Für die Belehrungen des nepalesischen Rinpoche in der Spirituellen WG benötigen wir tibetisch-buddhistische Praxistexte der Nyingma-Tradition…

Das erste Mal in meinem Leben trage ich Verantwortung für ein Vajrayana-Teaching!
Ungewollt.
Denn für die Rolle der Veranstalterin – finde ich – bin ich eigentlich nicht qualifiziert. Dafür fehlen mir Wissen und Erfahrung.
Die Teachings und Retreats, an denen ich bisher teilgenommen habe, wurden von Profis organisiert. Leuten wie Uriel und Suriyel, die seit Jahrzehnten Tantra praktizieren und über sämtliche Details tibetisch-buddhistischer Rituale informiert sind.
Denn die Sache ist kompliziert. Man kann unglaublich viel falsch machen.
Deshalb beschränkte sich mein Beitrag bei Veranstaltungen bisher auf basale Tätigkeiten: putzen, backen, kochen…
Aber nun ist ein leibhaftiger nepalesischer Rinpoche im Anmarsch. Ich habe ihn eingeladen, also bin ich auch dafür verantwortlich, dass die Sache läuft.
Glücklicherweise hat mir Karma den liebenswertesten und unkompliziertesten aller Lamas geschickt.
Ein tröstlicher Gedanke.
Als erstes will Rinpoche wissen, was er denn jetzt eigentlich lehren soll? Für Sur – schreibt er mir – braucht er höchstens einen halben Tag. Er wird aber zweieinhalb Tage bei uns zu Gast sein. Die müssen irgendwie gefüllt werden.
Ich überlege: Welche Praxis kann die Sangha noch gut gebrauchen?
Ein Naga-Offering! https://www.water-runs-east.eu/spirits/
Schon lange möchte ich an einem Opfer für die mächtigen Wassergeister teilnehmen. Bisher hat es nie geklappt. Es gibt nur wenige in Europa, die das Ritual beherrschen.
Die Idee, nicht nur dabei sein zu dürfen, sondern – zusammen mit meiner Sangha – die Opferung zu lernen und in Zukunft gemeinsam zu praktizieren, lässt mich vor Aufregung vibrieren.
Mit zitternden Fingern tippe ich in mein Handy: „Could you teach us Naga Offering?“
„For sure“, kommt es zurück. „If you have a text.“

Tja.
Das ist immer die entscheidende Frage. Bei allen Tantra-Teachings und Retreats.
Der Praxistext….
Denn Texte für hohe Tantra-Praktiken sind schwer zu bekommen.
Erstens, weil sie geheim sind.
Und zweitens, weil die Lamas, die sie Auserwählten unterrichten, zwar über eine ganze Bibliothek an Ritualtexten verfügen. Allerdings in Tibetisch.
Damit westliche Praktizierende damit arbeiten können, müssen sie in sinnvoller Weise übersetzt werden. Eine Kunst, die nur wenige Menschen beherrschen. Denn die liturgischen Texte stammen zumeist aus dem tibetischen Mittelalter. Es genügt nicht, lediglich Tibetisch zu können. Die Übersetzer müssen darüber hinaus detailiertes kulturelles und religiöses Wissen über den Vajrayana besitzen.
Je besser die Übersetzung des Texts, desto effektiver die Praxis. Man kann in Bezug auf die Qualität Glück haben – oder Pech.

Ich habe Glück.
Auf der Homepage meiner amerikanischen Khandro gibt es sowohl für Sur als auch für Naga Offering Text-Übersetzungen zu kaufen. Dass ich mir für mein erstes Teaching zwei basale, kurze und nicht-geheime Praktiken ausgesucht habe, erleichtert die Sache.
Ich platziere die beiden Texte im virtuellen Warenkorb, bezahle mit PayPal und bekomme per Mail einen Link zugeschickt. Mit der Info, dass mir zwei Kopien zur Verfügung stünden.
Ich schicke einen Link an Rinpoche. Fünf Minuten später erhalte ich die Rückmeldung, die Texte wären in Ordnung.
Erleichtert speichere ich sie als pdf auf meinem Laptop. Weil ich gerade dabei bin, schreibe ich eine Mail an Suriyel. Er möchte die Texte sicher auch gerne sehen. Die beiden pdf´s wandern in den Anhang. Als ich den vor dem Abschicken kontrolliere, bin ich mit zwei leeren Dokumenten konfrontiert! Quer über jede Seite steht gedruckt: „You have reached your limit!“
Ich bin beeindruckt: Tibetisches Mittelalter trifft Silicon Valley…
Von nun an behandle ich die beiden Übersetzungen wie Rohdiamanten! Erst als mein Drucker zwei vollständige Exemplare in Papierform ausgespuckt hat, wage ich wieder zu atmen!
Ein Punkt auf der langen To-Do-Liste ist schon mal erledigt…
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