Der verstorbene Vorbesitzer des Historischen Pfarrhofs von Dewitz ist integraler Teil meines neuen Lebens geworden…

Ich spreche oft von Frank.
Mit seinem ehemals besten Freund, der hier im Dorf lebt und mich regelmäßig besuchen kommt. Auf ein alkoholfreies Bier.
Mit den Nachbarn, die hinter der Remise des Pfarrhofs wohnen.
Frank war ein guter Freund und Nachbar.

Auch Suriyel spricht regelmäßig von Frank. Wieder und wieder lobt er dessen handwerkliches Geschick und Weitsicht.
Für Suriyel und mich ist Frank zu einem guten alten Freund geworden.
Dabei haben wir ihn nie kennengelernt!

Frank starb im August 2022. Er wurde nur 52 Jahre alt. Er hatte keine Familie.
Seine Erben boten den Pfarrhof zum Kauf an. https://www.water-runs-east.eu/schock/
Deshalb war ich im Oktober 2024 das erste Mal im Historischen Pfarrhof von Dewitz. Zum Besichtigungstermin mit dem Makler. https://www.water-runs-east.eu/besichtigung/
Im März 2025 unterschrieb ich den Kaufvertrag. https://www.water-runs-east.eu/notartermin/
Im Juni zog ich ein. https://www.water-runs-east.eu/einzug/

Die seltsame Beziehung mit dem verstorbenen Vorbesitzer nimmt ihren Anfang, bevor ich den Pfarrhof das erste Mal betrete: Weil wir vor dem Besichtigungstermin mit dem Makler noch etwas Zeit haben, fahren mein Bruder und ich ins fünf Kilometer entfernte Burg Stargard.
Dort kommen wir unter seltsamen Umständen mit einer Frau ins Gespräch, die nicht nur den Pfarrhof kennt, sondern sogar mit dem verstorbenen Vorbesitzer befreundet war.
Von ihr hören wir zum ersten Mal seinen Namen.
Frank.
Und von den Umständen seines Todes. Dass er in seinem Zuhause gestorben ist. Wie schockiert alle über seinen frühen Tod sind. Und das unklar ist, woran er gestorben ist.

Nach meinem Einzug bin ich überwältigt von Franks Präsenz.
Überall im Haus, in den Gebäuden und auf dem Grundstück ist Frank.
Frank ist im Pfarrhof geboren und aufgewachsen.
Er hat sein Leben hier verbracht und ist hier gestorben.
Frank hat den Pfarrhof geliebt.
So wird mir das von allen erzählt, die ihn gekannt haben. Und noch einiges andere über Frank dazu.
Gleichzeitig mache ich meine eigenen Entdeckungen. Ziehe meine eigenen Schlüsse aus den verbliebenen Spuren von Frank, die mir im Laufe der Zeit in die Hände fallen.

Oft ist mir Frank geradezu erschreckend nah:
Wenn ich morgens bei Nieselregen von Frank gesägtes, gespaltenes und aufgeschichtetes Brennholz aus der Werkstatt hole.
Und mir vorher seine Regenjacke überziehe, die im Heizungsanbau an einem Haken hängt.
Wenn ich Franks verblichenen Notizen in der Bedienungsanleitung des Heizkessels überfliege. https://www.water-runs-east.eu/heizung/
Jedesmal wenn ich die riesige Werkstatt betrete.
Franks Reich, von ihm selbst entworfen und gebaut.

Damit die Sauna-Pläne Realität werden können, beginne ich im November mit dem Ausräumen der Werkstatt. https://www.water-runs-east.eu/architekten-sauna/
Schicht für Schicht arbeite ich mich durch Franks erloschenes Leben.

Frank liebte Autos. Und Motorräder.
In den blauen Werkzeugschränken stapeln sich angebrochene Motoröle, Lackstifte, Polituren und Frostschutzmittel. Dazu Ersatzbirnen für Scheinwerfer, Bremsklötze, Keilriemen…

Frank liebte Angeln. Dabei mochte er keinen Fisch!
Was er angelte, schenkte er den Nachbarn.
Ich hole vergilbte Speisefisch-Plakate von den Wänden, sortiere Reusen, Angelschnüre, Haken und eine gebrochene Angelrute aus.

Frank sammelte Email-Plaketen.
Bevorzugt von Brauereien. Und Traktor-Firmen.
Die lasse ich hängen.
Alle Plaketen mit doofen und/oder sexistischen Bildern und Sprüchen schraube ich ab.
Davon gibt es einige.

Frank hatte jahrelang eine Fensterbau-Firma. Im Hochregal lagern kistenweise Fenstergriffe, Scharniere und Einbaumaterial.
Ich hieve – auf der Leiter balancierend – Eimer voller Nägeln und Schrauben vom Regal. Einen verrosteten Werkzeugkasten. Isolierfolien, Mauerschutzfolien, Mörtelreste, Farbreste, Gummischläuche, Unkrautvernichter und noch vieles mehr.
Als ich mich zum obersten Regalbrett durchgearbeitet habe, stelle ich fest, dass hier bis vor kurzem eine Mäusefamilie lebte. Eine Pappschachtel mit Farbresten diente als Mäuseklo. Die Röhre einer Rolle Isolierfolie für Trockenbau war die Mäuse-Kinderstube. Warm und gemütlich gepolstert mit dem zerrissenen Etikett eines Farbeimers.
Der Haufen für den Wertstoffhof wird immer größer.
Er riecht streng nach Mäusekot.

Während ich tagelang in der ungeheizten Werkstatt vor mich hin arbeite, sind meine Gedanken bei Frank.
Dem Mann, der nie die passende Frau fand.
Der immer der Sohn seiner dominanten Mutter blieb, die er bis zu ihrem Lebensende pflegte. Drei Monate nach dem Tod der Mutter starb Frank.
Der Mann, der regelmäßig ins Puff ging.
Der harte Kerl, der stundenlang Gewichte hob.
Der Bäume fällte und Motorcross fuhr.
Aber auch der Mann, der Holzreste in Tiere und Fabelwesen verwandelte.
Immer wieder finde ich Zeugnisse von Franks Fantasie.
Als ich seinen früheren besten Freund darauf anspreche, ist der verblüfft. Das Frank diese Seite hatte, war ihm nicht bewusst gewesen.

Ich lebe inmitten der Spuren, die ein fremder Mensch hinterlassen hat.
Für ein paar Jahre.
Ein paar Jahrzehnte, wenn ich Glück habe.
Dann wird der nächste in den Pfarrhof ziehen, und in meinen Spuren leben.
Sich durch die Reste meiner verblichenen Existenz arbeiten.
Denn das einzig Beständige ist der Wandel…
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