshalb Luzifer das Buddhistische Zentrum engmaschig überwachen ließ.

Von Anfang an war klar gewesen, dass früher oder später einer der Sieben dort auftauchen würde, um in Berlin-Mitte für Ordnung zu sorgen.

Als Luzifer durch einen Späher über die Sichtung eines hohen Engels im Buddhistischen Zentrum informiert wurde, war seine größte Befürchtung gewesen, es könne Michael sein.

Wenn Luzifer vor jemandem Respekt hatte, dann war das der Erzengel mit dem Flammenschwert.

Getarnt als schwarzer Kater begab er sich sofort an den Ort des Geschehens und hatte zu seiner Erleichterung nicht den mächtigen Michael, sondern dessen Kollegen Suriyel im Keller des Buddhistischen Zentrums angetroffen.

Suriyels Aufgabe als Erzengel war es seit 4000 Jahren, darüber zu wachen, dass sich alle Engel an die göttlichen Gebote halten.

Von all seinen Kollegen hatte Luzifer, als er noch „Der Lichtbringer“ und der achte der Erzengel war, Suriyel am wenigsten ausstehen können.

Während die anderen sechs Erzengel die materielle Hälfte ihrer Wesensnatur durchaus ausleben konnten – und das, auf den wilden Parties, die Luzifer im himmlischen Areal des dritten Chores zu veranstalten pflegte – auch ungehemmt taten, war Suriyel zuverlässig der gewesen, der allen den Spaß verdarb.

Seine langen komplizierten Vorträge über die Speiseregeln, die er – neben dem üppigen Buffett stehend – zu halten pflegte, waren legendär.

Mit Humor begabte Erzengel konnten sich köstlich darüber amüsieren. Luzifer hatte es immer nur angekotzt.

Und jetzt hatte Gott ausgerechnet Suriyel nach Berlin-Mitte entsandt, um seinen gefallenen ehemaligen Kollegen in die Schranken zu weisen und für Ordnung unter den Schutzengeln zu sorgen!

Ein von oben bis unten tätowierter Australier in Lederkluft blieb irritiert auf dem Gehweg stehen und starrte dem großen schwarzen Kater nach, der sich gerade durch eine Lücke des Bauzauns auf eine Brachfläche schob. Es konnte ja wohl nicht sein, dass dieses Katzen-Vieh soeben hämisch gelacht hatte?

Im Weiterlaufen griff er sich verwirrt an den kahl geschorenen Schädel und beschloss, sich noch heute einen neuen Dealer zu suchen. Das Koks taugte nichts!

Inzwischen sind einige Jahre vergangen, seit Luzifer zum ersten Mal im Keller des Buddhistischen Zentrums aufgetaucht ist.

Wenn Suriyel an ruhigen Abend aus dem neunten Stock des Plattenbaus, in dem er lebt, über das nächtliche Berlin blickt, ertappt er sich regelmäßig bei dem Gedanke, dass seine Mission zum Scheitern verurteilt ist.

Das ist ihm in 4000 Jahren noch nie passiert!

Früher oder später hat er bisher noch jeden bockigen Schutzengel auf Linie gebracht.

Aber gegen den Sog von Berlin-Mitte kämpft er vergebens an. Luzifer hat endlich den Ort gefunden, der genau die Energie verströmt, die er braucht, um seine Macht ungehemmt ausleben zu können.

Suriyel

Erzengel Suriyel wurde gesandt, darüber zu wachen, dass sich die Schutzengel Berlin-Mittes an die göttlichen Gebote halten…

Wie alle, die zum Fußvolk der Schutzengel des neunten himmlischen Chores gehören, untersteht Israfel einem Führungsengel. https://www.water-runs-east.eu/israfel/

Die meisten Schutzengel werden von Engeln kontrolliert, die einen, zwei, oder höchstens drei Chöre über ihnen angesiedelt sind.

Diese Mittelbau-Engel verfügen normalerweise über alle Kompetenzen, die ihr Führungsjob erfordert.

Weil Israfel als Streetworker des Herrn undercover in der hedonistischen Nahkampfzone Berlin-Mitte tätig ist, sieht die Sache bei ihm ein bisschen anders aus.

Sein direkter Vorgesetzter – Erzengel Suriyel – gehört zu den höchsten Vertretern des dritten Chores.

Die Engel des dritten Chores bestehen zur einen Hälfte aus Äther, zur anderen aus Materie. Das erlaubt ihnen, bei Bedarf leibliche Gestalt anzunehmen. Sie sind deshalb die Mittler zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.

Dagegen sind die Engel des ersten Chores – die Seraphime – und die des zweiten Chores – die Cherubine – reines Licht. Seit Anbeginn der Zeiten umkreisen sie den Thron Gottes und preisen seinen Namen. Sie sind die Energie des Universums. Ihr Gesang lässt Materie, Raum und Zeit fließen.

Seraphime und Cherubine sind dem menschlichen Verstand nur mithilfe mathematischer Berechnungen und physikalischer Formeln zugänglich.

Vom dritten Chor an gleichen sich Engelklassen und Menschen immer stärker an. Als Faustformel gilt: Je niedriger der Status des Chores, desto ähnlicher sind deren Engel den Menschen.

Die Königsklasse dieser – für Menschen sichtbaren und begreifbaren – himmlischen Geschöpfe, sind die sieben Erzengel.

Einer von ihnen – Suriyel – ist vor einigen Jahren in Berlin-Mitte aufgetaucht. Er kam mit dem göttlichen Auftrag, die Heerschar der dort tätigen Schutzengel im Auge zu behalten.

Je niedriger die Klasse der Engel, desto ähnlicher sind sie den Menschen – auch in ihrer Verführbarkeit. Schutzengel sind, als Angehörige des neunten Chores, die materiellsten aller himmlischen Wesen, und damit die verführbarsten.

Die durchschnittlichen Mittelbau-Führungsengel, die vor Suriyel versucht hatten, für Ordnung zu sorgen, waren schmählich gescheitert. Unzähliche Schutzengel gingen in den Clubs, Bars, Parks und Kaschemmen Berlins verloren.

Und das, wo sie dort so dringend gebraucht wurden!

Deshalb beschloss Gott, denjenigen seiner Erzengel nach Berlin-Mitte zu entsenden, der im Kreis der Sieben die Funktion hat, darüber zu wachen, dass sich alle Engel an die göttlichen Gebote halten.

Suriyel materialisierte sich auf göttlichen Befehl an einem grauen Regenabend Mitte September irgendwann zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einem S-Bahn-Tunnel in der Nähe des Alexanderplatzes.

Während er Form annahm, konzentrierte er seine ganze Energie darauf, so gewöhnlich als möglich auszusehen. Wie immer gelang es ihm nur bedingt.

Alle Erzengel bestehen zur einen Hälfte aus Materie, zur anderen Hälfte aus Äther. Der Äther-Anteil lässt sich leider nicht wegzaubern.

Wenn Suriyel in Berlin unterwegs ist, geschieht es deshalb regelmäßig, dass Passanten bei seinem Anblick denken: „Der Mann sieht aus wie ein Engel!“

Abgesehen von ein paar Psychiatriepatienten ist Suriyel in all den Jahren noch niemandem begegnet, der in diesem Moment versteht, dass er wahrhaftig einen Erzengel vor sich hat.

Was ihm nur recht sein kann.

Suriyel war nicht nach Berlin entsandt worden, um sich um Menschen zu kümmern, sondern um Schutzengel.

Deren Situation, stellte er bereits bei seinem ersten Rundgang durch Berlin-Mitte fest, war eine einzige Katastrophe. Die örtlichen Schutzengel hatten vor lauter Party und egozentrischer Selbstfindung die Basics ihres Handwerks verlernt.

Er war definitiv mit einer Langzeit-Mission betraut worden.

Suriyel machte seinen Job seit mehr als 4000 Jahren, er war Ärger gewohnt.

Und er war Profi genug, um zu wissen, dass er – wollte er irgendwann Erfolg haben – eine stabile Basis brauchte. Er wanderte durch Berlin-Mitte, kontrollierte Kirchen, ehemalige Klöster, neu errichtete Synagogen, aber keine Location verfügte über den notwendigen Energie-Level.

Schließlich wurde er in einem tibetisch-buddhistischen Zentrum in Friedrichshain fündig. Im Keller des Gebäudekomplexes richtete er sich häuslich ein. Von dort aus wacht er über die örtlichen Schutzengel und müht sich redlich, ihnen die göttlichen Regeln und Gebote zu vermitteln.

Aktuell mit überschaubarem Erfolg.

Aber, wie gesagt, es handelt sich um eine Langzeit-Mission…

Israfel

Mitten in Berlin-Friedrichshain lebt und wirkt ein Schutzengel…

Irgendwo in Berlin-Friedrichshain, in der Nähe der Warschauer Straße, lebt ein Schutzengel Namens Israfel.

Dass er Teil der himmlischen Heerscharen ist, sieht man ihm nicht an. Gott entschied, Israfel undercover in dieses Leben zu schicken, damit er seiner Aufgabe gerecht werden kann.

Lediglich Israfels rundlicher Körper lässt den Cherub erahnen. Damit trotzdem niemand seine geheime Mission vermutet, ist er von kleiner Gestalt, trägt einen wilden, schütteren Bart und sackartige Kleidung in Batikoptik.

Der göttliche Wille hat Israfel darüber hinaus mit einer ausgeprägt häuslichen Ader beschenkt: In seinen Musestunden dreht der kleine Schutzengel die Spindel, strickt und näht. Aus allem, was ihm vor die Nase kommt, bäckt er köstlichen Kuchen, den er großzügig an die Hungrigen seiner Umgebung verteilt.

In allem was Israfel tut, unterwirft er sich folgsam dem Auftrag, mit dem ihn sein Herr auf diese Erde gesandt hat: Er schützt, liebt und sorgt. Der Blick Gottes ruht deshalb mit Wohlgefallen auf seinem zarten Engel.

Der Erhabene kennt Israfel gut, obwohl der in der Hierarchie einen niedrigen Rang einnimmt und unzählige Kollegen hat: als Schutzengel gehört er zum neunten – und letzten Chor – der himmlischen Heerscharen.

Die Angestellten dieser Abteilung des Himmels sind das Fußvolk unter den Engeln.

Schutzengel, aus dem Tau des göttlichen Atems geboren, hatten schon immer einen aufreibenden und undankbaren Job: Mit ihren bescheidenen magischen Mitteln müssen sie seit über 4000 Jahren Menschen beistehen, die ihrer Natur nach verbohrt, uneinsichtig und nur schwer lenkbar sind.

Die spirituellen Zumutungen der Moderne haben die Aufgabe der Schutzengel nicht leichter gemacht.

Schutzengel, die von ihren Vorgesetzten in die Schwäbische Alb oder in den Bayerischen Wald entsandt werden, lobpreisen und jubilieren ob dieser Nachricht über Tage. Sie wissen, dass ihre Magie an diesen Orten noch wirken kann, ohne dass sie Gefahr laufen, einen Burnout zu erleiden.

Israfel dagegen ist da gelandet, wo kein vernünftiges Mitglied des neunten Chores hin möchte: Berlin! Und dann auch noch Berlin-Friedrichshain!

Hier, als kleiner rundlicher Schutzengel in Batikkleidung und mit Fusselbart, dem göttlichen Willen gerecht zu werden, erfordert Einfallsreichtum und Flexibilität.

Israfel hat, nach längerem Suchen, eine brillante Lösung gefunden! Er hat seine Kommandozentrale in ein tibetisch-buddhistisches Zentrum in Berlin-Mitte verlegt. Von dort geht er – unerkannt und bescheiden – seiner himmlischen Aufgabe nach.

Er hat den Segen seines Schöpfers dafür erhalten.

Karma

Ich reflektiere über Karma, Riwo Sangchö, die Konsequenzen des Vajra Armor Mantras und andere Seltsamkeiten…

An jedem Freitagabend können alle, die Lust und Zeit haben, im tibetisch-buddhistischen Zentrum in Berlin-Friedrichshain mit Suriyel „Chenrezig“ praktizieren. https://www.water-runs-east.eu/vierzehn-chenrezig-eins/

Am Sonntagvormittag bietet er dazu noch seit Jahren „Grüne Tara“ an. https://www.water-runs-east.eu/gruene-tara/

Vor sieben Monaten hat er sein Programm um Riwo Sangchö erweitert. Seit Januar bringt er jeden Sonntag nach der „Grünen Tara“ noch das traditionelle tibetische Rauchopfer dar. https://www.water-runs-east.eu/zehn-riwo-sangchoe/

„Warum ausgerechnet Riwo Sangchö?“, frage ich ihn.

Es wäre eine spontane Idee gewesen. Oder, besser, ein Gefühl. Das Gefühl, dass Riwo Sangchö im Zentrum fehlen würde.

Also besorgte er sich den Text, bestellte die Musikinstrumente im Internet und versuchte sich im Ritual. Anfangs lief es eher holprig, erzählt er mir. Er konnte die Melodien nicht richtig, der Einsatz von Zimbeln und Trommel ging des Öfteren daneben. Aber inzwischen klappe es gut.

Was ich nur bestätigen kann.

Von einem seiner ersten Riwo Sangchö gibt es ein Video. In der Winterkälte steht eine Gruppe Menschen im Innenhof des Buddhistischen Zentrums. Suriyel führt durch das Ritual und nährt, als das Speiseopfer ansteht, die Flammen in der großen Feuerschale mit den Resten eines Christbaums.

Suriyel schickte das Video Uriel. Der schickte es mir. Als ich es sah, wusste ich, wer Maria in den tibetischen Buddhismus einführen – und mir darin Nachhilfe geben – sollte: Suriyel! https://www.water-runs-east.eu/vier-transformation-teil-zwei/

Es war keine rationale Entscheidung, sondern – um mit Suriyel zu sprechen – ein Gefühl. Uriel hätte die Einführung ebenfalls hinbekommen. Und auch ein paar andere Dharma-Schwestern und -Brüder aus der Sangha hätten es gekonnt. Ich meditiere mit Profis.

Aber nein!

Genauso wie Suriyel auf einmal das Gefühl überkam, sein Buddhistisches Zentrum brauche Riwo Sangchö, sagte mir mein Gefühl, Maria – und ich – brauchen Suriyels Praxis.

Suriyels, zeitlich überschaubare, Praxiseinheiten während Marias Einführungswochenendes im Retreathaus am Ende der Welt lösten unerwartet heftige emotionale und visuelle Reaktionen aus. https://www.water-runs-east.eu/fuenfzehn-euphorie/

Von den Träumen aller Beteiligten ganz zu schweigen. https://www.water-runs-east.eu/neun-im-nebel/

Sechs Wochen nach unserem meditativen LSD-Trip im Retreathaus am Ende der Welt breche ich zu einer Treckingtour auf. Tagelang in Einsamkeit durch die Natur laufen, dazu die stillen Nächte im Zelt – ich brauche das mehrmals im Jahr, damit es mir gut geht.

In Polen war ich noch nie beim Wandern. Dabei ist das Land nach meinem Umzug nach Leipzig auf einmal so nah – und billig ist es dort auch noch. Der einzige Pole im Freundeskreis – Suriyel – empfiehlt mir den Nationalpark von Bialowieza. https://www.water-runs-east.eu/frevert/

Die Wandertour wird zur Grenzerfahrung. Meine Träume im Urwald sind von extremer Intensität, immer wieder halluziniere ich regelrecht. Am letzten Tag meines Aufenthaltes an der Grenze zu Belarus bin ich in einem Zustand, der sich nur sehr eingeschränkt als „zurechnungsfähig“ beschreiben lässt.

In diesem Modus leiste ich am Schauplatz einer Massenhinrichtung ein Versprechen. https://www.water-runs-east.eu/gedenken/

Ich gelobe all den formlosen Wesen, die dort im Bardo gefangen sind, und den örtlichen Naturgeistern, die wegen der Gräueltaten mit der energetischen Blockade ihres Zuhauses klar kommen müssen, dass ich wiederkommen werde.

Und dann werde ich hier Riwo Sangchö machen. Denn das ist das Ritual, in dem durch Magie Weisheitsnektar erschaffen wird. Er gibt allen Wesen genau das, was sie brauchen, um Befreiung zu erlangen.Dafür muss ich das Ritual lernen. https://www.water-runs-east.eu/fazit/

Womit sich der Kreis schließt.

Suriyel und ich wissen beide, dass wir – warum auch immer – durch Karma aneinander gebunden sind. Und dass wir deshalb miteinander auskommen müssen.

Das ist aber auch der einzige Punkt, an dem wir uns einig sind.

Ansonsten sind wir komplett verschieden:

Er leidet unter meinem überbordenden Mitteilungsbedürfnis. Mich treibt seine Schweigsamkeit in den Wahnsinn.

Er empfindet meine Offenheit als übergriffig. Mich überfordert seine Verschlossenheit.

Ihn stört mein Perfektionismus. Mich irritiert sein Chaos.

Ihn nervt meine Dominanz. Mich seine Sturheit.

And so on…

Irgendwann schreibe ich ihm völlig entnervt: „Wir beide sind ein karmischer Frontalunfall! Einer von uns ist falsch rum in die intergalaktische Einbahnstraße eingebogen – und es ist nicht gesagt, dass ICH das war!“

Worauf zurückkommt: „Es gibt kein ‚Ich‘.“

Nachdem wir uns wieder beruhigt haben – oder, aus der Perspektive Suriyels, nachdem ICH mich wieder beruhigt habe – texte ich ihm: „Wann bist Du auf die Idee gekommen, Riwo Sangchö anzubieten? Vor oder nach unserem Vajra-Armor-Retreat im Januar?“

„Nach dem Retreat.“

„Karma, Baby…“ schreibe ich zurück.

Ich bin mir im Grunde sicher, dass wir unsere seltsame karmische Beziehung unserem Vajra-Armor-Mantra verdanken.

Wie Suriyel das sieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Der schweigt dazu und behält seine Gedanken für sich. Wie üblich…

Zauberei

Im Buddhistischen Zentrum opfert Suriyel – unter strenger Beobachtung – mit zu viel Rauch Weisheitsnektar. Ich bin so irritiert, dass meine Visualisierung misslingt – und meditiere stattdessen über die Natur von Tantra…

Nachdem wir mit der Grünen-Tara fertig sind, schleppt Suriyel aus den Tiefen des Buddhistischen Zentrums wieder die große Plastiktüte mit dem Equipement für das traditionelle tibetische Rauchopfer herbei.

Zu meinem Erstaunen stellt er die große Feuerschale auf die kleine Holzterrasse auf der linken Seite des Schreinraums.

Beim letzten Mal fand das Riwo Sangchö auf der Terrasse statt, die rechts der riesigen Buddhastatue zu einem kleinen Innenhof führt. Heute ist die Terrassentür mit rot-weißem Band umwickelt, auf den Holzblanken – sehe ich durch die Glasscheibe – stehen graue Müllsäcke.

Als ich das binäre Wesen frage, warum der schöne Innenhof gesperrt wäre, bekomme ich erst erklärt, die Holzplanken wären morsch. Auf meinen verblüfften Blick hin – wir standen schließlich erst vor zwei Wochen zu viert darauf – schiebt es nach, es hätte nach unserem Riwo Sangchö vom vorletzten Sonntag im Zentrum Beschwerden wegen des Rauchs gegeben.

Nach einer halben Stunde ist alles für das Rauchopfer bereit – und wir sitzen herum und plaudern, weil wir noch auf jemanden aus dem Leitungsgremium des Zentrum warten.

Schließlich taucht eine sympathische Frau auf. Als einzige. Ansonsten sind es nur das binäre Wesen und ich, die beim Riwo Sangchö mitmachen. Ich frage die Zentrums-Frau, warum denn nicht mehr an dem Ritual teilnehmen?

„Naja,“ antwortet sie, „Suriyel bietet es jede Woche an. Die Leute werden müde.“

Im Retreathaus am Ende der Welt beginnt Uriel jeden einzelnen Morgen mit einem Riwo Sangchö. Zugegeben einer Kurzversion von etwa 25 Minuten, aber trotzdem!

Uriel erklärte mir im März, dass das traditionelle Rauchopfer nicht nur ein schönes Zeremoniell wäre, sondern auch noch höchst effektiv, um formlose Wesen aus dem Bardo zu befreien und karmische Verstrickungen aufzulösen.

Mit nichts lasse sich unkomplizierter gutes Karma anhäufen, als mit Riwo Sangchö, so Uriel.

Und dann werden sie in einem Buddhistischen Zentrum „müde“, weil die Praxis einmal in der Woche angeboten wird?

Und stören sich am Rauch eines Rauchopfers?

Denn die nette Zentrumsoffizielle, so zumindest mein Eindruck, nimmt nicht am Riwo Sangchö teil, um positives Karma zu generieren, sondern um dafür zu sorgen, dass Suriyel möglichst rauchlos opfert.

Was bei einem „Rauchopfer“ ein Widerspruch in sich ist…

Sollte Suriyel den Anspruch als Zumutung empfinden, lässt er es sich nicht anmerken. Allzu kompromissbereit ist er aber auch nicht: er reduziert lediglich die Anzahl der Thujazweige. Statt der üblichen sieben wandern nur zwei auf die glühenden Kohlen. Das reduziert die Dauer der Rauchentwicklung, nicht aber die Intensität: denn was richtig qualmt, ist weniger das Brennmaterial, als die Speisen.

Als Suriyel – beim Opferritual angekommen – nacheinander Honig, Melasse, Zucker, Butter, Joghurt, Milch und zwei Becher mit Kräutern ins Feuer kippt, dazu noch einen Krug Wasser hinterher, steigt eine dicke weiße Rauchwolke hoch. Genau wie es sein soll…

Ich bin so irritiert von den unvermuteten Spannungen um mich, dass ich nicht in die Visualisierung komme. Und das, wo ich schon die halbe Grüne-Tara wegen der Deutschen Bahn verpasst habe. Jetzt läuft auch noch das Riwo Sangchö nicht rund. Wie ärgerlich!

Damit der Karma-Effekt von Riwo Sangchö wirklich funktioniert, muss nicht nur rezitiert, gesungen und geopfert werden – was Suriyel in Perfektion beherrscht – sondern auch noch visualisiert.

Und das bedeutet in Riwo Sangchö – wie bei allen Tantra-Praktiken – nicht, einfach noch nebenher ein nettes Filmchen im Kopf abzuspielen, sondern durch einen bewussten Akt der energetischen Transformation zu einem Bodhisattva zu werden: einem erleuchteten Heiligen, der freiwillig Wiedergeburt auf Wiedergeburt annimmt, um alle leidenden Wesen befreien zu können.

Im Zustand dieser bewusst gehaltenen visuellen Selbsttransformation werden die Speisen geopfert: aber das, was da ins Feuer wandert, sind nicht einfach nur Lebensmittel. Damit sie die formlosen Wesen im Bardo, alle Naturgeister, Buddhas und Bodhisattvas nähren können, müssen sie energetisch in „Weisheitsnektar“ verwandelt werden, einer magischen Substanz, die jedem der vielen verschiedenen Gäste genau das gibt, woran es mangelt.

Diese Verwandlung der Speiseofper erfolgt durch Zauberkraft – und Zaubersprüche: Dem Mantra „Om ah hum“ und dem Mantra „Nama sarva tatagaté…“ das, um seine volle magische Wirkung zu entfalten, von einer festgelegten Abfolge von Mudras – rituellen Handbewegungen – begleitet wird.

Wenn man Riwo Sangchö – und alle anderen Tantra-Praktiken – als das praktizieren möchte, was sie ihrem Ursprung nach sind – Magie – muss man für sich akzeptieren, zum Zauberer oder zur Zauberin zu werden.

Und man muss akzeptieren, dass das, was man da rituell einlädt, wirklich existiert. All diese formlosen Wesen im Bardo, die Naturgeister, Buddhas, Bodhisattvas sind mitten unter uns. Nur sind wir so sehr in unserem limitierten Alltagsgeist gefangen, dass wir sie nicht wahrnehmen können.

Was an unseren Verstrickungen mit ihnen – und dem daraus für alle Beteiligten resultierenden Leid – nichts ändert.

Deshalb suchen Menschen seit den Ursprüngen unseres Geschlechts diese Barrieren unseres beschränkten Denkens und Wahrnehmens zu überwinden. Schamanen gab es zu allen Zeiten – und es wird sie bis ans Ende der Menschheit geben. Denn das, was sie tun, ist die elementarste aller menschlichen Tätigkeiten: sie bringen Lebensenergie ins Gleichgewicht.

Dass das ein anspruchsvoller Job ist, versteht sich von selbst.

Und dass es dabei manchmal etwas unruhiger zugeht, auch. Manchmal raucht es sogar – und nicht nur ein bisschen…

Trotz aller Widrigkeiten – und der fehlenden Visualisierung – sind wir irgendwann im Flow, alles um uns glüht vor Energie.

Ob Gäste kommen oder nicht, entzieht sich leider meiner Kenntnis, denn – wie gesagt – ich „sehe“ nichts.

Hinterher finde ich: wir haben das Beste draus gemacht.

Und die Zentrumsfrau lobt Suriyel, weil er diesmal statt der üblichen 90 Minuten bereits nach sozialverträglichen 45 Minuten mit seinem Riwo Sangchö fertig ist.

Als ich um fünf Uhr Abends wieder im Zug nach Leipzig sitze – der abermals Verspätung hat, wenn auch diesmal nur eine halbe Stunde – texte ich Suriyel: „Das war der Tag des Widerstandes.“

„…oder der Möglichkeiten“, kommt es zurück.

Oder so…

Höheres Tantra

Im Buddhistischen Zentrum finde ich mich – obwohl verspätet – überraschend befriedet ein. Während Suriyel seine Grüne Tara praktiziert, reflektiere ich über das Prinzip neurotischen Leidens und die Herausforderungen der Tantrapraxis für alle Beteiligten…

Als ich am Sonntag aus dem U-Bahnschacht in Berlin-Mitte haste, ist es schon nach 12 Uhr Mittags. Ich bin mehr als eine Stunde zu spät dran für die Praxis im Buddhistischen Zentrum – vielen Dank an die Deutsche Bahn!

Schon seit dem Aufwachen bin ich im Widerstands-Modus. Die zäh dahinfließenden Minuten im still stehenden Zug mit Blick auf die Pampa Brandenburgs ließen mich innerlich vor Wut kochen. Ich musste die Konzentration meiner kompletten Zen-Praxis aufbringen, um nicht einen armen unschuldigen Mitreisenden ohne Anlass anzugiften.

„So wird das nie was!“, denke ich verzweifelt. Wie soll ich eine anspruchsvolle tibetisch-buddhistische Praxis wie die „Grüne Tara“ lernen, wenn ich nur höchstens zwei Mal im Monat teilnehme und dann auch noch regelmäßig zu spät komme?

Ich sehe mich die nächsten Jahre meines Lebens – hilflos der Deutschen Bahn ausgeliefert – zwischen Leipzig und Berlin hin und her pendeln, ohne irgendwelche Fortschritte in meiner Meditationspraxis vorweisen zu können. Ein moderner weiblicher Sisyphos, verurteilt zu ewiger sinnloser Anstrengung.

Zu meiner Verblüffung verfliegen Wut, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in dem Moment, in dem ich neben Suriyel im großen Schreinraum auf das Meditationskissen sinke.

Er und das binäre Wesen sind die einzigen, die gerade die Grüne Tara praktizieren. Sie sind schon in der zweiten Hälfte der Praxis angelangt.

Ich sitze still da, höre zu, nehme verblüfft meine plötzliche innere Friedfertigkeit zur Kenntnis – und siniere dabei über das Prinzip buddhistischer Praxis.

Buddha lehrte, dass alles Leiden auf drei Wurzelgifte zurückzuführen ist: Gier, Hass und Ignoranz. Wenn uns diese Emotionen dominieren, leiden wir. Das Leben fühlt sich falsch und ungerecht an. Wir erleben uns als Opfer böser äußerer Mächte, die uns etwas antun und damit verhindern, dass wir glücklich sind.

Dabei entscheiden wir in jedem Moment selbst darüber, ob wir leiden oder nicht. Solange ich einverstanden bin mit dem was ist, gibt es kein Leid – auch wenn das sehr provokativ klingt, angesichts all des Unrechts und der Gewalt in dieser Welt.

Die Wurzel dieses Problems liegt, so nehme ich an, nicht in der buddhistischen Philosophie begründet, sondern in deren Übersetzung.

Dass wir glauben, „Akzeptanz“ wäre gleichbedeutend mit „etwas gut finden“, hat vermutlich etwas mit unserer sprachlichen – und kulturellen – Konnotation zu tun.

Der Buddhismus und seine Philosphie stammen aus einem anderen Kulturkreis. Die Übersetzung von Begriffen und Konzepten ist deshalb immer eine Herausforderung. Im Buddhismus ist die Haltung der Akzeptanz nicht gleichbedeutend damit, moralisch einverstanden zu sein.

Es beschreibt einfach nur eine radikale Haltung der Annahme von Realität: die Dinge sind in diesem Moment genau so, wie sie sind. Punkt!

Ich habe viele Jahre gebraucht, um zu erkennen, wie genial diese Haltung ist. Wie befreiend es ist, sich nicht mehr als Opfer der Umstände fühlen zu müssen.

Dass ich dem Prinzip nach verstanden habe, worum es in meiner Praxis geht (oder das zumindest glaube), bedeutet nicht, dass ich in der Lage bin, diese Haltung der Akzeptanz von Realität konsquent einzunehmen. Im Gegenteil – wie der Text oben und die vorhergehenden Blogeinträge beweisen.

Mit dem Ergebnis, dass ich leide. Nicht an tibetisch-buddhistischer Praxis, einem unperfekten buddhistischen Zentrum in Berlin-Mitte oder der Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn – sondern an meinen Neurosen!

Wir alle tragen in vielen Schichten, bis hinunter in unser Unbewusstes, fixe Ideen mit uns herum, wie unser Leben und unsere Umwelt zu sein haben, damit wir glücklich sein können. Das ist einfach das Prinzip unserer Conditio Humana. Evolutionsbiologisch scheint diese Form der inneren Selbstorganisation mit Vorteilen für das Überleben unserer Spezies einherzugehen.

Dummerweise dient die Evolutionsbiologie der effektiven Weitergabe von Genen – Lebensglück ist kein Thema für sie.

Deshalb sind wir „Überlebensmaschinen“ und gleichzeitig prädestiniert für seelisches Leid.

Wir versuchen mit allen Mitteln, unsere Konzepte vom „guten Leben“ umzusetzen in der Hoffnung, „glücklich“ zu sein und ahnen nicht, dass wir einfach nur neurobiologischen Gesetzmäßigkeiten folgen, die uns und unseren Nachkommen das Überleben sichern.

Es gibt natürlich eine Schnittstelle zwischen „Glück“ und evolutionären Überlebensmustern: Solange alles so läuft, wie wir es uns vorstellen, kommen wir weder mit Leid noch mit unseren beschränkten Konzepten in Berührung.

Das fühlt sich gut an, läuft aber – so Buddha – unter „Ignoranz“.

In dem Moment, in dem die Realität den inneren Ansprüchen entgegenläuft, ist es vorbei mit der Zufriedenheit. Wir reagieren mit Widerstand, Kränkung, Verzweiflung, Kontrollstreben, Wut etc. = wir „leiden“.

Und suchen verzweifelt nach dem Notausgang: „Das fühlt sich gerade alles so völlig falsch und schrecklich an – ich will hier raus!!!“

Und dabei ist genau diese Erfahrung so unendlich wertvoll! Sie ist der Schlüssel, um Ignoranz hinter sich lassen zu können, und wirklich im Hier und Jetzt anzukommen. Nur diese extremen Frustrationserfahrungen, das Leiden an den Begrenzungen und Ungerechtigkeiten des Lebens, befreit.

Denn das, was sich oberflächlich so gut anfühlt – zu bekommen was man will, Kontrolle über das eigene Leben zu haben, abgeschirmt zu sein von den Zumutungen der Existenz – erweist sich langfristig als „Goldener Käfig“.

Der Kokon unserer Konzepte wird, je länger wir darin vergraben sind, zu einem Gefängnis, dass uns von der Realität – und damit vom Leben – trennt.

Im Ergebnis fühlt sich unsere Existenz fade an. Wir haben das Gefühl, nicht mehr richtig am Leben teilhaben zu können. Wir sind zu Zaungästen von Freude, Lust und Spontanität geworden, zu Konsumenten der aufregenden Leben anderer.

Der Preis für Sicherheit und Berechenbarkeit ist Depression.

Diesen Zustand beendet kein Zaubertrick. Wieder ins Leben zurückzufinden, ist harte Arbeit.

Denn der einzige Weg, Zugang zur eigenen Vitalität – und damit zur Vitalität aller Existenz zu finden – führt durch den Prozess der Annahme dessen, was ist.

Mehr noch: der Annahme dessen, was ich bin: der eigenen Limitierungen, der eigenen Ängste – und der eigenen Schwächen.

Und dabei geht es nicht nur um die „allzu menschlichen“ Aspekte der eigenen Persönlichkeit, sondern auch um tief sitzende charakterliche Mängel.

Hinter all diesen „Schatten“ der eigenen Persönlichkeit, die man sich selbst in den dunkelsten Stunden nur kurz und verschämt ansehen möchte, steht letztendlich immer eine Urangst: die Angst vor der eigenen Vernichtung.

Und genau dort setzen die anspruchsvollsten Techniken buddhistischer Meditation an.

Im Gegensatz zu den basalen Praktiken – wie das Singen oder Rezitieren von Mantras, die den Geist beruhigen und friedlich stimmen – haben Praktiken des Höheren Tantra einen disruptiven Effekt: sie „zerlegen“ das Ego.

Gnadenlos.

Dass ich, in dem Moment an dem ich beschloss, Riwo Sangchö und auch noch Grüne-Tara lernen zu müssen, mit den allerunschönsten Seiten meiner Persönlichkeit konfrontiert wurde, gehört zum „Trainingsprogramm“.

Wäre es anders, würde etwas falsch laufen.

Normalerweise dauert diese erste exzessive Phase des hilflosen Um-sich-Schlagens nicht allzu lange. Ich bin „durch“, erkenne ich, während ich still Suriyel lausche, der gerade das Abschlussgebet der Grünen-Tara anstimmt.

Was danach kommt, ist auch nicht vergnüglicher – im Gegenteil – aber immerhin habe ich schon mal den ersten Bewährungstest bestanden.

Ich habe nicht aufgegeben, sondern bin immer noch dabei!

Trotz schlafloser Nächte, unendlicher autoaggressiver Gedankenkreisel, äußeren Widerständen – und einem handfesten Krach mit Suriyel. Auch der hat den Bewährungstest bestanden und nicht aufgegeben. Obwohl mein hysterisches Ego mit allerlei schmutzigen Tricks versucht hat, ihn dazu zu bewegen, mich vor die Tür zu setzen.

Wir wissen eben beide, wie das Spiel läuft: nicht nur die, die die Praxis lernen, müssen zäh sein. Auch die, die sie vermitteln, haben einiges aushalten.

So sind die Regeln für alle, die zum Höheren Tantra berufen sind. Es ist ein unendlicher Leidens- und Lernprozess – für alle Beteiligten…

Wächter

Bei meinem zweiten Besuch im Tibetisch-Buddhistischen Zentrum versuche ich mich in der Grünen-Tara-Praxis, bin ein weiteres Mal irritiert darüber, dass ich keine Gästen während Riwo Sangchö „sehe“ und muss akzeptieren, dass mich wieder einmal mein „Innerer Wächter“ davon abhalten will, Fortschritte in meiner Meditationspraxis zu machen…

Am nächsten Sonntagmorgen nehme ich wieder den ICE nach Berlin. Meine zweite Reise in das Tibetisch-Buddhistische Zentrum fühlt sich schon fast wie Routine an.

Im Pavillon im großen Innenhof, in dem letzten Sonntag die Praxis stattfand, heftet gerade eine Gruppe von Frauen handgeschriebene Zettel an ein Whiteboard. Irgendeine Weiterbildung, vermute ich.

Wo findet diesmal die Praxis statt?

Ich wandere suchend umher. Im Flur des Haupthauses treffe ich auf das binäre Wesen von letztem Sonntag. Es trägt wieder Batik und weist mir den Weg in den zentralen Schreinraum des Zentrums.

Der ist groß und schön, sehe ich beim Eintreten – und noch ein halber Rohbau. An der Stirnseite steht ein prächtiger tibetisch-buddhistischer Altar vor einer weiß gestrichenen Wand, aber die anderen Seitenwände sind unverputzt, der Dachstuhl ist noch nicht verschallt.

Suriyel hat schon alles vorbereitet. Außer ihm ist nur noch eine einzelne Frau im Raum. Dann kommt auch noch das binäre Wesen dazu und nimmt neben der großen Trommel Platz.

Ich setze mich ebenfalls hinter ein Schreintischchen, auf dem bereits der Rezitationstext der Grünen-Tara-Praxis liegt. Heute, habe ich während der Herfahrt beschlossen, praktiziere ich das erste Mal mit. Nur immer passiv zuzuhören, während Suriyel die Arbeit macht, ist unangemessen.

Hier im Zentrum bin ich mit den traditionellen schmalen Textstreifen konfrontiert, die ich normalerweise nur von tibetischen Lamas kenne. Sie haben mich schon bei meinem ersten Aufenthalt letzten Sonntag während des Riwo Sangchö ins Schleudern gebracht.

Suriyel musste mir zeigen, wie man umblättert – sie werden, wenn die Vorderseite rezitiert ist, nach oben geklappt, dann kann die Rückseite gelesen werden. Trotzdem verlor ich nach kurzer Zeit den Überblick und brachte die Blätter durcheinander.

Diesmal ergeht es mir nicht besser: Rezitiert wird der tibetische Text, der in Lautschrift in lateinischen Buchstaben unter den tibetischen Schriftzeichen steht. Darunter befindet sich eine englische Übersetzung. Die muss ich mir in Ruhe zuhause durchlesen, in dem Tempo, das Suriyel vorlegt, schaffe ich es nur mit größter Mühe, wenigstens ansatzweise dem tibetischen Text zu folgen.

Ich haste mit den Augen von Zeile zu Zeile, meine Zunge stolpert über komplizierte Silben. Wieder einmal merke ich, was für ein ausgezeichnetes Konzentrationstraining die Rezitation tibetisch-buddhistischer Texte ist: sobald mein Geist auch nur eine Sekunde abschweift, verliere ich die Zeile oder zerschelle an einzelnen Silben.

Dazu wird der Text nicht einfach Zeile für Zeile durchgearbeitet. Einzelne Passagen werden mehrmals widerholt. Dann muss mehrere Seiten zurückgeblättert werden – immer so, dass der Text nicht versehentlich verkehrt herum gedreht wird – und wenn ich den Anfang der Passage gefunden habe, ist Suriyel schon wieder zwei Seiten weiter und ich finde die richtige Zeile nicht, weil er alles in rasender Geschwindigkeit auf Tibetisch rezitiert und singt.

Zwischendurch wird auch noch der Text gewechselt – ich blättere und sortiere, suche nach den richtigen Zeilen, falle über komplizierte Silben und bin, als wir nach zwei Stunden am Ende angekommen sind, völlig erschöpft.

Und dabei ist die Rezitation und das Singen des Textes nur ein Aspekt der Praxis. Dazu kommt Meditation: in der Grünen-Tara-Praxis gibt es einen Abschnitt, in dem in offenem Gewahrsein meditiert wird, dazu noch eine ausführliche Meditationspraxis mit dem spezifischen Mantra der Grünen Tara.

Und oben drauf muss zu all dem Rezitieren, Singen und Meditieren auch noch visualisiert werden. Das „Drehbuch“ für den Film, inklusive der Emotionen, die begleitend aufgerufen werden müssen, findet sich im Text. Für Westler gibt es eine englische Übersetzung, in der alles Schritt für Schritt erklärt wird. Man muss sie nicht nur auswendig lernen, sondern auch noch im Kopf haben, an welcher Stelle der Zeremonie welche Bilder und Emotionen abgerufen werden müssen.

Tantra ist eine anspruchsvolle und vorraussetzungsreiche Angelegenheit. Vor allem für uns im Westen, denke ich mir, während ich die Textstreifen wieder in die richtige Reihenfolge bringe und dem binären Wesen überreiche. Tibeter haben es leichter: sie verstehen zumindest, was sie tun.

Als ich das in der Pause zwischen Grüner-Tara-Praxis und Riwo Sangchö zu Suriyel sage, widerspricht er mir: für tibetische Muttersprachler wären die sakralen Rezitationstexte völlig unverständlich. Die dort verwendete Sprache hätte mit dem üblichen Alltagstibetisch so gut wie nichts gemein. Und Übersetzungen in modernes Tibetisch wären nicht üblich. Wir Westler wären tibetischen Praktizierenden gegenüber im Vorteil, weil wir über die englischen Übersetzungen verfügen, die uns detailiert erklären, was korrekterweise zu tun sei.

Das tröstet mich etwas. Daran, dass ich noch sehr viel Arbeit, Zeit und Mühe investieren muss, bis ich die Praxis irgendwann beherrschen werde, ändert das leider nichts.

Während Suriyel von irgendwo eine riesige Plastiktüte mit all seinem Equipement für das Riwo Sangchö herbeischleppt, plaudere ich ein bisschen mit dem binären Wesen, das im übrigen ganz bezaubernd ist. Auf den halben Rohbau-Zustand des Schreinraums angesprochen, erklärt es mir, das Buddhistische Zentrum wäre wie der Kölner Dom: wenn an einem Ende endlich etwas fertig wäre, sei am anderen Ende schon wieder was kaputt. Und wirklich, die schöne Holzterrasse zum kleinen verwunschenen Innenhof, auf der Suriyel gerade seine große Feuerschale platziert, ist an einzelnen Stellen schon wieder morsch.

Bevor Suriyel die Kohlen anzündet, ruft er zu meiner Erheiterung wieder bei der Feuerwache um die Ecke an und meldet, dass es unter der genannten Adresse wegen eines Rituals zu erhöhter Rauchentwicklung kommen wird.

Auf einem kleinen Altar, der vor der Terrasse im Schreinraum platziert ist, hat Suriyel acht kleine Näpfe mit Wasser, einer Blume, einer Kerze und Räucherstäbchen aufgereiht. Sie symbolisieren verschiedene Gegenstände, mit denen die Gäste, die wir zum Festmahl erwarten, willkommen geheißen werden.

In der Ablagefläche darunter hat er die Speiseopfer gestellt, die er später während des Zeremoniells verbrennen wird.

Nachdem wir wieder alle vier Platz genommen haben – das binäre Wesen schlägt abermals die Trommel – beginnt das Zeremoniell. Riwo Sangchö ist einfacher als die Grüne-Tara-Praxis: es gibt weniger Text, der Aufbau ist übersichtlicher, die Melodien sind eingängig und werden langsamer gesungen. Außerdem habe ich es schön öfter praktiziert. Im Retreathaus am Ende der Welt beginnt Uriel jeden Tag mit einem Riwo Sangchö, es ist mir deshalb schon ein wenig vertraut.

Ich versuche also, während ich singe und das Mantra rezitiere, auch noch zu visualisieren. Aber wieder ergeht es mir nicht besser als beim Riwo Sangchö am vorherigen Sonntag hier im Zentrum: ich „sehe“ keine Gäste.

Und dabei vibriert alles um uns vor Energie! Wir sind gerade richtig im Flow – genau wie es sich gehört. Dazu produzieren die Thuja-Zweige, die Suriyel auf die glühenden Kohlen gelegt hat, dicke Rauchschwaden und seine Opfergaben sind vom Feinsten.

Während ich, zusammen mit den anderen, wieder und wieder im Singsang das Mantra rezitiere, schaue ich auf den Boden und versuche gleichzeitig, mein „Drittes Auge“ zu justieren. Das kann ja wohl nicht sein, dass da nichts ist? Normalerweise kommen sie immer!

Aber ich „sehe“ keine wie auch immer gearteteten Wesen, Gestalten, Gottheiten, Naturgeister – what´s ever – um die Feuerschale herum auftauchen. Gibt es hier keine oder ist heute einfach nicht mein Tag?

Als wir fertig sind, fühle ich mich seltsam leer und unzufrieden. Dabei war es wieder einmal so ein schönes Ritual: niemand beherrscht es in dieser Perfektion wie Suriyel.

Auf dem Weg zurück nach Leipzig beschließe ich, dass mir gerade mein arrogantes Ego einen Streich spielen will: es mault und tobt Tag und Nacht in meinem Kopf, seit ich beschloss, in Suriyels Buddhistischem Zentrum Riwo Sangchö – und jetzt auch noch Grüne Tara – zu lernen. Es spielt sicher gerade ein böses Spiel mit mir, in der Hoffnung, ich könne die Lust an der Praxis verlieren und einfach nicht mehr hinfahren.

Je größer der Gewinn einer Praxis, desto extremer der Widerstand, lautet die Faustformel. https://www.water-runs-east.eu/sieben-der-waechter/

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