Meine Innere Stimme diktiert mir eine schräge WG-Zimmer-Gesucht-Anzeige – und ich erhalte umgehend eine Antwort…

Am Freitag, den 13. Oktober, jagt mich meine Innere Stimme unmittelbar nach der Morgenmeditation an den Schreibtisch. Mein Flehen, sie möge mir doch zumindest noch einen Kaffee zugestehen, bleibt unerhört.
„Jetzt! Sofort!“, fährt sie mich an.
Ergeben starte ich den Laptop.
Während der Meditation hatte mir meine Innere Stimme ins Ohr geflüstert, was ich zu tun habe: Ich müsse ein Zimmer-Gesuch verfassen. Den Text teilte sie mir ebenfalls mit. Wort für Wort. Inklusive der Quadratmeter und der Höchstgrenze der Miete.
„So groß?“, frage ich zweifelnd, während ich tippe, was mir aufgetragen wurde. „Und so teuer???“
Die Innere Stimme schweigt. Sie hat mir gesagt, was es zu sagen gibt. Jedes weitere Wort wäre Energieverschwendung.
Ich habe gelernt, ihr zu gehorchen. Genau dafür praktiziere ich seit Jahren Zen. Damit ich tue, was ansteht.
Und dabei mein Ego ausblende. https://www.water-runs-east.eu/schizophrene-beziehungskrise/
Denn dem fällt einiges zum Auftrag der Inneren Stimme ein. Und definitv nichts positives!
„Bist du wahnsinnig geworden?“, fährt es mich an. Seine Stimme überschlägt sich vor Angst und Wut. „Du hast keine Ahnung, wie die Schlacht ausgehen wird! https://www.water-runs-east.eu/?p=7263&preview=true
Warte gefälligst ab, bist du weißt, ob du dir das leisten kannst!“ Es muss kurz Luft holen, bevor es kreischt: „Und heute ist auch noch Freitag, der 13.!!!!“
Ich blende das hysterische Gekeife des Egos aus, so gut es geht. Dank der exakten Vorgaben der Inneren Stimme brauche ich gerade einmal eine Stunde, dann ist die „WG-Zimmer-Gesucht“-Anzeige geschrieben, korrigiert und hochgeladen.
Danach darf ich mir endlich einen Espresso kochen. Während ich das Aluminium-Kännchen auf den altertümlichen Herd stelle, beruhige ich mein Ego: „Du musst dich nicht so aufregen. Es wird sich niemand auf das Gesuch melden! Der Text war viel zu schräg!“
Meine volle Kaffeetasse balancierend, wandere ich zurück an meinen Schreibtisch. Einen Schluck nehmend, rufe ich, bevor ich anfange zu arbeiten, meine E-Mails ab.
„Sie haben eine Antwort auf ihre Anzeige erhalten.“, informiert mich das Wohnungs-Portal, auf dem ich gerade einmal vor zwanzig Minuten meine Anfrage platziert habe.
Verblüfft rufe ich die Nachricht auf. Esther hat mir geschrieben, lese ich. Ein paar magere Zeilen: Sie würde ein Zimmer am Prenzlauer Berg vermieten. Exakt in der Größe und zu dem Preis, den ich angegeben hatte. Angehängt ein Photo des Zimmers: Helle Holzdielen, eine Fensterfront. Davor ein großer Balkon.
Ach ja: Sie wäre „Spirituelle Heilerin“ – und habe dasselbe Fach wie ich studiert.
Während das Ego schluchzend neben dem Schreibtisch zusammenbricht, schmunzelt die Innere Stimme zufrieden vor sich hin…
Eine wundersame, interessante Fügung!
Ich sollte meine innere Stimme wieder mehr beachten, ihr Raum geben.
Das mach, liebes Delphinchen. Und erzähl mir, was dabei rausgekommen ist…