Wir starten den Versuch, das Instantpulver für unser Riwo Sang Chöd – das traditionelle tibetisch-buddhistische Rauchopfer – selbst herzustellen…

Eineinhalb Jahre, nachdem Suriyel damit begonnen hat, regelmäßig Riwo Sang Chöd im tibetisch-buddhistischen Zentrum von Friedrichshain zu praktizieren, hat sich das Rauchopfer dort etabliert. Wir machen es jeden Sonntag in der Gruppe, einige von uns praktizieren es zudem noch täglich zuhause.
Mit dem Ergebnis, dass wir Unmengen von dem teuren nepalesischen Instant-Powder verbrauchen! https://www.water-runs-east.eu/sang-powder/
Weil das Nachbestellen des Powders in Nepal so kostspielig wie klimaschädlich ist, hatten im April nach längerer Diskussion beschlossen, ihn zukünftig selbst zu fabrizieren. https://www.water-runs-east.eu/do-it-yourself-sang-pulver/
Allerdings ohne konkrete Idee, wie das zu bewerkstelligen ist. Die einzige Information über die Zusammensetzung des Instant-Powders entnehmen wir der Einleitung des Jahrhunderte alten Rezitationstextes des Riwo Sang Chöd.
In englischer Übersetzung steht dort: „Burn aromatic woods, resins, medicinal plants, the three white and three sweet substances (yoghurt, milk and butter; sugar, molasses and honey) and all kinds of incense and powder – whatever you have available, and sprinkle with pure water.“
Das beruhigendste an dieser Liste ist für mich der Zusatz „…whatever you have available…“.
Während sich unsere Vorräte an gekauftem Pulver mehr und mehr dem Ende zuneigen, sammle ich deshalb, was mir gerade vor die Nase kommt:
Von einer Treckingtour an der Polnischen Ostseeküste bringe ich eine Dose Kiefernharz nach Hause. Teuer bezahlt mit vielen Mückenstichen, die ich abbekam, als ich, so vorsichtig als möglich, das klebrige Harz von Baumrinden schabte.
Wieder zurück in Berlin, halte ich weiter auf jeder Tour durch die Stadt Ausschau nach allem, was sich für den Do-it-yourself-Sang-Powder verbraten lässt.
Zuvor habe ich das Internet befragt und zu meiner Erleichterung erfahren, dass sich im Grunde jede Pflanze, die duftet und heilt, auch für Räucherwerk eignet.
Ich sammle also alles, was eine Großstadt wie Berlin in Sachen „healing plants“ zu bieten hat. Im Frühsommer, stellt sich heraus, ist das einiges: Am Mauerpark entdecke ich eine Ansammlung großer blühender Holundersträucher.
Ein paar Tage später werden die blühenden Linden in unserer Straße zurückgeschnitten. Ich sammle einen Berg Äste ein und verbringe meinen Abend damit, die Lindenblüten zu zupfen.
Vor dem Zubettgehen lege ich eine weitere Reihe Papier aus und breite die duftenden Lindenblüten neben den vor sich hin trocknenden Holunderblüten darauf aus. Zur Belohnung darf ich in einem wahren Geruchsparadies einschlafen.
Im Garten der Spirituellen WG wächst auch einiges, was sich zum Räuchern eignet: Der rote Rosenbusch neben dem Gartenhaus blüht nicht nur wunderbar, seine Blüten verströmen einen intensiven Geruch, der das Duft-Potpourri meiner – sich immer weiter ausdehnenden – Räucherecke auf das schönste erweitert.
Rosmarin, Thymian, Minze und Melisse, die im Kräuterbeet wuchern, können ebenfalls veräuchert werden.
Ich suche, sammle, trockne, befülle und beschrifte leere Marmeladengläser – und kann, als Suriyel Anfang Juni zu mir zu Besuch kommt, eine stattliche Sammlung „healing plants“ für unseren Sang-Powder präsentieren.
Der zeigt sich angemessen beeindruckt.
Und ich freue mich, dass ich schon mal zwei Punkte auf der tibetischen Zutatenliste abhaken kann: „Resins“ und „Healing Plants“ haben wir schon mal…
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