Das Kinhin – die Meditation im Gehen – ist das zweite Kernelement des Zen im Spirituellen Zentrums…

Neben dem Zazen – dem stillen Meditieren im Sitzen – gibt es im Zen noch eine zweite Form der Meditation: Kinhin – das meditative Gehen. https://www.water-runs-east.eu/zazen/

Es gibt die flotte Variante, bei der zügig im Kreis gegangen wird. Am Hof läuft sie unter „Schnelles Kinhin“.

„Langsames Kinhin“, wird am Hof immer vor dem Tesho – dem Abendvortrag des Lehrers – praktiziert. Dann bewegt sich die ganze Sangha im Gänsemarsch durch das Zendo, indem jeder sehr langsam einen Fuß vor den anderen setzt.

Ich war aber auch schon mal bei einer Soto-Zen-Gruppe zu Gast. Bei denen – lernte ich – bedeutet „Kinhin“ seeeeeehr langsam zu gehen. Nach einer Viertelstunde Kinhin hatte ich mich etwa dreißig Zentimeter durch den Raum bewegt. https://www.water-runs-east.eu/grundsaetzliches-ueber-zen/

Interessante Erfahrung…

Während eines Zen-Retreats ist es nur dem Assistenten, der die schweigende Gruppe durch die Tage führt, erlaubt, zu sprechen. https://www.water-runs-east.eu/schweigen/

Der Assistent ist jedoch darauf fokussiert, so wenig Worte als möglich zu verlieren.

Während des Zen-Retreats soll der analytischen Geist der Meditierenden vollkommend zur Ruhe kommen. Schon Gesprochenes zu hören, aktiviert ihn.

Deshalb lenkt der Assistent die Sangha nicht durch Sprache, sondern durch Klänge.

Im Rinzei-Zen – und damit am Hof – sind sein wichtigstes Instrument zwei einfach braune Klanghölzer.

Jeder Tag eines Sesshins am Hof startet um 5:25 Uhr mit dem morgendlichen Kinhin. Der Beginn des meditativen Gehens wird vom Assistenten lautstark angekündigt. Dazu stellt er sich in die Mitte des Innenhofs, nimmt in jede Hand eines der kurzen braunen Klanghölzer und schlägt sie rhythmisch aufeinander. Das klingt fast wie ein Trommelwirbel.

Worauf die verschlafenen Mitglieder der Sangha ihre Teetassen auf den Geschirrwagen des Speisesaals stellen und gehorsam den Innenhof betreten, um dort stumm und in sich gekehrt eine halbe Stunde um einen Baum zu laufen.

Die Konzentration liegt während des Gehens – wie im Zazen – auf dem Atem. Dazu kommt der Fokus auf die Bewegung. Der Geist soll im Kinhin so zur Ruhe kommen, dass man sich selbst nicht mehr im Modus von „ich gehe“ erlebt, sondern zum Gehen wird.

Klingt schräg, funktioniert aber.

Zum Ende des Kinhins erklingen wieder die Klanghölzer. Diesmal schlägt der Assistent die beiden Stäbe einmal kräftig aufeinander. Ein lautes Klacken ertönt.

Das bedeutet „Achtung!“

Alle erstarren mitten in der Bewegung des Kinhin, um dann eine aufrechte Stehhaltung einzunehmen.

Der Assistent wartet kurz, dann schlägt er die Klanghölzer ein weiteres Mal aufeinander. Alle falten die Hände vor der Brust und verneigen sich.

Damit ist das Kinhin beendet.

Nach jedem Zazen – das in den Sesshins am Hof zwischen dreißig und vierzig Minuten bewegungsloses Sitzen auf dem Kissen bedeutet – folgen zwischen zehn und fünfzehn Minuten schnelles Kinhin.

Zu Beginn der Übungsblöcke am Morgen, am Vormittag und nach dem Mittagessen wird normalerweise im Freien Kinhin praktiziert. Während der Übungsblöcke – die aus zwei beziehungsweise drei Runden Zazen bestehen – laufen die Teilnehmer im Zendo im Kreis.

Dabei kommt einiges zusammen: im Schnitt legt man während eines Sesshins etwa zehn Kilometer am Tag durch Kinhin zurück.

Immer orchestriert von den Klanghölzern des Assistenten. Ihr Diktat gibt den Abläufe, denen sich Praktizierende im Rinzei-Zen zu unterwerfen haben, die Anmutung von Exerzierübungen.

Das Rinzei-Zen war im Mittelalter Teil der Elite-Ausbildung der Samurai, der adeligen Kriegerkaste Japans.

Auch heute noch wird, wer sich den Regeln des Rinzei-Zen unterwirft, mit den Jahren zum Krieger – oder zur Kriegerin.

Das muss man mögen.

Ich finde: es hat was…