Ich breche zu meiner Reise in den Bialowieza-Nationalpark auf.

Der EC 47 nach Warszawa Gdanska fährt von Berlin-Gesundbrunnen. Er braucht gerade mal sechs Stunden in die polnische Hauptstadt.

Als ich, den schweren Treckingrucksack über den Schultern, durch das morgendlich stille Waldstraßenviertel zum Leipziger Hauptbahnhof trabe, spüre ich ein vertrautes Kribbeln im Magen. Es ist die „Ich-bin-unterwegs“ Aufregung – sie fühlt sich gut an.

Es gibt Ecken, an denen sieht Berlin aus wie ein Vorort von Bratislawa oder Kiew. Gesundbrunnen hat eher Istanbul-Charme, stelle ich fest, als ich den Bahnhof nach meiner Ankunft im ICE von Leipzig nach Berlin verlasse. Das Café, in dem ich die Dreiviertelstunde Wartezeit bis zur Abfahrt des Warschau-Expresses überbrücke, heißt „La Femme“. Von Savoir-vivre keine Spur: in der Auslage stapeln sich orientalische Köstlichkeiten, um mich sprechen alle türkisch, die Bedienung wedelt mit einem schmuddeligen Lappen über den Tisch und verteilt ungerührt Brösel auf meinen Schoß. Ich trinke einen Cappucino und inhaliere Berlin. Neben dem Gehweg rauscht der Großstadtverkehr vierspurig vorbei. Von der schöne Jugendstilfassade des „Hauses der Volksbildung“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite löst sich der Putz, die Fenster des Erdgeschosses sind mit Sperrholzplatten verrammelt. Wells Fargo bietet neben dem Döner-Laden seine Dienste an und alles vibriert vor Energie.

Der EC kommt pünktlich und ist fast ausgebucht. Dank der in Polen üblichen Reservierungspflicht verläuft das Einsteigen trotzdem zivilisiert, der Kampf um den Sitzplatz erübrigt sich. Ich wuchte den schweren Rucksack in die Gepäckablage, lasse mich auf dem bequemen Fensterplatz nieder und freue mich über die Beinfreiheit. Für diesen Luxus müsste man in Deutschland erste Klasse buchen! Auch sonst zeigt sich die polnische Bahn großzügig: während der Fahrt gibt es gratis Wasser und zwei Mal kommt ein Herr mit Mülltüte, um die leeren Flaschen einzusammeln.

Unter der Brücke glänzt die Oder. Jetzt bin ich in Polen! Erst das zweite Mal in meinem Leben. Und dabei liegt meine erste Reise ins östliche Nachbarland gerade mal vier Monate zurück: im Februar hatte ich Maria nach Danzig begleitet. Die überraschende Einladung war der Auslöser dafür gewesen, diesen Blog zu starten. https://www.water-runs-east.eu/siebzehn-aufbruch/