Im Meditationsraum der Spirtuellen WG soll uns Rinpoche in die Geheimnisse von Sur und Naga Offering einweihen…

Während Rinpoche am Freitagmorgen in der Küche beim Frühstück sitzt, bereite ich den Raum für sein Teaching vor.
Suriyel hat gestern Abend aus dem Tibetisch-Buddhistischen Zentrum von Friedrichshain zehn Camping-Klapptische mitgebracht. Die lagern dort im Speicher und kommen bei großen Veranstaltungen zum Einsatz.
Denn tibetisch-buddhistische Praxistexte sind sakral! Sie dürfen niemals auf dem Boden liegen! Man darf nicht einmal über sie hinweg steigen!
Deshalb sind die grauen Klapptische von existenzieller Wichtigkeit. Nachdem sie aufgestellt und die kopierten Praxistexte darauf verteilt sind, widme ich mich dem nächsten Punkt auf meiner To-do-Liste:
Dem Altar.
Maktiel und ich haben ihn gestern aufgebaut. Nach ein bisschen hin und her haben wir uns dafür entschieden, ihn an der Stirnseite des Raums auf einem Mauervorsprung zu platzieren.
Auf meinem schönsten Wollschal thront Esthers grauer Plastik-Buddha aus dem Deko-Laden. https://www.water-runs-east.eu/buddha/
Links von ihm habe ich meine Grüne Tara platziert, rechts von ihm Throma Nagmo. https://www.water-runs-east.eu/throma-nagmo/
Keine der Figuren wurde von einem Lama mit Sutra-Rollen und heiligen Gegenständen gefüllt. Deshalb haben sie eigentlich auf einem Altar – und noch dazu für das Teaching eines Rinpoche – nichts verloren!
Aber etwas anderes hat die Spirituelle WG nicht zu bieten.
Nachdem ich noch zwei Blumensträuße auf unseren improvisierten Altar gestellt habe, fülle ich die kleinen Schälchen, die vor dem Buddha und den beiden weiblichen Buddha-Emanationen aufgereiht sind, mit Wasser.
Dann zünde ich Kerze und Räucherstäbchen an.
Ich trete einen Schritt zurück, um mein Werk kritisch in Augenschein zu nehmen. Ein grauer Rauchfaden zieht an der Nase des Deko-Buddha vorbei. Vor seinem runden Bauch tanzt die Kerzenflamme.
Er lächelt!
Mir wird ganz warm ums Herz, als ich sehe, wie glücklich er aussieht!
Kurz darauf kommt Rinpoche. Der sieht auch zufrieden aus, stelle ich erleichtert fest. Er nimmt probeweise neben dem lächelnden Deko-Buddha auf meinem grünen Samt-Sofa-Stuhl Platz. Den haben Maktiel und ich gestern Nachmittag mit vereinten Kräften aus meinem Zimmer hinunter in den ersten Stock geschleppt.
Rinpoche schlägt die Beine übereinander, wippt ein paar Mal auf und ab – und nickt zustimmend. Dass er nicht – wie es eigentlich üblich ist – auf einem roten Holzthron platziert wurde, scheint ihn nicht zu stören.
Wir machen ein paar Probeaufnahmen mit meinem Handy. Dafür habe ich – auf Anraten Maktiels hin – gestern extra noch ein Stativ besorgt. Die Teachings sollen aufgezeichnet werden, damit wir in der Sangha nach Rinpoches Abreise mit den Videos üben können.
Während Rinpoche und ich den richtigen Winkel für die Aufnahmen und den besten Platz für sein Tischchen mit den Texten und dem Equipement für das Rauchopfer austesten, treffen die Teilnehmer des Teachings ein. Trotz Freitagvormittag sind wir immerhin zu acht. Am Nachmittag haben sich noch ein paar weitere Sangha-Mitglieder angekündigt.
Ich habe ein flaues Gefühl im Magen, als ich mich neben Rinpoches grünem Samtsessel auf dem Meditationskissen niederlasse.
Hoffentlich geht alles gut!
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