Die „zweite Klasse der Gäste“ die zum tradtitionellen tibetisch-buddhistischen Rauchopfer geladen wird, hat besondere Aufgaben…

Unser persönlicher Beschützer ist immer bei uns. Er begleitet uns von Wiedergeburt zu Wiedergeburt seit dem Beginn unserer vagen Existenz.

Er wird bei uns bleiben, bis wir das große Ziel – Buddhaschaft – erlangt haben werden.

So heißt es in der Nyingma-Tradition, einer der beiden „alten“ schamanischen Schulen des tibetischen Buddhismus.

In unseren Träumen können wir mit unserem persönlichen Beschützer in Kontakt treten. Wenn wir offen dafür sind und Präsenz auch im Schlaf halten können, wird er sich zeigen. Dann gibt er Rat und lädt ein in sein Reich, das jenseits von Raum und Zeit liegt.

Wem so viel Wachheit nicht gegeben ist, den führt er aus dem Unbewussten. Er – oder sie, es gibt Beschützer und Beschützerinnen – ist die Innere Stimme, die den Weg weißt.

Das, was wir „Intuition“ nennen…

Es gibt „zornvolle“ und „friedvolle“ Beschützer und Beschützerinnen.

Wer mit der sanften Variante gesegnet ist, wird zur Erleuchtung geführt.

Wer die „zornvolle“ Version abbekommen hat, wird zur Überwindung allen Leidens geprügelt.

So kommt es mir zumindest vor.

Ich werde von einer sehr energischen Beschützerin geführt. Sie reagiert allergisch auf Widerspruch, akzeptiert keine Schwächen, ist taub gegenüber meinen Klagen und hat keine Skrupel, mich auch noch die steilste und unwegsamste Abkürzung zum großen Ziel hinaufzujagen.

Denn das ist ihre Aufgabe.

So wie die aller anderen Beschützer – der „zweiten Klasse der Gäste“, nach den Buddhas und Bodhisattvas – die zum Rauchopfer geladen werden.

Einst waren die Beschützer mächtige Naturgeister und animistische Götter. Von Buddhas und Bodhisattvas befriedet, verpflichteten sie sich den Dharma – die Lehre Buddhas – gegen alle Bedrohungen zu verteidigen.

Ihre Obligenheit ist es, dafür zu sorgen, dass jedes fühlende Wesen zur Erleuchtung geführt wird.

Durch die Praxis des Riwo Sang Chöd treten wir mit ihnen in eine persönliche Beziehung.

Wir bringen ihnen Opfer dar, um unseren Dank für ihren Schutz auszudrücken. Im Gegenzug erhalten wir von ihnen spezielle Fähigkeiten, die uns helfen, unser Ziel – die Überwindung allen Leidens – schneller zu erreichen.